GEW: "Wer Kinder hat, hat Pech gehabt"

"Wer Kinder hat, hat Pech gehabt", kommentierte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den heute in Berlin vorgestellten Familienbericht der Bundesregierung. Kinder seien nach wie vor Armutsrisiko Nummer eins in Deutschland. "Das ist beschämend für ein so reiches Land wie die Bundesrepublik."

25.04.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Thöne machte sich für eine Familienkasse stark. Die Strukturen von Unterstützungsleistungen müssten transparenter und bürgernäher werden, begründete er den Vorstoß der GEW. "Jeder muss wissen, was ihm zu steht und wie er an die Leistungen heran kommt. Niemandem soll etwas genommen werden. Wer 150 Euro Kindergeld bekommt, aber 300 Euro Kita-Gebühren für einen Ganztagsplatz zahlen muss, hat wenig vom bisherigen System. Eine gebührenfreie Ausbildung der Kinder nützt den Familien mehr als ein Mix aus Ehegattensplitting, Freibeträgen, Erziehungs- und Kindergeld sowie BAFöG", unterstrich der GEW-Vorsitzende.

"Die Kasse muss Familien so unterstützen, dass Eltern ihre Kinder nicht zu Hause lassen, weil die Kosten der Angebote zu hoch sind", sagte Thöne. Das erfordere ein radikales Umdenken in der Familienfinanzierung. Hierzu gehöre, einen größeren Teil der bisherigen Leistungen direkt in die Bildungsinstitutionen zu lenken. "So lässt sich der gebührenfreie Zugang zu Bildungseinrichtungen für alle Kinder und Jugendlichen bis zum 14. Lebensjahr finanzieren und gleichzeitig die Qualität der Angebote verbessern", betonte der GEW-Vorsitzende. Er machte deutlich, dass zusätzlich beispielsweise die Zahl der Krippen- und Kita-Plätze erhöht und die unterschiedlichen Angebote besser aufeinander abgestimmt werden müssten. "Die GEW will Familienarmut beseitigen, Randgruppen stärker integrieren, den Zugang zu Bildungsangeboten erleichtern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern", sagte Thöne. "Die skandinavischen Länder haben gezeigt, dass der von uns vorgeschlagene Weg erfolgreich ist."

Mit dem Familienbericht, dem Kinder- und Jugendbericht sowie dem Armuts- und Reichtumsbericht habe die Politik hervorragende Analysen und Anregungen unabhängiger Wissenschaftler. Regierung und Parlament müssten jetzt entscheiden, welche politischen Schlussfolgerungen zu ziehen sind.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden