Kindertagesstätten

Tut was!

Den Fachkräftemangel in Kitas spüren alle: Träger, Leitungen, Erzieher, Eltern. Aber es gibt Lösungen – ohne die Bildungsqualität zurückzuschrauben. Ein Beitrag von Eike Ostendorf-Servissoglou.

22.05.2024 Bundesweit Artikel Meine Kita
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Der Fachkräftemangel ist die größte Herausforderung im Kita-Bereich. In einer Umfrage des Deutschen Kitaverbands von 2023 bestätigen das 78 Prozent der befragten Kita-Träger. Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung fehlen derzeit rund 100.000 Fachkräfte. Der Mangel ist vielerorts für Kinder und Familien spürbar: 69 Prozent der in der Verbandsumfrage befragten Träger reduzierten ihre Kita-Öffnungszeiten, 58 Prozent schränkten Aktivitäten mit den Kindern wie Ausflüge ein. Mehr und mehr untergräbt der Personalmangel den Bildungsauftrag der Kitas, führt zu Einbußen in der Bildungsgerechtigkeit und zu Einschränkungen bei
der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Deutsche Kitaverband fordert daher die schnelle und unbürokratische Umsetzung eines ganzen Maßnahmenbündels:

Multiprofessionelle Teams

und externe Evaluation Wenn Kitas weiterhin umfassende Betreuungszeiten anbieten wollen, können sie das heute nicht mehr ausschließlich mit pädagogischen Fachkräften bewältigen. Viele Bildungsimpulse erhalten Kinder dort in Alltagssituationen, die auch anderweitig qualifizierte oder nachqualifizierte Kräfte begleiten könnten. Der Deutsche Kitaverband schlägt daher vor, den Fachkräfteschlüssel in einen Personalschlüssel umzuwandeln und multiprofessionelle Teams zu bilden. Folgende Kräfte können die unterbesetzten Teams handlungsfähiger machen:

  • Pädagogisch (weiter)qualifizierte Direkteinsteiger/-innen: Sie kommen aus anderen Berufsfeldern und bringen ihr Know-how zum Beispiel aus Handwerk, Technik, Kunst oder Sport in die Kita ein.
  • Akademiker/-innen: Sie sind eine wichtige Bereicherung beim Management von Kitas und der Weiterentwicklung der Bildungsqualität in den Einrichtungen. Um sie für das Feld der Kindertagesbetreuung zu gewinnen, bedarf es jedoch einer anderen Entlohnung.
  • Zusatzkräfte: Die Fachkräfte können im Kita-Alltag vielfach Unterstützung gebrauchen – zum Beispiel durch Aufsichtspersonen bei Ausflügen.
  • Verwaltungsfachkräfte: Der Verwaltungsaufwand in Kitas steigt. Da darauf spezialisiertes Personal aktuell nicht gegenfinanziert ist, übernehmen Pädagogen diese Aufgaben. Das sollte sich ändern. Dann bleibt Erzieher/-innen mehr Zeit für die Kinder.

„Die Entscheidungshoheit über die Auswahl und den Einsatz des Personals muss beim Kita-Träger liegen“, fordert Waltraud Weegmann, Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands. „Er kann im direkten Kontakt die Kompetenzen und die persönliche Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern am besten beurteilen und kennt die pädagogischen und konzeptionellen Anforderungen in seinen Häusern.“ Als Kontroll- und Steuerungsmechanismus schlägt der Verband eine verpflichtende jährliche externe Evaluation für Kitas vor.

Karrierewege eröffnen

Oft erleben Träger, dass gutes Personal abwandert. Mit Weiterbildungsangeboten und attraktiven Karriereoptionen könnten Kita-Träger zumindest teilweise gegensteuern. Denn die Entwicklungsmöglichkeiten in Kitas sind vielfältig: Leitungspositionen stehen ebenso offen, wie die Möglichkeit, Fachexperte zu werden zum Beispiel für Sport, Kunst, Sprache, Kinderschutz oder Qualitätsmanagement oder sich zur Fachberatung, zum Mentor oder zum Coach weiterzuentwickeln. Damit Träger das tatsächlich leisten können, fordert der Deutsche Kitaverband eine vollständige Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen und Qualifizierungsangeboten sowie die Berücksichtigung von Fortbildungszeiten bei der Berechnung
des Personalschlüssels.

Anerkennung von Abschlüssen

Ein weiterer wichtiger Punkt sind bundesweit einheitliche Voraussetzungen für die Anerkennung von Fachkräften. „Eine Fachkraft, die in einem Bundesland anerkannt ist, muss ohne Nachprüfung auch in allen anderen Bundesländern auf diesem Niveau anerkannt sein“, sagt die Verbandsvorsitzende Weegmann. „Derzeit ist der Anerkennungsprozess sehr bürokratisch und dauert monatelang.“ Auch in der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland sieht der Verband viel Potenzial. 2024 plant er daher für seine Mitglieder ein Projekt zur Anwerbung von Fachkräften aus Drittstaaten.

Mitarbeiterinnen arbeiten oft an der Belastungsgrenze. Es stresst sie, dass sie vielfach ihrem pädagogischen Anspruch nicht mehr gerecht werden. Ich weiß, wie schwierig es für Eltern ist, wenn ich Betreuungszeiten kürze, aber ich muss mein Team schützen. Ich weiß, dass sie Überstunden kaum noch abbauen können, und entscheide mich daher zumeist dagegen, sie darum zu bitten.

Unser Trägernetzwerk Konzept-e setzt alle Hebel in Bewegung, um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. Wir haben hier zum Beispiel eine Quereinsteigerin und eine Aushilfe im Team, die uns hervorragend unterstützen. Außerdem tauschen wir in Engpasssituationen Personal mit unserer Partnerkita, dem Kinderhaus Wieslauf-Käpsele in Schorndorf aus. Neue Fachkräfte rekrutiert der Träger auch im Ausland. Ich selbst stamme aus Weißrussland, bin in unserem Arbeitskreis ausländische Fachkräfte aktiv, und werde meine Fühler jetzt in der alten Heimat ausstrecken. Privat engagiere ich mich im Integrationsrat der Stadt Schwäbisch Gmünd und habe angeboten, dass ukrainische Erzieher/-innen ihr dreimonatiges Anerkennungspraktikum in unserer Kita machen können. Vielleicht bleibt die eine oder andere Fachkraft anschließend bei uns.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:

Meine Kita - das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 1/2024, S. 40-42, www.meine-kita.de


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