Veränderte Fachkräftelandschaft in den Thüringer Kitas

Nach dem Entwurf des neuen Kindertagesstättengesetzes dürfen demnächst in den Kindertagesstätten Fachkräfte unterschiedlichster Ausbildungsrichtungen arbeiten: - Heilerziehungspfleger/innen und Heilpädagog/innen (also Personen, die Fachkräfte des Gesundheitswesens sind) - Diplompädagog/innen, Diplomsozialpädagog/innen, Absolventen mit Bachelor- oder Magisterabschluss, die eine Vertiefungsrichtung "Pädagogik der frühen Kindheit" aufweisen - Staatlich anerkannte Erzieher/innen.

06.12.2005 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Zunächst begrüßt die GEW ausdrücklich, dass die CDU damit den Weg für mehr Fachkräfte mit Hochschulabschluss in den Thüringer Kitas frei machen will, zumindest theoretisch. "So zeigt die CDU selbst auf, dass die derzeitige Breitband-Erzieherausbildung auf Fachschulniveau perspektivisch nicht ausreichend ist", meint Jürgen Röhreich, Landesvorsitzender der GEW Thüringen. Allerdings steht hier die Frage, wer einen solchen Hochschulabschluss (Diplom, Bachelor, Magister) mit der geforderten Vertiefungsrichtung in Thüringen aufweisen kann?

Der Bachelor-Studiengang "Pädagogik der Kindheit", der - an der Universität Erfurt erworben werden kann, kommt dem zwar schon recht nahe, aber in den Studieninformationen ist der Schwerpunkt "frühe Kindheit" nicht erkennbar. Es ist ohnehin noch ungeklärt, wo die Absolvent/innen mit dem akademischen Grad "Baccalaurea/Baccalaureus Artium " Arbeit finden können. In Thüringer Kitas? Ansonsten haben wir die Vertiefungsrichtung "Pädagogik der frühen Kindheit" noch bei dem gleichnamigen Bachelor-Studiengang an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg und beim Diplomstudiengang der Universität Koblenz/Landau gefunden. Ist das neue Kita-Gesetz der charmante Werbeversuch, solche Absolvent/innen nach Thüringen zu locken?

Zur Erklärung:

(Baccalaurea/Baccalaureus Artium Oder auch Bachelor of Arts, das ist der niedrigste akademische Grad und gleichzeitig der erste berufsqualifizierende Abschluss eines mehrstufigen Studienmodells im Bereich der "Künste" (gemeint sind die Gesellschaftswissenschaften)

Vorwurf falscher Zahlen ungerechtfertigt

"Das Kultusministerium sollte sich mal an der Realität orientieren und die Auswirkungen der eigenen Gesetzentwürfe prüfen", erklärte GEW-Vorsitzender Jürgen Röhreich auf entsprechende Vorwürfe. "In den vergangenen Wochen haben Landkreise und Träger auf Anfrage von Tageszeitungen mehrfach Stellenstreichungen und höhere Elternbeiträge angekündigt . Wenn das Familienfördergesetz einen höheren Betreuungsschlüssel als bisher ansetzt, sind je nach Ausgangslage 700 bis 1000 Stellen übrig. Dieser Abbau resultiert vor allem aus der Tatsache, dass sich der neue Personalschlüssel auf 18 Kinder bezieht, während bisher eine Kindergartengruppe ab 15 Kindern gebildet werden konnte. Es sind in der Regel Frauenarbeitsplätze, die "dem größten familien - und gleichstellungspolitischen Vorhaben in Deutschland"(Minister Zeh zur Familienoffensive) zum Opfer fallen.

Beispiele:

Weimar: Abbau von Personal 18 so genannte Vollbeschäftigteneinheiten abbauen (TLZ 25.11.) · Bad Berka: Elternbeiträge steigen um 100 % (TLZ 24.11.05) · Jena. Je nach Einkommensverhältnissen kämen durchschnittlich 30 bis 85 Euro mehr im Monat auf die Eltern für ihr Kind zu. (OTZ 25.11.05)

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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