Akademisches Jahr 2007/08 im Zeichen hochschulpolitischer Neuerungen: Neue Studienangebote – 3000 zusätzliche Studienplätze an Hochschulen und Berufsakademien

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg gab heute einen Ausblick auf das mit dem kommenden Wintersemester beginnende Akademische Jahr 2007/08. Vor Medienvertretern informierte er über aktuelle Entwicklungen an den Hochschulen und Berufsakademien, aber auch in der Hochschulpolitik.

17.09.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Frankenberg: "Das Programm Hochschule 2012 startet mit rund 3000 neuen Studienanfängerplätzen - wir handeln mit Blick auf den wachsenden Bedarf an hochqualifizierten Nachwuchskräften und auf die absehbar steigenden Studierendenzahlen. Wichtige gesetzliche Neuerungen sollen noch in diesem Jahr in Kraft treten: Professuren mit Schwerpunkt Forschung oder Lehre sowie beschleunigte Berufungsverfahren werden die Gewinnung von Spitzenkräften erleichtern; Frauen werden in Berufungsverfahren stärker beteiligt; für das Karlsruhe Institute of Technology öffnen wir neue Wege in der Forschungskooperation."

Frankenberg betonte die Qualität und Attraktivität des Hochschulstandorts Baden-Württemberg. Die Zahl der Bewerbungen in den nc-Fächern sei ersten Erhebungen zufolge um rund 10 Prozent gestiegen. "Durch Studiengebühren schaffen wir bessere Studienbedingungen; der Solidarpakt bildet eine sichere und langfristige finanzielle Basis für Forschung und Lehre", so der Minister.

Über die bereits eingeleiteten Neuerungen sind Frankenberg zufolge neue Vorhaben in Arbeit. "Wir wollen den Berufsakademien Hochschulstatus verschaffen; dazu bereiten wir einen Gesetzentwurf vor", sagte Frankenberg. Aber auch auf anderen Feldern der Hochschulpolitik seien Anstrengungen erforderlich. "Die hohe Qualität von Forschung und Lehre in Baden-Württemberg ist kein Ruhekissen, sondern Ansporn für weitere Verbesserungen", so der Minister.

Neue Studienangebote im Programm "Hochschule 2012"

Bis zum Jahr 2012 sollen im Rahmen des Programms ´Hochschule 2012´ insgesamt 16.000 neue Studienanfängerplätze entstehen. Das Programm startet im kommenden Wintersemester mit rund 3.000 neuen Studienanfängerplätzen, die sich auf die Hochschulen und Berufsakademien wie folgt verteilen:

Universitäten 736
Pädagogische Hochschulen 395
Fachhochschulen 970
Berufsakademien 990
Kunst- und Musikhochschulen 63
Gesamt 3.154



Minister Frankenberg: "Wir handeln mit Blick auf den wachsenden Bedarf an hochqualifizierten Nachwuchskräften und auf die absehbar steigenden Studierendenzahlen. Die neuen Angebote wurden in enger Abstimmung zwischen Hochschulen und Wirtschaft entwickelt."

Den Schwerpunkt bei den Universitäten bilden die Natur- und Ingenieurwissenschaften mit über 50 Prozent der zusätzlichen Studienanfängerplätze, 20 Prozent entfallen auf die Wirtschaftswissenschaften. Hinzu kommen Angebote in den Geisteswissenschaften. Die Fachhochschulen und Berufsakademien konzentrieren sich auf die Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften. Die Pädagogischen Hochschulen setzen neue Schwerpunkte in der frühkindlichen Pädagogik.

"Der Studienerfolg hängt entscheidend von der richtigen Studienwahl ab", sagte Frankenberg. "Um die Schülerinnen und Schüler im Land bei dieser wichtigen Entscheidung zu unterstützen, haben wir beim Wissenschaftsministerium eine Servicestelle für Studieninteressierte und Studierende eingerichtet". Das neue Internetportal www.studieninfo-bw.de biete umfassende, gut strukturierte Informationen zum Thema Studieren in Baden-Württemberg und helfe den künftigen Studierenden bei der Orientierung, so der Minister. Künftig sollen Studienbotschafter in die Schulen gehen und den Schülern authentische Einblicke in Studium und Beruf geben. Für 600 Lehrkräfte, die an den Gymnasien mit der Studienorientierung betraut sind, werden gezielte Fortbildungen angeboten.

Neues Hochschulgesetz

Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg von den neuen gesetzgeberischen Möglichkeiten der Föderalismusreform Gebrauch gemacht. Das "Erste Gesetz zur Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich (EHFRUG)" soll noch dieses Jahr vom Landtag verabschiedet werden.

Schon im Lauf des kommenden Studienjahrs könnten, so der Minister, die ersten in diesem Gesetz vorgesehenen Professuren mit Schwerpunkt Forschung und Professuren mit Schwerpunkt Lehre eingerichtet werden. "Wir geben den Hochschulen mehr Flexibilität bei dem Einsatz ihres Personals. Sie sollen selbst entscheiden, auf welcher Stelle mehr geforscht oder gelehrt werden soll." Neu geschaffen werde ein neuer Qualifikationsweg mit dem Schwerpunkt Lehre, der über den Dozenten zur Professur führe. "Dozenten können künftig - wie auch Juniorprofessoren mit dem Schwerpunkt Forschung – im so genannten "Tenure Track" beschleunigt auf eine Professur an der eigenen Hochschule berufen werden. Damit räumen wir den Hochschulen bessere Bedingungen für die Gewinnung von Spitzenkräften ein", sagte Frankenberg.

Mit der Erhöhung des Frauenanteils in den Berufungskommissionen werde die Situation von Frauen in Wissenschaft und Forschung verbessert. "Wir wollen bessere Chancen für Frauen an den Hochschulen und mehr Professorinnen", so der Wissenschaftsminister.

Das Land stelle außerdem die Weichen für eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung. Die Universität und das Forschungszentrum Karlsruhe erhalten die Möglichkeit, unter dem Dach des neuen Karlsruhe Institute of Technology (K.I.T) zusammenzuarbeiten.

Studiengebühren und Studienbedingungen

Frankenberg zufolge hat die Einführung von Studiengebühren zum Sommersemester 2007 zu klaren Verbesserungen der Studienbedingungen geführt. Aus dem Gebührenaufkommen von rund 90 Millionen Euro sei vor allem Personal zur Verbesserung des Lehr- und Serviceangebots finanziert worden, ein großer Teil sei auch in die Ausstattung von Bibliotheken und anderen Serviceeinrichtungen geflossen.

Die Hochschulen hätten verschiedene Modelle zur Befreiung von hochbegabten Studierenden entwickelt. "Damit wird dem Grundgedanken eines Stipendiums Rechnung getragen, besonders leistungsfähige Studierende werden finanziell entlastet. Ich ermuntere alle Hochschulen, von dieser gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch zu machen", so Frankenberg.

Der Minister betonte die sozialverträgliche Ausgestaltung der Studiengebühren. Rund 15 Prozent der Studierenden seien im vergangenen Sommersemester von der Gebühr befreit worden. In den nächsten Monaten werde ein detaillierter Bericht vorgelegt, der sich mit der Wirkung von Studiengebühren befasst.

Der Minister sprach sich in diesem Zusammenhang für eine BAföG-Erhöhung aus. Frankenberg: "Die Bundesregierung ist mit ihrem Vorhaben, die BAföG Sätze für Studierende anzuheben, auf dem richtigen Weg."

Der Minister bezeichnete die Förderung der Schaffung von Wohnraum für Studierende als ein wichtiges Anliegen. Baden-Württemberg weise mit nahezu 14 Prozent seit Jahren eine konstant höhere Versorgungsquote bei der Wohnraumversorgung auf als alle anderen alten Bundesländer. Frankenberg: "Unsere Studentenwerke haben - auch in Kooperation mit privaten Investoren - im vergangenen Jahr 500 neue Plätze geschaffen; bis Ende 2007 sollen 1.500 weitere Plätze hinzu kommen."

Bewerbungen zum Wintersemester 2007/2008

Zum Wintersemester 2007/08 vermelden die Hochschulen gestiegene Bewerbungszahlen. Derzeit kann in den nc-Fächern von einer Zunahme der Bewerbungen um rund 10 Prozent ausgegangen werden. Auch wenn diese Angaben noch vorläufig seien und nicht auf einer vollständig gesicherten Datenbasis beruhten, sieht sich der Minister in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Einführung von Studiengebühren auf längere Sicht nicht von einer Entscheidung für ein Studium abhalte. "Unsere Hochschulen und Berufsakademien bieten Qualität – deshalb sind sie attraktiv", so der Minister. Erste Zahlen über die Neueinschreibungen zum Wintersemester werden gegen Ende des Jahres vorliegen.

Exzellenz in Lehre und Forschung

Das gute Abschneiden der Landesuniversitäten in der ersten Runde der Exzellenzinitiative untermauert nach Frankenbergs Worten die hohe Qualität der Hochschulen in Baden-Württemberg. "Auch in der laufenden zweiten Runde sind die Landesuniversitäten mit zahlreichen Anträgen für Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte im Rennen; bei den Zukunftskonzepten kommen drei der acht nominierten Universitäten aus dem Land – nämlich Freiburg, Konstanz und Heidelberg. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses überdurchschnittliche Abschneiden in der Bewilligungsrunde am 19. Oktober widerspiegelt", sagte Frankenberg.

Die Spitzenstellung des Landes in Lehre und Forschung einschließlich der Hochschulmedizin ist Frankenberg zufolge auch das Ergebnis des stabilen Finanzrahmens, den das Land den Hochschulen und Berufsakademien garantiere. "Wir haben den Solidarpakt aus dem Jahr 1996 erneuert und auf alle Hochschularten einschließlich der Berufsakademien und die Hochschulmedizin erweitert; damit haben wir bis 2014 eine verlässliche finanzielle Basis für Exzellenz in Lehre und Forschung geschaffen."

Zahlreiche Rankings bezeugen Frankenberg zufolge das hervorragende Abschneiden der Hochschulen aus dem Land, nicht zuletzt im Urteil der Professoren- und Studierendenschaft. "Es ist kennzeichnend, dass unsere Hochschulen überdurchschnittlich häufig in der Spitzengruppe und überdurchschnittlich selten in der Schlussgruppe gerankt werden. Spitzenqualität in Baden-Württemberg findet sich nicht nur an einem Standort, sondern an vielen Standorten", sagte der Minister.

Weitere Reformschritte

"Wir wollen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen, sondern müssen weitere Anstrengungen unternehmen, um die Position des Landes im nationalen und internationalen Wettbewerb zu behaupten und zu verbessern. Dies betrifft die Lehre ebenso wie die Forschung", sagte Frankenberg. Den bisherigen Reformschritten sollten sich weitere anschließen.

Frankenberg: "Wir wollen der Berufsakademie Baden-Württemberg in Übereinstimmung mit den Ausbildungspartnern den Status einer Hochschule verschaffen. Die Standorte werden wir dabei ebenso erhalten wie den dualen Charakter der Ausbildung." Der neue Status einer "Dualen Hochschule" werde die Position der Berufsakademie in der Hochschullandschaft stärken und die Chancen der Absolventinnen und Absolventen weiter verbessern.

Als ein zentrales Thema der Zukunft bezeichnete der Minister das Qualitätsmanagement an Hochschulen. "Wir haben mit den Hochschulen und Berufsakademien vereinbart, dass sie eigene Instrumente zur Qualitätssicherung entwickeln und umsetzen. Wir entwickeln die Evaluationsagentur Baden-Württemberg zu einem Kompetenzzentrum weiter, das die Hochschulen dabei unterstützt". Der Stiftungsrat der Evaluationsagentur habe bereits im Juli die Weichen dafür gestellt und eine entsprechende Satzungsänderung beschlossen.

Als weitere Aufgabenfelder nannte der Minister den Hochschulbau, die Weiterentwicklung der Universitätsklinika und die Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchs.


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