Erzieherinnen besser ausbilden und besser bezahlen
(red/pm) Bessere Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, eine angemessene Bezahlung und der mittelfristige Verzicht auf Neuanstellung von Kinderpflegerinnen und –pflegern. Das sind die Eckpunkte eines neuen Gutachtens, das der Aktionsrat Bildung heute vorgestellt hat.
28.02.2012 ArtikelIn seinem Gutachten "Professionalisierung in der Frühpädagogik. Qualifikationsniveau und -bedingungen des Personals in Kindertagesstätten" fordert der Aktionsrat ein neues Gesamtkonzept für die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. "Mit dem Wandel der Einrichtungen im frühkindlichen Bereich zu Bildungsinstitutionen sind auch die Anforderungen an das Personal gestiegen. Bisher wurde die Ausbildung eher am Typus der Betreuungsinstitution orientiert. Diese Akzentuierung ist überholt", betonte der Vorsitzende des Gremiums, Prof. Dr. Dieter Lenzen. Der Aktionsrat Bildung empfiehlt den Kultus- sowie Jugend- und Familienministern der Länder, mit Unterstützung des Bundes bis 2013 Folgendes:
- Bis 2020 sollte in jeder Kindertageseinrichtung mindestens in der Einrichtungsleitung eine Fachkraft mit Hochschulausbildung beschäftigt sein. Um diese Zielmarke zu erreichen, werden zusätzlich zu den erwarteten Studienabsolventinnen und -absolventen bis 2020 bundesweit weitere 23.000 akademisch ausgebildete frühpädagogische Fachkräfte benötigt. Das bedeutet eine Verdopplung bis Verdreifachung der bestehenden Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen.
- Gleichzeitig ist nach Ansicht der Experten eine Vereinheitlichung der Studiengänge und spezielle Ausrichtung auf die Arbeit in Kindertageseinrichtungen notwendig. Dazu zählen neben der Persönlichkeitsförderung der Kinder unter anderem die frühe Sprachdiagnostik, der Umgang mit Mehrsprachigkeit und Heterogenität sowie die Verbesserung des Übergangs in die Schule.
- Das Gutachten sieht vor, auf die Neuanstellung von Kinderpflegerinnen und -pflegern mittelfristig zu verzichten und die Motivation der bereits in den Einrichtungen Tätigen für eine adäquate Weiterbildung zu nutzen. Fort- und Weiterbildung für das pädagogische Personal in Kindertageseinrichtungen sollten nach Ansicht des Aktionsrats verpflichtend sein.
- Darüber hinaus sollte den ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern ein zertifiziertes Weiterbildungsprogramm angeboten werden, das zu einem dem Hochschulabschluss vergleichbaren Qualifikationsniveau führt. Dies muss dem Gutachten zufolge einhergehen mit einer adäquaten Erhöhung der Vergütung.
- Um die Attraktivität einer Tätigkeit in frühpädagogischen Einrichtungen zu steigern, empfiehlt der Aktionsrat, die Vergütung für die Absolventinnen und Absolventen entsprechender Studiengänge auf das Niveau der Vergütung von Hochschulabsolventen anderer vergleichbarer Studiengänge anzuheben.
Das vollständige Gutachten ist unter www.vbwbayern.de/Professionalisierung abrufbar. Der von der vbw initiierte Aktionsrat Bildung konstituierte sich im Jahr 2005. Mitglieder sind Prof. Dr. Dieter Lenzen (Vorsitz), Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, Prof. Dr. Wilfried Bos, Prof. Dr. Hans-Dieter Daniel, Prof. Dr. Bettina Hannover, Prof. Dr. Manfred Prenzel, Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach, Prof. Dr. Rudolf Tippelt und Prof. Dr. Ludger Wößmann.
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