Jugendforscher Hurrelmann

"Stoppen Sie das Betreuungsgeld"

(red/pm) Der Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat sich gegen das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld für Eltern ausgesprochen, die ihre Kinder nicht in eine Kita schicken. Stattdessen forderte er in der ZEIT finanzielle Unterstützung des Staates für so genannte Elterntrainings, bei denen Väter und Mütter "direkt in ihrer Aufgabe als Erzieher und Bildungsförderer" ausgebildet werden.

12.07.2012 Artikel
  • © Uni Bielefeld

"Wir bekämen die Bildungsrepublik sehr schnell hin, wenn der Staat zum Beispiel allen Müttern und Vätern einen finanziellen Anreiz in Aussicht stellte, an Elterntrainings teilzunehmen", erklärte der Professor aus Berlin. Es gehe darum, Eltern "ganz gezielt finanziell und pädagogisch zu unterstützen, damit sie ihre Kinder besser fördern können". Die Idee sei nicht neu, ergänzte Hurrelmann: "In den 1920er Jahren wurde intensiv über einen `Elternführerschein´ diskutiert, der Müttern und Vätern als symbolische Geste dann ausgehändigt wird, wenn sie an Elterntrainings teilgenommen haben."

Der Wissenschaftler und Autor der renommierten Shell-Jugendstudie betonte, der Anteil der Eltern an der Lernentwicklung ihrer Kinder sei "größer als der von Lehrern und Unterricht zusammen". Immer mehr Eltern fühlten sich hierdurch aber unter Druck gesetzt, "und viele sind heute überfordert", begründete Hurrelmann seinen Vorstoß zur Einführung von Elterntrainings.

Vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien hätten deshalb schwere Nachteile schon am Start. "Eltern aber einen finanziellen Anreiz dafür zu geben, dass sie ihre Kinder von den öffentlichen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen fernhalten, bringt uns der `Bildungsrepublik Deutschland´ keinen Schritt näher", erklärte Hurrelmann und forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Stoppen Sie das Betreuungsgeld."


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