Wie Schumi im Polo

Die Ausgestaltung des Bildungsauftrages im neuen Kita-Gesetzentwurf und ungeklärte Finanzierungsfragen rufen Kritik bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hervor. "Die Querschnittsdimension von Bildung kommt zu kurz und es fehlt eine Regelung, um die Arbeit in den Kindertagesstätten ausreichend zu finanzieren", sagte Dr. Kai Niemann am Mittwoch, 26. Oktober 2005, in Kiel. "Von Michael Schumacher erwartet schließlich auch niemand, dass er im VW-Polo bei der Formel I mithält. Erzieherinnen sollen aber zum Beispiel in einer Gruppe mit 23 Kindern individuelle Sprachförderung betreiben."

26.10.2005 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

Die Landesregierung dürfe seiner Meinung nach den Bildungsauftrag der Kindertagesstätten nicht zu eng fassen. "In Kindertagesstätten werden die Grundlagen für den weiteren Bildungsweg der Kinder gelegt. Kinder müssen dort spielerisch Selbst-, Sozial- und Lernkompetenzen erwerben können, Erzieherinnen diese Lernprozesse initiieren und begleiten", legte der GEW-Landesvorsitzende die Position seiner Gewerkschaft dar. Die Querschnittsdimensionen von Bildung wie beispielsweise Lebensweltorientierung, Partizipation und Integration müssten daher die gleiche Bedeutung erhalten wie Sprachförderung und Naturwissenschaften.

Wer die Bildung in Kindertagesstätten verbessern wolle, dürfe die Rahmenbedingungen nicht vergessen, so Kai Niemann: "Wie soll eine Erzieherin mit unzulänglichen Vor- und Nachbereitungszeiten sinnvoll mit anderen Institutionen wie z.B. der Schule oder dem Jugendamt zusammenarbeiten? Was ist mit Verfügungszeiten für Elterngespräche? Brauchen Erzieherinnen nicht auch eine bessere Ausbildung, um Bildungsprozesse von Kindern gestalten zu können? Wie sieht es mit der Fortbildung für die Erzieherinnen aus, um sich neuen Aufgaben stellen zu können?"

Nicht einverstanden zeigte sich die GEW mit dem Einfrieren der Landeszuschüsse für die Kindertagesstätten auf dem gegenwärtigen Stand von 60 Millionen Euro. "Entgegen ursprünglicher Erwartungen reicht das Geld schon jetzt nicht mehr aus, wie alle Träger glaubhaft versichern. Niedrigeren Kinderzahlen stehen zudem wachsende Aufgaben und höhere Anforderungen gegenüber", argumentierte der GEW-Landesvorsitzende. So erfordere das neue Kindertagesbetreuungsausbaugesetz eine höhere Zahl von Plätzen für Kinder unter drei Jahren.

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GEW Schleswig-Holstein

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