Welche Zukunfts- und Basiskompetenzen brauchen unsere Kinder?
Wie stellt sich die Gesellschaft auf die Veränderungen ein, die der digitale Wandel und KI in allen Lebensbereichen bringen werden? Mit welchen Kompetenzen wird der Mensch den neuen Anforderungen gerecht? Und, was heißt das für unsere Lernkultur? Die didacta 2026 liefert Antworten auf diese Fragen.
04.12.2025 Bundesweit Artikel Stefany KrathOb Digitalisierung, Klimaschutz, Fachkräftemangel oder demografischer Wandel, Expertinnen und Experten sind sich einig: Das deutsche Bildungssystem muss sich grundlegend verändern, um junge Menschen besser auf die massiven Umbrüche unserer Zeit vorzubereiten. Bildung ist heute weit mehr als Wissensvermittlung. Sie ist einer der Schlüsselfaktoren für individuelle und gesellschaftliche Resilienz. Denn Bildung stärkt Menschen darin, Veränderungen zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken.
Handlungsbedarf auf allen Bildungsebenen
„Ist das Bildungssystem in Deutschland vorbereitet, diese Herausforderungen anzunehmen und die weitere zukünftige Entwicklung aktiv zu gestalten?“ – Dieser Frage widmet sich das Positionspapier des Bildungspolitischen Forums 2025 des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale. „Tendenziell führen die technologischen Transformationen dazu, dass eher weniger enges Faktenwissen benötigt wird, das sich leicht im Internet suchen oder von generativer künstlicher Intelligenz bereitstellen lässt. Stattdessen geht es mehr darum, das ‚Lernen zu lernen‘ – die Fähigkeit, sich im Lebensverlauf die immer wieder neuen spezifischen Fähigkeiten anzueignen, die am Arbeitsmarkt benötigt werden”, heißt es weiter.
Eine wichtige Grundlage dafür seien sprachliche, mathematische und naturwissenschaftliche Basiskompetenzen, aber auch Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Problemlösen, kritisches Denken und Kreativität. Die Transformationen führten zu Veränderungsbedarf in allen Bildungsphasen, so die Forschenden.
Zukunftskompetenzen sind zentrales Thema auf der didacta
Was Kitas, Schulen und Institutionen der Beruflichen Bildung und Weiterbildung leisten können, zeigt sich auf der didacta, die vom 10. bis 14. März 2026 in Köln stattfindet. Die Bildungsmesse setzt den Fokus auf kritisches Denken, Problemlösung, kulturelle Bildung und Demokratieverständnis. Neben aktuellen Produkten und Lernlösungen bietet die Messe auch die geeignete Plattform für Austausch, Debatten und Impulse.
„Die didacta soll natürlich zum einen den Blick in die Zukunft richten. Welche Future Skills werden unsere Kinder und auch wir selbst für Berufe in der Zukunft benötigen, die wir heute noch gar nicht kennen?“, erklärt Stephan Scharnagl, Vizepräsident Messe des Didacta Verbands. „Zum anderen ist ein ganz wichtiger Punkt, dass wir durch Wissensvermittlung die Zugangsbarriere in die digitale Welt, aber auch in die sich neu gestaltende globale Welt verringern. Damit ermöglichen wir den Menschen einen leichteren Zugang sowohl technologisch als auch im sozialen und gesellschaftlichen Sinne. Gerade das hat sich die didacta auch mit Blick auf Demokratie und Freiheit auf die Fahnen geschrieben.“
Kita legt Grundstock für lebenslanges Lernen
In den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen für ein späteres erfolgreiches Lernen gelegt, so zum Beispiel für mathematische Basiskompetenzen. „Bereits in den ersten Lebensjahren entwickeln Kinder ein grundlegendes Verständnis für mathematische Zusammenhänge. Spielerisch lernen sie beispielsweise Längen zu erkennen, Mengen einzuschätzen und Dinge zu sortieren“, erläutert Frank Philipp Lechens, Trainer in den digitalen Bildungszentren von Betzold. Das Unternehmen beliefert Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen mit Lehr- und Lernmaterialien, Möbeln und technischer Ausstattung. Auf der didacta leitet Lechens den Mitmach-Workshop „Mathematische Vorläuferkompetenzen spielerisch fördern“. „Mathematische Frühförderung bedeutet dabei nicht, Rechenfertigkeiten im klassischen Sinn zu vermitteln, sondern kindliches Denken zu fördern und Strukturen erfassbar zu machen. Wir nehmen den Kindern die Angst und ermöglichen ihnen einen positiven Zugang zu mathematischen Phänomenen. Das zahlt sich später aus“, so der Sonderpädagoge.
Schule soll überfachliche Kompetenzen fördern
Auch Schulen stehen vor einem Paradigmenwechsel. Eine Expertengruppe unter der Leitung von Dr. Martina Diedrich und Prof. Dr. Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung „Empfehlungen für eine veränderte Lern- und Prüfungskultur“ im deutschen Schulsystem entwickelt. Im Zentrum stehen die individuellen Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler bei gleichzeitiger Stärkung kooperativer Lernräume. Lernen soll nicht nur als Einzelleistung verstanden werden, sondern auch als sozialer Prozess. „Wir glauben daran, dass Schule ein Ort sein kann, an dem junge Menschen mit den erforderlichen Kompetenzen ausgestattet werden“, heißt es in dem Positionspapier. „Wir wollen daran mitwirken und dafür eintreten, dass Kinder und Jugendliche in der Schule von heute das lernen, was sie benötigen, um die Welt von morgen nachhaltig und demokratisch zu gestalten.“ Dazu müssten Lehrkräfte in der Ausbildung oder durch Fortbildungen befähigt werden und multiprofessionelle Teams mit beispielsweise Psychologinnen, Sozialarbeitern oder Lern- und Bewegungstherapeutinnen zum Einsatz kommen.
Lebenskompetenzen sind ein Schlüsselelement für Resilienz
Ein Programm, das Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und Psychologen auf eine solche Kompetenzvermittlung vorbereitet, ist Lions-Quest. Das Programm der Stiftung der Deutschen Lions zielt darauf ab, die Lebenskompetenzen junger Menschen zwischen 10 und 21 Jahren zu fördern und ist bundesweit als Fortbildungsprogramm anerkannt.
„Der Begriff Lebenskompetenz umfasst laut Weltgesundheitsorganisation diejenigen Fähigkeiten, die es Menschen ermöglichen, die Anforderungen und Herausforderungen des täglichen Lebens erfolgreich zu meistern, wie Selbstwahrnehmung, Empathie, Problemlösen und Stressbewältigung“, sagt Programmreferent Laurent Wagner. „Unser Programm basiert auf dem Konzept des sozial-emotionalen Lernens. Ziel ist es, diese Fähigkeiten zu fördern und damit die Resilienz junger Menschen zu stärken.“ Über 100 Unterrichtseinheiten und praktische Übungen zu Themen wie Miteinander, Kommunikation, Stressbewältigung und interkulturelle Kompetenzen bietet das Programm. Die Lerneinheiten sind dabei modular aufgebaut und lassen sich unkompliziert in den Schulalltag integrieren. Auf die didacta 2026 freut sich Wagner. „Seit über 30 Jahren gibt es unser Programm in Deutschland und wir präsentieren es jedes Jahr auf der didacta, da sie die ideale Plattform ist, um uns mit unseren Zielgruppen auszutauschen.“ Auf der didacta bietet Lions-Quest zusätzlich einen Workshop.
KI-Nutzung verstärkt die Bedeutung von Future Skills
Auch in der Beruflichen Bildung gewinnen Future Skills zunehmend an Bedeutung. Laut Erwerbstätigenbefragung 2024 des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wird KI „insbesondere in kognitiv-analytischen und interaktiven nicht-routinehaften Tätigkeiten genutzt“. Beschäftigte, die KI bei ihrer Arbeit einsetzen, berichten dabei von höheren Anforderungen an eigene überfachliche Kompetenzen wie Problemlösungsfähigkeit, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, Wissenslücken eigenständig zu schließen. Beschäftigte ohne KI-Nutzung üben dagegen häufiger Tätigkeiten mit geringeren Anforderungen an diese Future Skills aus.
Ob, Kita, Schule oder Berufliche Bildung: Für die Gestaltung von Bildungs- und Qualifizierungsprozessen bedeutet das: Programme müssen weniger nur „Wissen vermitteln“, sondern Lernende in die Lage versetzen, mit KI produktiv und reflektiert umzugehen. Future Skills sind damit keine Zusatzqualifikation, sondern eine zentrale Grundlage für lebenslanges Lernen und die aktive Mitgestaltung einer Arbeitswelt im Wandel.
Vom 10. bis 14. März 2026 findet die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse unter dem Leitthema „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“ statt. Ideeller Träger und Kurator des Rahmenprogramms ist der Didacta Verband, der Verband der Bildungswirtschaft.
Bringen Sie sich aktiv ein, entdecken Sie Best Practices und nehmen Sie frische Impulse für Ihren Berufsalltag mit durch einen Besuch der didacta 2026 in Köln. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket für die Bildungsmesse.
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Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta-Themendienst.
Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2026 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.
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