Individuelle Förderung fängt im Kindergarten an

"Dass die Landesregierung die individuelle Förderung von Kindern zu einem zentralen Anliegen ihrer Bildungspolitik erklärt hat, begrüßt der VBE", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) anlässlich der heutigen Anhörung zu den geplanten Kürzungen im Elementarbereich. "Allerdings muss diese erklärte Absicht auch die Erkenntnis beinhalten, dass individuelle Förderung nicht erst in der Schule, sondern schon im Kindergarten beginnen muss."

31.05.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Aus dieser Erkenntnis müsste dann aber auch die Konsequenz erwachsen, dass der Elementarbereich gestärkt werden muss. Die im Landeshaushalt vorgesehenen Einschnitte im Elementarbereich demonstrieren aber das Gegenteil.

Kindertageseinrichtungen sollen in Zukunft mehr Aufgaben erfüllen müssen. Beispielsweise sollen sie sich intensiver um die Sprachförderung von Kindern kümmern. Darüber hinaus will die Landesregierung Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren umbauen, die in vielen Fragen eine Anlaufstelle sein sollen. Gleichzeitig soll das Finanzierungssystem für Kindertagesstätten dahingehend umgestellt werden, dass künftig pro Kind eine Pauschale an die Einrichtungen gezahlt wird. Das würde bedeuten, dass die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen von Kindertageseinrichtungen keine Berücksichtigung mehr finden.

"Der VBE unterstützt ausdrücklich die Forderung der Volksinitiative gegen Kürzungen bei Kindern, Jugendlichen und Familien, dass vor der Umstellung der Finanzierungsregelung der Dialog mit Verbänden, Trägern und Beschäftigten geführt werden muss", so Beckmann weiter. "Darüber hinaus sollte eine Umstellung der Finanzierungsregelung zunächst an einzelnen Standorten erprobt werden, bevor eine Gesetzesänderung erfolgt."

Darüber hinaus könnte die Landesregierung sich Rheinland-Pfalz zum Vorbild nehmen. Dort hat Ministerpräsident Kurt Beck heute einen familienpolitischen Stufenplan angekündigt, nach dem der Kindergartenbesuch beitragsfrei gemacht werden soll. Das würde sehr schön zu der immer wieder von Schwarz-Gelb angekündigten Absicht passen, "eins der modernsten Bildungssysteme Europas" schaffen zu wollen.

"Damit könnte die Landesregierung zeigen, dass sie den Elementarbereich wirklich als Teil des Bildungssystems versteht", so Beckmann abschließend. "Das wäre auch ein sehr guter Schritt hin zur frühen individuellen Förderung von Kindern."


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