Elternbegleitung

Mixed-method Studie zu Elternbedarfen erschienen

Im Rahmen des Projekts „ElternChanceN – mit Elternbegleitung Familien stärken“ wurde eine Elternbefragung vom Kompetenzteam „Frühe Bildung in der Familie“ an der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) durchgeführt.

03.01.2025 Bundesweit Pressemeldung Kompetenzteam „Frühe Bildung in der Familie“ des BMFSFJ
  • Frau liest dem Kind auf ihrem Schoß ein Buch vor © Adobe Stock

An der mobil durchgeführten Online-Befragung haben insgesamt 1.243 Eltern teilgenommen, zudem wurden 25 qualitative Interviews mit Eltern geführt. Die Ergebnisse dieser quantitativen und qualitativen Untersuchung sind nun in der Publikation „Eltern im Blickpunkt“ (2024) zusammengefasst. 

Familie gilt als zentraler Ort für das Aufwachsen von Kindern. Da Belastungen wie auch Ressourcen unterschiedlich in den Familien verteilt sind, bedarf es sowohl einer engen Zusammenarbeit mit Eltern als auch niedrigschwelliger Angebote und eines sozialräumlich vernetzten Vorgehens, um Kindern im familiären Alltag und auf ihrem Bildungsweg bestmöglich begleiten sowie Eltern in herausfordernden Lebenslagen den Zugang zur Unterstützung erleichtern zu können.

Die Studie „Eltern in Blickpunkt“ nimmt die Perspektive von Eltern in den Fokus. Erhoben wurden die Daten im Rahmen des ESF-Plus-Programms „ElternChanceN – mit Elternbegleitung Familien stärken“ (ECN). In aktuell 64 geförderten Netzwerken kooperieren Einrichtungen der Familienbildung, Jugendämter, Grundschulen und weitere lokale Akteur:innen, um gemeinsam passgenaue Angebote für Familien abzustimmen und umzusetzen, sowie neu zu entwickeln. Vor Ort sollen dadurch kommunale Präventionsketten für Familien entstehen oder ausgebaut werden.

Untersucht wurde in der Studie ob und in welcher Weise Eltern in ihrem alltäglichen Familienleben und hinsichtlich der Bildungswege ihrer Kinder von den familienfördernden Angeboten der Netzwerke Elternbegleitung profitieren und welche Wünsche und Bedarfe Eltern zur Verbesserung einer familienbezogenen Infrastruktur haben. Dabei ist es durch eine mehrsprachige Online-Befragung und Interviews in drei Sprachen gelungen, Familien mit besonderen Unterstützungsbedarfen eine Stimme zu geben.

Die Befunde bieten Einblicke in die Bedürfnisse und Herausforderungen von Eltern im Kontext frühkindlicher Bildung und zeigen auf, wie Elternbegleitung zur Stärkung von Familien beitragen kann. Die zentralen Ergebnisse sind:

1. Die Zufriedenheit der befragten Eltern mit den Angeboten der Netzwerke Elternbegleitung ist hoch. Aus der Online-Befragung geht eine hohe Zufriedenheit der Eltern hervor. Von den über 1.200 Eltern sind über 60 Prozent sehr zufrieden und knapp 30 Prozent zufrieden. Auch die Weiterempfehlungsrate liegt mit 95 Prozent hoch. Die qualitativen Interviews untermauern diese Wertschätzung für die Arbeit der Netzwerke und den Fachkräften.

2. Die Eltern nutzen eine große Bandbreite an Angeboten. Insbesondere niedrigschwellige und offene Angebotsformate erfreuen sich bei über der Hälfte der Eltern an großer Beliebtheit. Hierzu zählen unter anderem Elterncafés, Frühstücks- und Kochtreffs, offene Sprechstunden oder aufsuchende Angebote beispielsweise auf Spielplätzen.

3. Die Angebote sind für viele Eltern eine wichtige Unterstützung in ihrem Alltag. Sie erleichtern 90 Prozent der Befragten das Familienleben und helfen 87 Prozent, die Kinder besser zu fördern. Bei vielen Eltern übernehmen familienunterstützende Einrichtungen eine Stabilisierungs- und Orientierungsfunktion. Dies wird u.a. darüber deutlich, dass mehr als die Hälfte der über 1.200 befragten Eltern mindestens einmal die Woche an Angeboten teilnimmt.

4. Insbesondere Familien in besonderen Lebenslagen profitieren von den Angeboten der Netzwerke Elternbegleitung. Mehr als die Hälfte der Eltern, die seit weniger als fünf Jahren in Deutschland leben, der Eltern ohne Schul- und/oder Berufsabschluss, der alleinerziehenden Eltern sowie der Eltern mit drei oder mehr Kindern nutzen die Angebote regelmäßig. Zudem sticht die Personengruppe, die erst maximal fünf Jahre in Deutschland lebt, bei den quantitativen Ergebnissen durch besonders hohe Zufriedenheitswerte heraus, gefolgt von den Alleinerziehenden.

5. Die Fachkräfte sind wichtige Ansprech- und Vertrauenspersonen für die befragten Eltern. In den Interviews berichten die Eltern ausführlich von der Bedeutung der Fachkräfte für Ihre Familien und sich selbst. Sie werden als konstante und zuverlässige „Wegbegleiter*innen“ beschrieben, die ansprechbar sind und viel Wertschätzung vermitteln sowie emotional als auch praktisch bei Alltagssorgen und Krisen unterstützen.

6. Der Zugang zur Einrichtung und die Nutzung der Angebote werden für die befragten Eltern durch förderliche Rahmenbedingungen ermöglicht. Aus den Interviews geht eine Bandbreite von Zugängen hervor, die den Kontaktaufbau mit den Fachkräften erleichtern und Hemmnisse abbauen. Die Empfehlung der Einrichtung durch Schlüsselpersonen und anderen Eltern, eine in den Angeboten enthaltene Kinderbetreuung oder ein kostengünstiger Zugang zu den Angeboten sind dabei zentrale Faktoren.

Aus den Ergebnissen der mobil durchgeführten Online-Befragung und der Elterninterviews werden Handlungsempfehlungen für familienfördernde Einrichtungen herausgearbeitet. Dazu gehören u. a.:

1. Allgemeine Haltung und Arbeitsweise

  • Wertschätzender und empathischer Umgang mit den Eltern als Grundhaltung
  • Fachkraft als zuverlässige Ansprech- und Vertrauensperson für vielfältige Bedarfe etablieren
    • Ansprechbarkeit (Termine, Tür- und- Angel-Gespräche, telefonische Erreichbarkeit)
    • Engmaschige Unterstützung im Alltag (Hilfe bei Schwierigkeiten, zum Beispiel Begleitung zu Terminen in der Schule, Informationen über Unterstützung und Angebote anderer Akteurinnen und Akteure)
  • Qualitätssicherung etablieren: mündliche und schriftliche Bedarfserhebungen
    • Regelmäßig Bedarfe der Eltern ermitteln, informelles Feedback einbeziehen
    •  Bedarfserhebungen in einfacher Sprache oder mehrsprachig
    • Angebotsbegleitende (Nach-)Steuerung und Anpassung der Themen, Formate und Strukturen der Angebote
    • Schriftliche Erhebung als Argumentationsgrundlage für potenzielle Kooperationspartnerinnen und -partner sowie kommunale Entscheidungsträgerinnen und -träger nutzen

2. Förderliche Bedingungen für die Teilnahme an Angeboten

  • An die Zielgruppe angepasste (persönliche) Werbemaßnahmen entwickeln, insbesondere Informationsvermittlung im Sozialraum und online
  • Passende Rahmenbedingungen für die Angebote schaffen, um allen Eltern die Teilnahme zu ermöglichen
    • Parallele Kinderbetreuung oder Einbindung der Kinder in die Angebotsstruktur
    •  Kostenfreie Angebote oder Angebote auf Spendenbasis
    • Nach Möglichkeit zusätzliche Anreize zur Teilnahme bieten, wie Essen und Trinken
    • Angebote in den Sozialräumen oder an alltagsnahen Orten der Familien (zum Beispiel Kita, Schule, Einkaufszentrum, Spielplatz)
    • An die Bedarfe angepasste Zeiten (insbesondere auch Angebote an den Wochenenden und in den Ferien)
  • Öffentlich zugängliche Räume und Materialien (insbesondere am Wochenende und im Winter)

3. Angebotsformate

  • Niedrigschwellige Angebote weiter ausbauen (offene Treffs, Freizeitangebote und Feste, offene Gruppen), insbesondere auch Freizeitangebote für die ganze Familie sowie nur für Kinder
  • Angebote zur Unterstützung der Eltern bei der Bildung der Kinder verstärken, insbesondere im Bereich Schule
  • Verstärkt aufsuchende Angebote etablieren, insbesondere in ländlichen Regionen
  • Multigenerationale Angebote (Einbezug der Großelterngeneration)
  • Aufbau von elterlichen Netzwerken unterstützen (zum Beispiel über bestehende sprachspezifische Online-Gruppen)

Die komplette Studie mit den ausführlichen Ergebnissen steht Interessierten auf der Website des ESF Plus-Programms „ElternChanceN“ zur Verfügung.


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