GEW: "Für die Kleinsten ist das Beste gerade gut genug!"
Erzieherinnen sollen künftig an Hochschulen ausgebildet werden. Dafür hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stark gemacht. "Für die Kleinsten brauchen wir Erzieherinnen, die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bestmöglich ausgebildet sind. Wer ´Bildung von Anfang an´ ernst nimmt, muss die Hochschulen für Erzieherinnen öffnen", sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Norbert Hocke am Freitag (04.03.) während einer Pressekonferenz in Stuttgart. Die PISA-Ergebnisse hätten gezeigt, wie wichtig früh einsetzende Bildungsprozesse für die Entwicklung der Kinder seien.
04.03.2005 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftDer baden-württembergische GEW-Vorsitzende Rainer Dahlem forderte Kultusministerin Annette Schavan (CDU) auf, ihren Widerstand gegen die Einrichtung von Studiengängen für Erzieherinnen aufzugeben. "Der im Herbst startende Orientierungsplan für alle Kindergärten ist ein richtiger Schritt. Ohne kleinere Gruppen und eine bessere Qualifizierung der Erzieherinnen werden die landesweiten Qualitätskriterien aber kaum Wirkung erzielen. Eine akademische Ausbildung ist auch die Grundlage dafür, dass bereits die kleinsten Kinder individuell gefördert werden", sagte Dahlem.
"Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren: In Europa ist die Ausbildung von Erzieherinnen an Hochschulen Standard", betonte Hocke. Er wies darauf hin, dass in Deutschland sechs Fachhochschulen und eine Universität Studiengänge für Erzieherinnen anböten. "Wir brauchen Erzieherinnen, die unsere neuen Bildungspläne für Kindertagesstätten mit Leben erfüllen. Wir brauchen Erzieherinnen, die die Lernentwicklung der Jungen und Mädchen anregen. Dazu gehören vor allem die Förderung der Sprachkompetenz der Kinder sowie deren erster Kontakt mit Mathematik und Naturwissenschaften", sagte der GEW-Vize.
Kompetenzen der Fachschulen nutzen
Hocke setzte sich dafür ein, Erzieherinnen für ihre verantwortungsvolle Arbeit eine berufliche Perspektive aufzuzeigen. "Die Verweildauer im Beruf ist bei vielen Erzieherinnen sehr kurz. Sie verdienen schlecht und haben zu wenige Entwicklungsmöglichkeiten", sagte der GEW-Sprecher. Eine akademische Ausbildung eröffne den Erzieherinnen zusätzliche Chancen.
Hocke stellte klar, dass es nicht darum gehe, die Fachschulen für Sozialpädagogik aufzulösen. Die Geschichte zahlreicher anderer Hochschulstudiengänge habe gezeigt, dass Erfahrungen und Ressourcen der Fachschullehrer wichtig für den Aufbau der neuen Studiengänge seien. Für die Erzieherinnen, die heute gute Arbeit an den Kitas leisten, sollten bessere und qualifizierte Weiterbildungsangebote gemacht werden, schlug der GEW-Vize vor.
Ev. FH Freiburg: Studiengang "Pädagogik der frühen Kindheit"
Die Evangelische Fachhochschule Freiburg bietet seit dem Wintersemester 2004/05 den Studiengang "Pädagogik der frühen Kindheit" an. Das Studium endet mit dem Abschluss "Bachelor of Arts". Staatlichen Hochschulen hat Ministerin Schavan keine Genehmigung für die Einrichtung von Studiengängen für Erzieherinnen erteilt. Außerdem bieten Fachhochschulen in Berlin, Hannover, Koblenz, Neubrandenburg und Oldenburg sowie die Uni Bremen eine akademische Ausbildung für Erzieherinnen an.
Erzieher/innenausbildung BW: Zahlen und Informationen
5.500 Schüler/innen an 60 Fachschulen für Sozialpädagogik
(Quellen: Kultusministerium und Stat. Landesamt BW)
In Baden-Württemberg werden die Erzieher/innen an 60 Fachschulen für Sozialpädagogik ausgebildet. Diese zählen zu den Beruflichen Schulen. 32 Fachschulen sind in öffentlicher, 28 in privater Trägerschaft. Von den 28 privaten Fachschulen sind 14 in katholischer, 10 in evangelischer und vier in freier Trägerschaft.
Die 32 öffentlichen Schulen besuchen im Schuljahr 2004/05 2993 Schüler/innen, für die privaten Schulen liegen dem Kultusministerium derzeit keine Zahlen vor. Im Schuljahr 2002/03 waren es 2.492 Schüler/innen an den privaten Fachschulen. Die Schüler/innenzahlen sind in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.
Seit der Reform der Erzieher/innenausbildung im Jahr 2004 beginnt die vierjährige Ausbildung in Baden-Württemberg mit dem einjährigen Berufskolleg für Praktikant/innen. Im Gegensatz zum früheren Vorpraktikum ist dieses verpflichtend. Für die Aufnahme in die darauf folgende zweijährige Fachschule für Sozialpädagogik müssen sich die Absolvent/innen des Berufskollegs für Praktikant/innen erneut bewerben. Im Anschluss an die Fachschule für Sozialpädagogik folgt das einjährige Anerkennungsjahr. Die Ausbildung an den Fachschulen ist eine Vollzeitausbildung mit mehreren Praxisphasen innerhalb der Ausbildung. Voraussetzung für die Aufnahme an den Fachschulen für Sozialpädagogik ist ein Realschulabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation. Seit der Reform 2004 können die Schüler/innen mit dem Abschluss als Erzieherin die Fachhochschulreife erwerben.
Ebenfalls an den Beruflichen Schulen wird in den 21 öffentlichen Berufsfachschulen für Kinderpflege die zweijährige Ausbildung zur Kinderpfleger/in angeboten. Im Schuljahr 2003/04 gab es 45 Klassen mit 1.023 Schüler/innen. Die Kinderpflege-Ausbildung steht Hauptschulabgänger/innen offen. Kinderpfleger/innen können als Zweitkräfte in Kindertageseinrichtungen arbeiten.
Es gibt nur wenige junge Männer, die den Beruf des Erziehers wählen: Im Schuljahr 2003/04 waren von den 2.797 Schüler/innen in den öffentlichen Fachschulen nur 128 Männer (knapp fünf Prozent). Von den 43.700 Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen sind nur zwei Prozent Männer.
7.445 Kindertageseinrichtungen mit 43.700 Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen
In Baden-Württemberg arbeiten in 7.445 Kindertageseinrichtungen circa 43.700 Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen. Im Jahr 2002 gab es 415.000 Plätze für Kindergartenkinder.
In Baden-Württemberg gibt es Kindergartengruppen mit bis zu 28 Kindern, für die nur eineinhalb Fachkräfte zuständig sind. Die sogenannte "Erstkraft" muss eine Erzieherin, die Zweitkraft kann zum Beispiel eine Kinderpflegerin sein. OECD-Experten plädieren für kleinere Gruppen in den Kindertageseinrichtungen. Die GEW unterstützt die Vorschläge und schlägt vor, dass maximal 15 Kinder von zwei Erzieherinnen betreut werden sollen. Nach der derzeitigen Bevölkerungsvorausrechnung werden im Jahr 2012 voraussichtlich rund 64.000 Kindergartenplätze weniger benötigt als im Jahr 2001. Die freiwerdenden Stellen können u.a. genutzt werden, um die Gruppengrößen zu senken.
Weitere Qualifikationsangebote für Erzieher/innen in Baden-Württemberg
Eine landesweite Übersicht über die Qualifikationsangebote für Erzieher/innen liegt dem Kultusministerium nicht vor. Hier einige Projekte:
- Ev. FH Freiburg: Pädagogik der frühen Kindheit
- Ev. FH Reutlingen: Kontaktstudium mit dem Abschluss Fachwirt/in Sozialmanagement
- Berufliche Schulen in Öhringen und Göppingen: Bildungsförderung im Elementarbereich
- Fachwirt/in für Organisation und Führung an mehreren Fachschulen für Sozialpädagogik
- Akademie für Information und Management (AIM) Heilbronn: Mehrere Qualifikationsangebote für Erzieher/innen
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