Erfolgreiche Einführung des Projektes "Deutsch für den Schulstart" der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in den Vorlaufkursen
"Am Anfang unserer Regierungszeit stand das Ziel, dass jedes Kind bei seiner Einschulung Deutsch verstehen und sprechen kann. 2002 wurden daher flächendeckend in ganz Hessen die Vorlaufkurse eingeführt. Das Ziel war, dass jedes Kind am ersten Schultag mitreden kann. Jetzt, nach nur fünf Jahren, kann ich sagen, dass wir unser Klassenziel erreicht haben, denn rund 98 Prozent aller geförderten Kinder besitzen nach Besuch der Vorlaufkurse die sprachlichen Voraussetzungen für den Schulbesuch", erklärte Kultusministerin Karin Wolff heute bei einer Pressekonferenz.
12.09.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Hessen hat in Deutschland - lange vor Erscheinen der internationalen Vergleichsstudien PISA und IGLU sowie zum Teil gegen heftigen Widerstand der Opposition - eine Entwicklung eingeleitet, die inzwischen vielen Kindern einen besseren und gerechteren Start in ihr Schulleben ermöglicht hat. Zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Integration, die der im Juli des Jahres 2007 verkündete Nationale Integrationsplan fordert, sind in Hessen schon lange im Rahmen des Gesamtsprachförderkonzepts fest verankert", unterstrich die Ministerin die Vorreiterrolle Hessens. "Wie wegweisend unser Konzept im Bereich der Sprachförderung ist, sieht man auch daran, dass mittlerweile viele Länder der Bundesrepublik Deutschland ähnliche Sprachfördermodelle anbieten."
Die Hessische Landesregierung verfolgt seit 1999 konsequent das Ziel, ausländische Kinder und Jugendliche sowie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund so zu fördern, dass sie eine bessere schulische und damit auch gesamtgesellschaftliche Integration erfahren. Das Beherrschen der deutschen Sprache gilt dabei als eine wesentliche Voraussetzung. Um dies bei allen Kindern zu gewährleisten, steht ein Gesamtförderkonzept für Deutsch-Fördermaßnahmen zur Verfügung, das den unterschiedlichen Kenntnisstand der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt. Dazu gehören auch die neunmonatigen schulischen Vorlaufkurse für zukünftige Erstklässlerinnen und Erstklässler ohne hinreichende Deutschkenntnisse.
"Insgesamt haben seit 2002 rund 29.000 Kinder aus mehr als 90 Nationen an den Vorlaufkursen teilgenommen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dabei nicht nur die Sprach-, sondern auch die Schulfähigkeit insgesamt zugenommen hat", so Wolff. Für das Schuljahr 2007/2008 hätten nur noch 2,4 Prozent aller Vorlaufkurskinder wegen unzureichender Deutschkenntnisse zurückgestellt werden müssen. Dies sei der niedrigste Wert seit der Einführung der Vorlaufkurse gewesen und damit ein deutliches Signal, dass der eingeschlagene Weg der richtige sei. Von dem Angebot des freiwilligen Vorlaufkurses machen fast alle Kinder Gebrauch, denen der Kurs empfohlen worden sei. Dies belege klar, dass die Eltern dieses Angebot als Chance sehen, um ihren Kindern einen besseren Start in das Schulleben zu ermöglichen.
"Nicht nur zum Schulstart sehen wir einen deutlichen Erfolg unserer Sprachförderung. Auch beim Übergang in die weiterführenden Schulen können wir eine erhöhte Bildungsbeteiligung der ausländischen und insbesondere der türkischen Schülerinnen und Schüler in den Bildungsgängen Gymnasium und Realschule feststellen. Das sind die ersten Jahrgänge, die vor ihrer Einschulung bereits durch uns gefördert wurden und inzwischen weiterführende Schulen besuchen. Ein Grund für die steigende Bildungsbeteiligung ist mit Sicherheit auch die systematische Sprachförderung durch das hessische Gesamtsprachförderkonzept", betonte die Kultusministerin. Der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler konnte in den Realschulen von 2001/2002 bis 2006/2007 um 3,2 Prozent, in den Gymnasien in demselben Zeitraum um 3,7 Prozent erhöht werden. Besonders erfreulich ist die Erhöhung der Bildungsbeteiligung gerade der türkischen Schülerinnen und Schüler. In dieser Gruppe konnte die Bildungsbeteiligung in der Realschule um 5 Prozent und im Gymnasium um 4,1 Prozent erhöht werden. (Prozentzahlen beziehen sich auf die Bildungsbeteiligung innerhalb der jeweiligen Ausländergruppe).
Um die Arbeit der Vorlaufkurse noch weiter qualitativ zu verbessern, wurde im Schuljahr 2006/2007 das zweijährige Projekt "Deutsch für den Schulstart" der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg unter wissenschaftlicher Begleitung eingeführt. Das curriculare Förderprogramm für Vorschüler und Schulanfänger umfasst ein förderdiagnostisches Testverfahren, Training- und Praxisbegleitung für die Lehrkräfte und Elternarbeit. Rund 500 Spiele, die kindgemäß und fantasievoll fördern und fordern, sollen dazu beitragen, Kinder mit Förderbedarf auf das schulische Lernen vorzubereiten, bzw. es unterstützend zu begleiten. Bisher wurden im Rahmen von "Deutsch für den Schulstart" 52 Vorlaufkurslehrkräfte von 43 Grundschulen hessenweit unter wissenschaftlicher Begleitung fortgebildet. Geplant ist, dass im aktuellen Schuljahr 2007/2008 weitere Vorlaufkurslehrkräften fortgebildet werden, so dass auch andere Vorlaufkurse von den Erkenntnissen des Projektes "Deutsch für den Schulstart" profitieren können. Hintergrund:
Im Jahr 2000 wurden ausländische Kinder noch mehr als doppelt so häufig vom Schulbesuch zurückgestellt wie deutsche Kinder (rund 21 Prozent der ausländischen Kinder im Vergleich zu 9 Prozent der deutschen Schulanfänger). Dazu blieben ausländische Schülerinnen und Schüler drei- bis viermal so häufig sitzen wie deutsche Kinder (1. Klasse 1999/2000: 1 Prozent Deutsche, 4 Prozent Ausländer). Jeder dritte ausländische Hauptschulabgänger bzw. jede dritte Hauptschulabgängerin verließ die Schule ohne Schulabschluss. Der Anteil eines Altersjahrgangs, der die Hauptschule besuchte, war bei ausländischen Schülerinnen und Schülern doppelt so hoch wie bei den deutschen Schülerinnen und Schülern. Aus dieser Bilanz hatte Hessen bereits vor PISA die Konsequenz gezogen, dass dieser Zustand verändert werden muss. Im Schuljahr 2006/07 gab es 9.439 Deutsch-Förderkurse (Vorlaufkurse, Intensivkurse, Intensivklassen sowie Kurse, die insbesondere der Verbesserung der Deutschkenntnisse dienen etc.) bzw. 72.406 geförderte Schülerinnen und Schüler. Die konsequente Verwendung der von 880 auf 1.013 erhöhten Zuweisung von Lehrerstellen für Deutsch-Fördermaßnahmen führte im Zeitraum 1999/2000 bis 2006/2007 zu einer mehr als 300-prozentigen Steigerung der Anzahl der Deutsch-Förderkurse als auch der Anzahl der geförderten Schülerinnen und Schüler.
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