Schulen als Partner der sportlichen Leistungszentren: Zusammenarbeit mit dem Leistungssport soll intensiviert werden
"Baden-Württemberg ist schon jetzt eines der anerkanntesten Sportländer in Deutschland. Dafür stehen rund 350 sport- und bewegungsfreundliche Grundschulen, viele Schulen mit eigenem Sportprofil, Partnerschulen der Olympiastützpunkte, Partnerschulen des Sports, Sportinternate, sportfreundliche Schulhöfen, Schulsport-Mentorenprogramme und eine Vielzahl von Kooperationen mit Vereinen. Diese gute Basis wollen wir als Sprungbrett nutzen, den Schulsport auch im Hinblick auf den Leistungssport weiter auszubauen und zu intensivieren." Das erklärte Kultusstaatssekretär Helmut Rau am Dienstag in Stuttgart.
16.08.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg"Die Zusammenarbeit der Schulen mit dem Leistungssport wird systematisiert werden und sich in den kommenden Jahren als roter Faden durch die Schulsportpolitik des Landes ziehen. Wir versprechen uns von der Unterstützung des Leistungssports in den Schulen anregende Impulse für alle Facetten des Sports, die in einem einheitlichen Konzept verbunden werden", steckte Helmut Rau das Ziel ab. Die Stiftung "Sport in der Schule" wird die schulischen Maßnahmen zunächst mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 80.000 Euro unterstützen.
Der Staatssekretär benannte die konkreten Handlungsfelder, die vom Kultusministerium in dem neu organisierten Referat "Sport und Sportentwicklung" vorangetrieben werden.
Trainerkonzeption soll insgesamt flexibler werden
Ein wesentliches Element der weiteren Sportentwicklung wird der Einsatz von Lehrer-Trainern an den Schulen sein. Um die Trainingsmöglichkeiten weiter zu verbessern, werden verstärkt Lehrkräfte mit einer Trainerausbildung im Bereich Leistungssport eingesetzt, die ihre Erfahrungen aus dem Leistungssport in die Schule einbringen können. "Damit schaffen wir ein Bindeglied zwischen Schulen und Leistungssport, das ein wichtiges Instrument zur Talenterkennung und -förderung sein wird", verdeutlichte Helmut Rau. In der Sportlehrerausbildung soll an ausgewählten Universitäten eine Zusatzqualifikation als Trainer möglich werden. Ausbildungsgänge für Trainer sollen flexibilisiert werden. "Wir werden dem Landessportverband ein Angebot machen, die Trainerkonzeption insgesamt flexibler zu gestalten, um eine enge Vernetzung mit den Schulen zu erreichen", erklärte der Staatssekretär.
Helmut Rau kündigte an, dass weitere 12 Realschulen im Land ein Sportprofil erhalten werden. Derzeit gibt es 17 Gymnasien, 22 Hauptschulen (inklusive Förderschulen) und 20 Realschulen mit einem Sportprofil. Damit verbunden ist die Einrichtung von Schulsportclubs an den Schulen mit dem neuen Sportprofil, die unter Einbeziehung auch ehrenamtlicher Unterstützer das Sport- und Bewegungsangebot abrunden. Wertvolle Erfahrungen wurden hier unter anderem schon an der Praßbergschule in Wangen oder an der Friedensschule in Waiblingen gesammelt.
Im Bereich Leistungssport hob Helmut Rau unter anderem die Intensivierung der Förderung sportlicher Talente an Partnerschulen und Eliteschulen hervor. Derzeit gibt es 44 Partnerschulen der Olympiastützpunkte und von den insgesamt 38 deutschen Eliteschulen des Sports befinden sich alleine vier in Baden-Württemberg (Eliteschule Modell Tauberbischofsheim, Skiinternat Furtwangen, Eliteschulverbund Stuttgart, Sportinternat Heidelberg). Bei der jüngsten Evaluierung aller Sporteliteschulen durch den Deutschen Sportbund wurden Furtwangen und Tauberbischofsheim in die höchste Qualitätskategorie eingruppiert. Besuchten im Schuljahr 1996/97 insgesamt 282 Kaderathleten die Partnerschulen, so waren es 2004/05 bereits 768 Athletinnen und Athleten. Ausgebaut werden auch die sportartübergreifenden Talentfördergruppen an den Olympiastützpunkten.
"Drop out" von sportlichen Nachwuchstalenten soll verhindert werden
Den Kampf sagte Helmut Rau dem so genannten "drop out" an. Dieser bedeutet das "Herausfallen" von Athleten aus der Sportkarriere aufgrund späterer beruflicher Beanspruchung. "Wir müssen bestrebt sein, dass sich keine biografischen Brüche bei den Sporttalenten ergeben und dass sich großartige Leistungen von Nachwuchssportlern später auch in Erfolge bei den Aktiven ummünzen lassen." Ähnlich der pädagogischen Unterstützung von Schülerinnen und Schülern in den Partnerschulen sollen an den Hochschulen Unterstützungssysteme für Leistungssportler im Studium geschaffen werden, unter anderem auch zur unbürokratischen organisatorischen Gestaltung des Studiums. Darüber hinaus sollen durch Partnerbetriebe Hilfen bei der Ausbildungsplatz- und Arbeitsplatzsuche geleistet werden. Rau verwies darauf, dass es in Baden-Württemberg bereits sportspezifische Berufsausbildungen gebe, wie beispielsweise die Fachrichtung Wirtschaftsassistent/in (Sportverwaltung und -organisation) im Berufskolleg II in Furtwangen oder das duale Berufskolleg für Sport- und Vereinsmanagement an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart.
Im Schulsport insgesamt werden die Bewegungsangebote außerhalb des regulären dreistündigen Sportunterrichts ausgeweitet. Dazu zählen Aktionen wie der Wettbewerb des Kultusministeriums "Jugend in Bewegung - Runter vom Sofa - Raus aus dem Haus" mit den Themen Bewegung und Ernährung. Angesprochen werden damit Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. An einer Erprobungsphase in diesem Jahr nahmen im Land bereits mehr als 1.500 Schülerinnen und Schüler teil. Das Projekt soll jetzt landesweit ausgedehnt werden. An die gleiche Zielgruppe richten sich auch weitere Angebote wie der "Walking-Bus" zu Kindergärten und Grundschulen. Dabei treffen sich die Kinder unter ehrenamtlicher Begleitung Erwachsener an "Haltestellen" und "walken" dann gemeinsam zu Schule und Kindergarten.
An den weiter führenden Schulen sollen in Zusammenarbeit mit örtlichen Sportvereinen flächendeckend Lauftreffs eingerichtet werden, die ein Aufbautraining in Jogging und Walking beinhalten. In einem Pilotprojekt im Landkreis Waiblingen wurden in diesem Jahr unter Beteiligung von 20 Schulen dabei sehr positive Erfahrungen mit großer Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern gemacht.
Daten zum Schulsport
350 Grundschulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt
59 Schulen mit Sportprofil (künftig 71)
44 Partnerschulen der Olympiastützpunkte
14 Partnerschulen des Sports
32 Sportinternate (9 Vollzeit, 23 Teilzeit)
200 sportfreundliche Schulhöfe
7500 Schülermentorinnen/-mentoren bisher ausgebildet
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