Bildungswoche 20

14.05.2004 Artikel

(Ganztags-)Schul - Gezeter

Die verlässliche Halbtagsgrundschule soll vom Schuljahr 2005/2006 an für alle Berliner Grundschulen gelten – das freut Eltern und Kinder, weniger aber die Lehrer, denn sie sollen ab Sommer 2005 zu festen Präsenzzeiten in der Schule verpflichtet werden. Die Lehrergewerkschaft GEW befürchtet eine Arbeitszeitverlängerung.

Bundesministerin Edelgard Bulmahn bezeichnete das Investitionsprogramm für Ganztagsschulen als vollen Erfolg, weil mehr als 3000 Schulen zum Schuljahr 2004/2005 Betreuungsangebote zur Verfügung stellen. Niedersachsens Kultusminister Busemann konterte, es sei bloß Vorhandenes umgebaut worden.

Geld für Bildung – aber woher?

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn forderte, mehr Geld in Bildung und Forschung zu investieren. Der Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Eigenheimzulage zu streichen, sei genau richtig.

Friedrich Merz hingegen hält Investitionen in Bildung und Forschung für die falsche Methode zur Ankurbelung der Wirtschaft.

Aus einigen Bundesländern meldeten sich auch Stimmen aus SPD und Grünen, besser nicht sämtliche Mittel in Forschung und Bildung fließen zu lassen.

Für Furore sorgte Müntefering mit seiner Äußerung, dass die Europäische Union entscheiden müsse, ob sie die Ausgaben für Forschung und Bildung bis 2010 auf drei Prozent steigern oder den Stabilitätspakt einhalten wolle - beides sei nicht mehr harmonisierbar.

Zusätzliche 20 Milliarden Euro für Bildung und Forschung forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Ihr Vorschlag zur Finanzierung: Einführung der Vermögenssteuer, Erhöhung der Grund-, Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie die Mindestbesteuerung von Unternehmen.

Wieder ein neues Konzept: Mit einer Bundesbildungsbank will ein hessischer Staatsekretär die Hochschuletats aufstocken.

Bittere Zahlen

Drei Monate vor dem Ende des Schuljahres haben in Bayern noch rund 45.000 Jugendliche keine Lehrstelle. Dem stehen gerade mal 23.000 noch nicht besetzte Ausbildungsplätze gegenüber.

Der Internationale Bund befürchtet, dass in diesem Jahr bis zu 70 000 benachteiligte Jugendliche keinen Platz in berufsvorbereitenden Lehrgängen erhalten. Grund dafür: die Sparpolitik der Bundesagentur für Arbeit.

Jeder achte Hauptschulabgänger in Deutschland beendet seine Schullaufbahn ohne einen Abschluss.

Jungen haben doppelt so häufig Leseschwierigkeiten wie Mädchen haben britische Forscher herausgefunden. Eine Ursache dafür sehen sie im Erbgut. Jungen hätten insgesamt mehr Entwicklungsschwierigkeiten.

Geprüfte Schulen

Als erstes Bundesland schickt Schleswig-Holstein alle seine Schulen zum 'TÜV'. Eine Revolution im Schultrott - Kritikern noch zu halbherzig.

Streitlustige Eltern

Eltern- und Lehrerverbände gehen gegen Kürzung per Reform des Bildungsplanes in Baden-Württemberg auf die Barrikaden.

Clevere Schüler

Drei Bremer Schüler haben im Rahmen von Jugend forscht ein digitales Verkehrs-Überwachungssystem entwickelt. Zwei Unterschiede zu Toll Collect: Es ist preiswert und es funktioniert.

Erziehende Lehrer

Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern sollen mehr für die Erziehung der Schüler tun, forderten Vertreter aller Fraktionen. Bis zum 30. September soll ein entsprechendes Konzept entwickelt werden.

Weiterbildung gefragt

Die Deutschen lassen sich ihre Qualifizierung etwas kosten: Im Jahr 2002 haben insgesamt 27,8 Millionen Lernwillige rund 13,9 Milliarden Euro für die eigene berufliche Weiterbildung springen lassen - Ergebnis einer repräsentative Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung.

79 Prozent der Österreicher glauben, dass berufliche Weiterbildung heute wichtiger ist denn je. 48 Prozent der Österreicher halten die Fachhochschulen dafür am besten geeignet.

Mediziner im Visier

Zwar können von diesem Sommersemester Medizinstudenten in Hessen auch virtuell studieren. Trotzdem ist die Hochschulmedizin in Deutschland laut Wissenschaftsrat reformbedürftig: Die Ausbildungsstrukturen sind veraltet und es mangelt an guter Forschung. Manche Habilitationsverfahren dauern Jahrzehnte.

ZVS adé

Bildungspolitiker planen die Entmachtung der ungeliebten ZVS und schaukeln bereits die Abrissbirne warm. Bundesbildungsministerin Bulmahn schaukelt mit.


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