Frühe Bildung statt Sitzenbleiben
(bikl) "Bildung für wenige Eliten bringt Deutschland nicht voran - nur wenn es gelingt, Bildung in der Breite zu forcieren, können wir wieder an den OECD-Durchschnitt anknüpfen. Die entscheidende Ressource ist dabei nicht das Wissen an sich, sondern die Fähigkeit, das Lernen zu lernen und Wissen intelligent zu verarbeiten". Das sind die zentralen Aussagen des "Bochumer Memorandums: Bildung für alle - Auf das Ergebnis kommt es an!", das heute auf dem internationalen Kongress "Zukunft Bildung" in der Ruhr-Universität Bochum vorgestellt wurde und das die Unterzeichner im Anschluss der Landesregierung überreichen.
18.02.2005 ArtikelFördern statt sitzen bleiben
Als konkrete Ziele werden in dem Memorandum sind unter anderem formuliert:
- Bildungschancen verbessern: Die erhebliche Ungleichheit der Bildungschancen ist abzubauen, Lernerfolg darf nicht von sozialer Herkunft abhängen.
- Bildung von Anfang an: NRW braucht mehr Förderangebote in der frühkindlichen Bildung. "Für die unter Dreijährigen brauchen wir zu den vorhandenen ca. 10.000 Plätzen zusätzlich 80.000 Betreuungsangebote, um eine Versorgung von mindestens 20 Prozent zu erreichen", heißt es in dem Memorandum.
- Fördern statt sitzen bleiben: Der Anteil der "Sitzenbleiber" muss sich bis zum Jahr 2010 halbieren. Die dadurch gewonnenen Ressourcen sind konsequent in Fördermaßnahmen umzuwidmen.
- Mehr Schulabschlüsse - bessere Ausbildungsfähigkeit: "Jede Schülerin und jeder Schüler muss die Kompetenzen erwerben können, die für eine erfolgreiche Berufsausbildung erforderlich sind." Dazu solle unter anderem die Zahl derer, die keinen Hauptschulabschluss machen, halbiert sowie die Zahl der Jugendlichen mit mindestens einem mittleren Abschluss um zwei Prozentpunkte jährlich erhöht werden.
Reform und Qualität
Prof. Dr. Hans-Günter Rolff vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund sieht das Memorandum als Novum in der Bildungspolitik. Es eröffne mit seinen überprüfbaren Zielsetzungen die Chance, zu verlässlichen Vereinbarungen zu kommen. "Außerdem verhindert es, dass Reformen auf die lange Bank geschoben werden. Die Ziele des Memorandums können nur erreicht werden, wenn wir das Handeln in der Bildungspolitik und Bildungsverwaltung systematisch auf Reform, Qualität und demokratische Teilhabe ausrichten."
Sitzenbleiben in NRW reduzieren
Als erste "vertrauensbildende Maßnahme" fordern die Unterzeichner eine verbindliche Vereinbarung mit der Landesregierung, das Sitzenbleiben in NRW zu reduzieren. "Sitzenbleiben diskriminiert zur Zeit einzelne Schüler, es muss in Zukunft aber Schulen diskriminieren", sagt Prof. Dr. Gabriele Bellenberg. Die RUB-Pädagogin (Lehrstuhl für Schulpädagogik der Ruhr-Universität) prangert damit nicht einzelne Lehrerinnen und Lehrer an, sondern ein Schulwesen, das das System vor das Individuum stelle und Lehrer dazu verleite, "Sitzenbleiben als Förderung fehl zu verstehen."
Die Unterzeichner
Die Unterzeichner des Memorandums sind: Prof. Dr. Gabriele Bellenberg, Ruhr-Universität Bochum; Marianne Demmer, Mitglied des Geschäftsführenden Hauptvorstandes der GEW; Walter Haas, Vorsitzender des DGB-NRW; Prof. Dr. Klaus Klemm, Universität Duisburg-Essen; Prof. Dr. Franz Lehner, Präsident des Instituts Arbeit und Technik im Wissenschaftszentrum NRW; Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender der GEW NRW; Prof. Dr. Hans-Günter Rolff, Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung, Universität Dortmund; Eva Maria Stange, Bundesvorsitzende der GEW; Detlef Wetzel, IG Metall-Bezirksleiter NRW.
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