Fachtag für Kita-Fachkräfte in Fellbach

„Hand in Hand – Integration durch Bildung“

Staatssekretärin Marion v. Wartenberg: „Helfen ist ein Bildungsthema, das in Kitas und Schulen gehört.“

29.04.2016 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
  • © www.pixabay.de

Der Besuch einer Kindertageseinrichtung eröffnet geflüchteten Kindern eine Chance auf Teilhabe und Normalität. Hier können sie die Sprache lernen und Freundschaften mit anderen Kindern schließen. Mit dem heutigen Fachtag (29. April) möchte das Kultusministerium Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen und ihnen eine Plattform bieten, um sich auszutauschen und Lösungsstrategien zu entwickeln, die in der alltäglichen Arbeit umsetzbar und hilfreich sind.

„Kinder haben Antennen für Hilfsbedürftigkeit, sie wollen helfen“

Anknüpfend an den letzten Fachtag im November 2015 widmete sich die Veranstaltung dem Helfen als Bildungsthema. „Kinder haben Antennen für Hilfsbedürftigkeit, sie wollen helfen. Helfen ist ein Bildungsthema, das in Kitas und Schulen gehört“, betonte Staatssekretärin Marion v. Wartenberg. Im baden-württembergischen Orientierungsplan für Kitas sind die Bildungsziele der Bildungs- und Entwicklungsfelder „Sinn, Werte und Religion“ und „Gefühl und Mitgefühl“ verbindlich verankert. 

Unterstützung durch neue Broschüren und Filme

Das Kultusministerium stellte auf dem Fachtag Materialien vor, die diese Hilfsbereitschaft unterstützen sollen. Etwa die Broschüre „Mittendrin und voll dabei“, die in Zusammenarbeit mit dem Clara-Grunwald-Kindergarten in Leonberg entstanden ist. Beispiele aus der Praxis für die Praxis zeigen, wie es im Kita-Alltag gelingen kann, geflüchtete Kinder und ihre Familien willkommen zu heißen und die Kinder achtsam zu begleiten und zu fördern. Die Broschüre richtet sich gleichermaßen an Eltern und Fachkräfte, deren jeweilige Perspektiven aufgegriffen werden. Die Broschüre behandelt dabei Themen wie das Ankommen, die Eingewöhnung, Alltag, Haltung und Werte, Sprache, Vielfalt, Eltern sowie den Abschied. Ergänzt wird die Broschüre durch praktische und rechtliche Hinweise. „Die Erzieherinnen und Erzieher sind es, die Prozesse anregen und Grundsteine für die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes legen, für das Verständnis, aufeinander angewiesen zu sein, einander beizustehen. Das sind die Grundsteine für eine demokratische und humane Gesellschaft“, betonte v. Wartenberg. Die Broschüre kann hier angeschaut werden. Sie erscheint demnächst auch in den Sprachen Englisch, Französisch, Arabisch und Persisch.

Vorgestellt wurde auch der neue Film der Kindheitsforscherin und Filmemacherin Dr. Donata Elschenbroich „VOM HELFEN“. Dieser beobachtet die spontane Hilfsbereitschaft von Kindern im Krippenalter bis in die Schulzeit. Anhand von Beispielen aus Indien, aus afrikanischen Ländern und aus Deutschland zeigt der Film, wie das Helfenwollen der Kinder von Erwachsenen erkannt wird und wie es in einem erweiterten Bildungsverständnis unterstützt werden kann. 

Sprachförderung und Eltern-Kind-Programme verstärkt

Das Land hat rechtzeitig auf die steigende Anzahl von kleinen Flüchtlingskindern in den Kindertageseinrichtungen reagiert und für die Jahre 2015 und 2016 zusätzlich 7,8 Millionen Euro speziell für Flüchtlingskinder und ihre Familien sowie für die Unterstützung des pädagogischen Fachpersonals in den Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Die zusätzlichen Mittel ermöglichen etwa Sprachförderung für die Kinder oder spezielle Eltern-Kind-Programme. Diese werden in Kitas sowie in Mütter-, Kinder- und Familienzentren angeboten. 

Flexible Rahmenbedingungen erleichtern Alltag

Neue Rahmenbedingungen des SPATZ-Programms (Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf) ermöglichen, dass geflüchtete Kinder flexibel in bestehende Gruppen aufgenommen oder neue Gruppen gebildet werden können. Gruppen ab drei Kindern werden mit 2.200 Euro je Kindergartenjahr bezuschusst. Ab dem fünften Kind können zwei Gruppen gebildet werden. Diese kleinen Sprachfördergruppen erleichtern die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, vor allem aber profitieren die Kinder von der intensiveren Zuwendung.

„Ihre tagtägliche Arbeit ist es, die zählt“

Für Staatssekretärin Marion v. Wartenberg war der Fachtag die letzte große Veranstaltung in ihrer Amtszeit. Sie dankte allen an der frühkindlichen Bildung beteiligten Personen und Institutionen, insbesondere aber den pädagogischen Fachkräften: „Die pädagogischen Fachkräfte, Erzieherinnen und Erzieher lagen und liegen mir am Herzen. Sie sind es, die für Qualität stehen und Qualität erbringen. Ihre tagtägliche Arbeit ist es, die zählt. Sie fördern den Bildungsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung jedes einzelnen Kindes und legen das Fundament für schulisches Lernen.“

Die Staatssekretärin dankte außerdem den kommunalen Landesverbänden, den Kirchen, den kirchlichen und sonstigen freien Trägerverbänden, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales sowie den Gewerkschaften und Sozialpartnern für die gemeinsame Anstrengung in der frühkindlichen Bildung. „Gemeinsam ist es uns gelungen, die Betreuungsangebote für unter Dreijährige auszubauen und gleichzeitig die Qualität weiter zu steigern. Gemeinsam war und ist es unser Anspruch, allen Eltern im Land eine verlässliche und qualitativ hochwertige frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung zu bieten“, betonte die Staatssekretärin. Gemeinsam könne man, so v. Wartenberg, stolz auf das Erfolgsmodell PiA blicken, auf das ganzheitlich ausgerichtete Sprachförderprogramm SPATZ, das immer wieder an neue Anforderungen angepasst wurde, auf die Förderung von multiprofessionellen Teams in den Einrichtungen, auf den erfolgreichen U3-Ausbau, auf die Qualitätsverbesserung in der Kindertagespflege, den Einstieg in die Weiterentwicklung von Kitas zu Kinder- und Familienzentren, auf den Erhalt der Bildungshäuser, auf die AZAV-Zertifizierung und nicht zuletzt auf den ersten Platz im Qualitätsranking des Ländermonitor 2015 der Bertelsmann-Stiftung.

Weitere Informationen

Die neuen Materialien werden allen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sowie den Fachschulen für Sozialpädagogik zur Verfügung gestellt.

Staatssekretärin Marion v. Wartenberg hat seit 2014 insgesamt elf große Fachveranstaltungen speziell für Erzieherinnen und Erzieher, das pädagogische Fachpersonal und Träger ins Leben gerufen:

  • Fachtagung „Mathematik ist überall“ (2. Juni 2014 in Stuttgart),
  • Internationaler zweitägiger Kongress „Die HUNDERT Sprachen der Kinder“ (9. und 10. Oktober 2014 in Stuttgart),
  • Zweitägiger Fachkongress „Haltung & Werte in der Kita“ (22. und 23. April 2015 in Fellbach),
  • Fachtag „Hand in Hand – kleine Flüchtlingskinder und ihre Familien begleiten“ (5. Mai 2015 in Mannheim),
  • Fachkongress „Bildungshaus 3-10: Bilanz und Ausblick“ (12. Juni 2015 in Ulm),
  • 1. Forum „Frühkindliche Bildung und Inklusion“ (13. Juli 2015 in Reutlingen),
  • Eröffnungsfachtag zur Ausstellung „MOMENTE aus dem Kita-Alltag: Wie Flüchtlingskinder ihre neue Welt erleben“ (30. September 2015 in Stuttgart),
  • Fachtag „Hand in Hand – kleine Flüchtlingskinder und ihre Familien begleiten“ (6. November 2015 in Stuttgart),
  • Fachtag „Pädagogik trifft Medizin – Wie Kinder davon profitieren“ (1. Februar 2016 in Stuttgart),
  • Fachtag „Multiprofessionelle Teams in Kitas“ (12. Februar 2016 in Stuttgart),
  • Fachtag „Hand in Hand: VOM HELFEN – Ein Bildungsthema“ (29. April 2016 in Fellbach).

Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden