Der Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre - nur ein Absichtspapier?
Im Bildungsplan wird beschrieben, wie auf hohem Niveau Bildungsprozesse für Kinder bis 10 Jahre aussehen müssen. Er wird - das ist zumindest für Kindertageseinrichtungen erkennbar - eine verbindliche Arbeitsgrundlage darstellen.
26.09.2008 Thüringen Pressemeldung GEW ThüringenKonsequent werden das Kind und seine Bildungsbiografie betrachtet, nicht die Institution der Kindertageseinrichtung. Es ist ein ganzheitlicher Blick auf Kinder im ersten Lebensjahrzehnt aus der Perspektive des Kindes selbst. Dabei werden institutionelle Grenzen überschritten und das "Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung" (11. Kinder- und Jugendbericht) thematisiert.
Das ist nach Auffassung der GEW ein Schritt in die richtige Richtung, und der Thüringer Bildungsplan eine gute Arbeitsgrundlage. Jetzt ist der Freistaat gefordert, für seine praktische Anwendung die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Gerade das derzeit gültige Kita-Gesetz hat aber genau zur Verschlechterung eben dieser Rahmenbedingungen beigetragen. Die Erzieher/innen stellen sich den außerordentlich hohen Ansprüchen bei der Umsetzung des Thüringer Bildungsplanes und werden die enthaltenen Aufgaben in guter Qualität erfüllen, wenn es ihnen ermöglicht wird. "Wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen wie personelle und sachliche Ausstattung nicht vorhanden sind, bleibt der Bildungsplan nur ein Absichtspapier." so der Landesvorsitzender der GEW Thüringen. Man braucht, um den Bildungsplan in hoher Qualität realisieren zu können, mehr pädagogische Planungszeit, intensive Fortbildungsprogramme und zukünftig Fachkräfte mit Hochschulniveau in den Kindertageseinrichtungen. Deshalb fordert der GEW-Vorsitzende, 20% der Arbeitszeit der Erzieherinnen für Vor- und Nachbereitung, Elternarbeit, Fortbildung etc. gesetzlich festzuschreiben.
Hintergund:
So sieht es im Augenblick für Erzieherinnen und Erzieher in Thüringen aus:
- 6 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit pro Kind und Woche (wenn man den Faktor von 0,0025 je Kind laut Kita Gesetz umrechnet; bei 20 Kindern sind das 5 % der Arbeitszeit eines Erziehers)
- Eine ganze Leiter/innenstelle gibt es erst ab 200 Kindern in der Einrichtung
- Zu große Gruppen und damit zu wenig Zeit für die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes
- Fortbildungen finden in der Freizeit statt und kosten Geld
GEW-Forderung: Gebt den Pädagogen mehr Zeit!
Erste Sofortmaßnahmen:
- Verdopplung der Zeit für die Vor- und Nachbereitung!
- Verdopplung des Faktors fürdie Leitungstätigkeit!
- Ein intensives Fortbildungsprogramm (gebührenfrei, während der Arbeitszeit) zum Bildungsplan für alle Erzieher/innen!
Unsere Forderungen an die Thüringer Landesregierung:
- Die pädagogische Planungszeit einer Erzieherin muss mindestens 20 % der Arbeitszeit betragen!
- Verbesserung des Erzieherin-Kind-Schlüssels!
- Kontinuierliche Fortbildungsprogramme, sodass jede Erzieherin, die schon im Beruf steht, die Anerkennung des Bachelorabschlusses erhalten kann!
- Ausbildung der Erzieherinnen auf Hochschulniveau!
Kurzfristig fordern wir von der Landesregierung 1,2 Mio EUR für den Kita-Bereich.
Das reicht, um die pädagogische Planungszeit pro Kind und Woche von 6 auf 12 Minuten zu erhöhen und ab 100 Kindern in einer Einrichtung eine ganze Kita-Leitungsstelle zur Verfügung zu haben. 79 000 Kinder und ihre Eltern würden davon profitieren, denn Erzieherinnen hätten mehr Zeit, ihre pädagogische Arbeit und die Elternarbeit zu planen und zu realisieren. Zum Vergleich: Im Jahr 1998 betrug der Landeszuschuss für Kindertageseinrichtungen (mit knapp 70.000 Kindern) noch 242,5 Mio DM, im Jahr 2008 wird er 84 Mio EUR betragen, bei 79.000 Kindern. Mit Berücksichtigung der Kinderzahl bedeutet das einen Rückgang der direkten Kitafinanzierung um 35%. Das Land zahlt 2008 3 Mio EUR an Zuschüssen für Flugplätze und 2,1 Mio EUR an Zuschüssen für den gewerblichen Luftverkehr.
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