Werden Kindergärten zum Luxus?

Anlässlich des 'Internationalen Kindertages' am 20. September fordert die GEW Bayern einschneidende Korrekturen im Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (KiBiG). "Das Gesetz ist Spiegelbild des neoliberalen Denkens in der CSU und eine zynische Missachtung der wirklichen Bedürfnisse von Kindern und Eltern", so Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern.

16.09.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die in Bayern betriebene Kinderpolitik verstärkt bereits bestehende Benachteiligungen insbesondere von Migrantenkindern, zementiert eine frühe Selektion im Elementar- und Primarbereich und macht die Umsetzung eines integrativen Ansatzes innerhalb der Einrichtungen unmöglich. Sowohl unter sozialpolitischen als auch pädagogischen Gesichtspunkten sind daher Strukturveränderungen in der frühkindlichen Bildung im Freistaat dringend notwendig.

So wird - entgegen den Behauptungen von Staatsministerin Christa Stewens - die staatliche Förderung von Kindertagesstätten nicht an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern ausgerichtet. Vielmehr werden ab 2006 nur noch Pauschalbeträge gezahlt, die vom Aufwand des Trägers und dem individuellen pädagogischen Förderbedarf völlig abgekoppelt sind. Für Kinder mit besonderem Förderbedarf stehen künftig überhaupt keine zusätzlichen Fördergelder zur Verfügung.

Die GEW sieht keinen Sinn in Einschulungsverboten für Kinder mit mangelnden Sprachkenntnissen. Oskar Brückner: "Das Kultusministerium schiebt sie Verantwortung ab, in dem es fordert, dass Eltern und Kindergarten die Kinder "schulreif" machen sollen. Stattdessen müssen Schulen "kinderreif" werden. Kinderbetreuung ist kein Verschiebebahnhof, auf dem die Jüngsten nach Belieben in verschiedenen Gruppen, zu unterschiedlichen Zeiten und mit wechselnden Konzepten 'verwaltet' werden."

Bildung und Betreuung von Kindern sind mit dem bayerischen KiBiG zur Ware geworden, deren Qualität und Preis dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage ausgeliefert sind. Vermögende Eltern werden den Bildungs- und Betreuungsanspruch ihrer Kinder künftig deutlich besser durchsetzen können als einkommensschwache Familien. "Soziale, kulturelle oder ethnische Herkunft dürfen aber nie Kriterium sein, wie gut und umfassend Kinder betreut und gefördert werden", so Brückner.

Die GEW fordert die Abkehr vom neoliberalen Ansatz in der Kinderbetreuung. Wenn 'Kinder das köstlichste Gut unseres Volkes sind' - wie in der bayerischen Verfassung formuliert - muss der Staat dafür Sorge tragen, dass genügend Personal, Ressourcen und qualifizierte pädagogische Konzepte zur Verfügung stehen.

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GEW Bayern

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