Bessere Ausbildung für Berufsschullehrer
(bikl/idw) Den beruflichen Schulen in Deutschland fehlt es an hinreichend ausgebildeten Lehrkräften. Die Studiengänge an den Hochschulen decken nur etwa die Hälfte des Lehrerbedarfs ab - die übrigen Kräfte sind Seiten- oder Direkteinsteiger. Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte an beruflichen Schulen gewerblich-technischer Fachrichtungen unterrichten zudem in Schulzweigen, die nicht zu einem Berufsabschluss führen und auf die sie fachlich-inhaltlich nicht vorbereitet sind, etwa im Berufsvorbereitungsjahr. Die Folge: Es mangelt an gut ausgebildetem Lehrernachwuchs. Und: Für einzelne Berufsfelder fehlen Ausbildungsmöglichkeiten gänzlich.
14.07.2006 ArtikelWie diesem Missstand abzuhelfen ist, versucht eine Studie zu ergründen, die Georg Rothe, emeritierter Professor für Berufspädagogik, jetzt herausgegeben hat. Die Studie, so Rothe, lege Vorschläge vor, wie die in Deutschland ausgebildeten Lehrkräfte an beruflichen Schulen auch in anderen Staaten der Europäischen Union eingesetzt werden können. Ferner gehe sie auf Besonderheiten des deutschen Berufsbildungssystems ein: "In Deutschland wird nur die betriebliche Ausbildung im Zusammenwirken mit der Berufsschule favorisiert. Der Anteil berufsqualifizierender Vollzeitschulen ist gering."
Die hoch gelobte betriebsgebundene Ausbildung, das deutsche Dualsystem, gebe Anlass zur Kritik: "Derzeit beginnen zwei Drittel der in eine Lehre Eintretenden die Ausbildung erst im Erwachsenenalter. Die Zahl der Lehrstellen für Schulabgänger geht weiter zurück - immer mehr Jugendliche werden in Warteschleifen aufgefangen."
Eine deutsche Besonderheit sieht Rothe auch darin, dass die berufliche Ausbildung unterhalb der Hochschulebene nicht nach Bildungsstufen differenziert - für die Freizügigkeit und insbesondere den Schwerpunkt des lebenslangen Lernens in der EU sei dies aber eine Voraussetzung. Getrennt werden müssten eine untere Ebene, die in Deutschland fehlt, eine mittlere Ebene wie die Facharbeiterausbildung und eine gehobene Ebene, die mit einer beruflichen Qualifikation auf Technikerniveau und der Hochschulzugangsberechtigung abschließt.
Die Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart fördert die Untersuchung, die Wege aufzeigen will, wie der Lehrernachwuchs sichergestellt werden kann und wie die in Deutschland in der beruflichen Bildung Ausgebildeten in anderen Staaten der EU als qualifizierte Fachkräfte anerkannt werden können. Dafür, so Rothe, "müssen die Berufsbildungsgänge entsprechend strukturiert ausgebaut sein". Ferner sei es bei der Konzeption von Lehrerbildungsgängen wichtig, dass die Ausbildung nicht wie derzeit neun Semester und damit zu lange dauere. Rothe empfiehlt, die Lehrerbildung für berufliche Schulen als Master-Aufbaustudium zu organisieren, das auf einem Bachelorabschluss aufbaut und modular strukturiert ist: "So wären unschwer Weiterbildungsinitiativen möglich." Zudem ließen sich die beiden Zugangswege - Studium und Seiten- oder Direkteinstieg - verbinden. Damit, so Rothe, "würde die Profession attraktiver".
Die Studie wird am Dienstag, 25. Juli 2006, in Karlsruhe vorgestellt.
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