Chicago zeigt, wie's geht!
Das Erikson Institute aus den USA zeigt, wie frühe Bildung und digitale Medien sinnvoll zusammenfinden – und wie die Forschung Eltern und Fachkräfte auch in Deutschland dabei unterstützen kann. Von Martin Stengel
09.02.2026 Bundesweit Artikel Meine Kita„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ – auch wenn das Sprichwort inzwischen ein wenig altbacken klingen mag, trifft es den Kern frühkindlicher Bildung ziemlich gut. Rückstände in der sprachlichen, motorischen oder emotionalen Entwicklung können nur schwer aufgeholt werden, wenn überhaupt. Auch die Gründungsmitglieder des Erikson Institute erkannten in den 1960er-Jahren, wie wichtig es ist, Fachkräften, die mit jungen Kindern und deren Familien arbeiten, ein tiefes Verständnis für die frühkindliche Entwicklung zu vermitteln.
Als Graduiertenschule und Forschungseinrichtung für frühkindliche Bildung vereint das Erikson Institute heute Wissenschaft, Ausbildung und Praxis. Inzwischen liegt sein Fokus aber nicht mehr nur auf pädagogischen Fachkräften. Stattdessen möchte man allen Menschen Wissen über die frühkindliche Entwicklung vermitteln, die mit Kindern arbeiten. Studierende und Forschende arbeiten daher eng mit Einrichtungen der Kindertagespflege, Sozialdiensten, Bibliotheken, Museen und Familienprogrammen zusammen. Das Ziel: ein lebendiger Austausch zwischen Forschung und Praxis, der neue Impulse für eine kindgerechte und familienorientierte Bildungsarbeit liefert.
Digitale Medien entdecken
Da digitale Medien heute bereits für Kleinkinder zum Alltag gehören und ihre persönliche Entwicklung prägen, hat das Erikson Institute im Jahr 2012 das Technology in Early Childhood Center gegründet, kurz TEC Center. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in den Alltag früher Bildung fließen: Das TEC Center entwickelt Materialien für Fachkräfte, Eltern und Bildungseinrichtungen, beispielsweise einen Maßnahmenplan, um die Medienkompetenz in der frühen Kindheit zu fördern.
Dieser Plan definiert sechs grundlegende Fähigkeiten, die Kinder im Umgang mit Medien beherrschen sollten. Demnach sollten sie lernen, …
1. gezielt auf Medien zuzugreifen (access).
2. sich mit Medien zu beschäftigen und diese altersgerecht zu erkunden (engage/explore).
3. Medienbotschaften und -praktiken zu verstehen (comprehend).
4. sich kritisch mit Medien und ihrer eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen (critical inquiry).
5. Inhalte und die Wirkung von Medien entwicklungsgerecht einzuschätzen (evaluate).
6. mithilfe von Medien ihre eigenen Ideen zu entwickeln und auszudrücken (create).
Die Forschenden liefern auch konkrete Empfehlungen für gemeinsame Aktivitäten zum Mitmachen und Entdecken, bei denen die Kinder diese Fähigkeiten einüben können. Vierjährige lernen dabei anders als Achtjährige. Die Tipps des TEC Center beziehen sich daher auf unterschiedliche Altersstufen und setzen bereits bei Kindern zwischen null und zwei Jahren an. Die Bandbreite reicht von MINT-Aktivitäten im Museum über die gezielte Konzentration auf eine App bis hin zu Symbolen oder Farben, die in Medien häufig zum Einsatz kommen.
Das Erikson Institute
• wurde 1966 als Chicago Institute for Early Childhood Education gegründet. Inspiriert durch die Arbeit des Psychoanalytikers und Entwicklungspsychologen Erik Erikson wurde es 1969 in Erikson Institute umbenannt.
• bietet neben Masterprogrammen und Fortbildungen auch Weiterbildungskurse und Unterstützungsangebote für Fachkräfte der frühkindlichen Bildung vor Ort an.
• setzt sich mit wissenschaftlicher Expertise und fachlichen Empfehlungen an die US-amerikanische Politik ein, um Chancengleichheit und eine kindgerechte Entwicklung zu fördern
Für eine altersgerechte Medienbildung stellt das TEC Center auch eine Übersicht bereit, wie sich Mediennutzung auf Kinder in verschiedenen Altersstufen auswirkt. Laut dieser würden Kleinkinder digitale Medien zwar in der Regel nicht selbst nutzen, kämen aber oft „schon ab der Geburt im Laufe des Tages mit einer Vielzahl von Medien in Berührung“. Sei es durch Eltern oder Betreuungspersonen, die bereits sehr kleinen Kindern Videos oder Fotos auf ihren Smartphones zeigen. Da sich so junge Kinder noch nicht sprachlich ausdrücken können, empfehlen die Forschenden sorgfältig auf Mimik oder Handbewegungen als Reaktionen zu achten. Diese zu verstehen und richtig zu interpretieren sei für Erwachsene entscheidend.
Impulse für hybride Frühpädagogik
Diese und andere praxisnahe Impulse und Tipps des Erikson Institute sollen pädagogischen Fachkräften und Eltern helfen, Kinder verschiedener Altersstufen kompetenter im Umgang mit digitalen Medien zu machen. Der Kerngedanke: Nur in einem altersgerechten hybriden Umfeld können frühkindliche Bildungsprozesse zwischen App, Bilderbuch und persönlichem Kontakt sinnvoll stattfinden.
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: Meine Kita - das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 4/2025, S. 18-19, www.meine-kita.de
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