Bildungsreise: Praxisorientiert studieren für den Arbeitsmarkt
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Besuch an der Hochschule Magdeburg-Stendal als "spannenden letzten Abschnitt" ihrer Bildungsreise bezeichnet. Dort hilft das Weiterbildungsprogramm "AQUA" arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern, wieder ins Berufsleben zurückzukehren - und ist dabei ziemlich erfolgreich.
10.10.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der BundesregierungWer an "AQUA" teilnimmt, hat schon einmal studiert: in Russland, Rumänien oder Deutschland. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus über 30 verschiedenen Ländern. Trotz ihrer guten akademischen Ausbildung in ihren Herkunftsländern haben sie in Deutschland keinen Arbeitsplatz gefunden. Der Grund: Oftmals fehlen ihnen einige wichtige zusätzliche Qualifikationen.
Brücken bauen
Genau hier setzt das Weiterbildungsprogramm an. Das Projekt habe sozusagen eine "Brückenfunktion", sagte die Bundeskanzlerin. "Menschen, die eine akademische Ausbildung haben, können hier durch Auffrischung und Verbesserung dieser Ausbildung wieder Berufschancen ergreifen." Und der Arbeitsmarkt bekommt auf die Weise die benötigten Fachkräfte.
"AQUA" steht für "Akademiker/-innen qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt". Insgesamt 18 berufsspezifische Studienergänzungen stehen zur Auswahl - von Außenhandel über Public Relations bis hin zur Umwelttechnik. Die Hochschule Mageburg-Stendal bietet die Studienergänzung Maschinenbau an.
An der Hochschule Magdeburg-Stendal erwerben Maschinenbauingenieure in 13 Monaten gezielt Kenntnisse für den Arbeitsmarkt. Neben technischen Fächern wie 3D-Modellierung oder Automatisierungstechnik stehen Deutsch, Englisch, Kommunikationstraining und Projektmanagement auf dem Stundenplan.
Die Praxis immer im Blick
Während eines dreimonatigen Betriebspraktikums setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre erlernten Kenntnisse dann direkt in die Praxis um. Nicht selten wird daraus ein dauerhafter Arbeitsplatz. Denn die Maschinenbauabsolventinnen und -absolventen sind gefragt. "85 Prozent der Teilnehmer haben wieder eine Berufschance", zeigte sich die Bundeskanzlerin erfreut. Und das "in einem Alter weit jenseits der normalen Studiengrenzen". Das Alter der Studierenden liegt zwischen 23 und 58 Jahren.
"AQUA" sei ein wirklich wichtiges Beispiel für Bildung, die nach den normalen Bildungsabschnitten stattfinde, sagte Merkel.
Durchgeführt wird "AQUA" von der Otto Benecke Stiftung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfonds der EU finanzieren das Programm.
"AQUA" ist Teil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung. Die Initiative soll den Weg zu mehr Bildung und Qualifizierung eröffnen. Zugleich soll sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Neues Universitätsmodell in Lüneburg
Am Vormittag hatte die Kanzlerin die Leuphana Universität Lüneburg besucht. Diese Hochschule realisiert ein für Deutschland neues Universitätsmodell mit einer grundlegenden inhaltlich-fachlichen, strukturellen und organisatorischen Neuausrichtung.
Dazu werden in der Universität bis zum Frühjahr 2009 neu eingerichtet:
- ein College für das Erststudium mit einem fächerübergreifend einheitlichen und interdisziplinär organisierten Studienmodell.
- eine Graduate School mit Master- und Promotionsprogrammen, wobei das Master- und Promotionsstudium als zweite und dritte Bildungsstufe verzahnt wird.
- eine Professional School für die Weiterbildung.
Ein wesentliches Merkmal der Leuphana ist das gemeinsame erste Semester aller Studierenden des Colleges. Dadurch verschaffen sie sich einen Überblick über die Inhalte und Methoden der verschiedenen Fachrichtungen. Erst danach erfolgt eine Spezialisierung durch ein Haupt- und ein Nebenfach. Gewählt werden kann aus den interdisziplinär ausgerichteten Gebieten:
- Bildungsforschung / Lehrerbildung,
- Management und unternehmerisches Handeln,
- Kulturforschung und
- Nachhaltigkeitsforschung.
"Ich gehe mit dem festen Eindruck zurück nach Berlin, dass hier etwas Spannendes entsteht", sagte Merkel zur Neuausrichtung der Universität. Durch den Grundsatz ein Haupt- und ein Nebenfach zu studieren, entstünden Kombinationen sehr vielfältiger Art. Mit diesen könne besser auf die differenzierten Anforderungen des Berufslebens reagiert werden.
Die Studierenden gaben der Kanzlerin einen offenen Brief für den Bildungsgipfel am 22. Oktober mit. Unter anderem solle Merkel dort für eine bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten einsetzen.
Hervorragende Ingenieurausbildung in Deggendorf
Zu Beginn der Woche hatte Merkel die Fachhochschule in Deggendorf besucht. Diese sei "eine Perle unter den Fachhochschulen in Deutschland", lobte die Kanzlerin. Die 1994 gegründete Hochschule hat sich innerhalb kurzer Zeit durch ihre praxisnahe Ingenieurausbildung überregional einen guten Namen gemacht.
Merkel hob insbesondere die Kooperation der Fachhochschule mit der Wirtschaft hervor. Diese arbeite vorbildlich mit den Mittelständlern in der Region zusammen, sagte die Kanzlerin nach ihrem Besuch.
So widerspiegeln beispielsweise die Inhalte einiger Studienrichtungen die Anforderungen der vielen Automobilzulieferer und der Unternehmen der optischen Industrie dieser Region. Enge Zusammenarbeit gibt es auch mit Gründerzentren der Umgebung. Die Liste der daraus entstandenen Unternehmen ist lang.
Die Kanzlerin würdigte auch die internationale Vernetzung der Hochschule. In jedem Semester kommen 100 internationale Studierende nach Deggendorf. Umgekehrt gehen die Studierenden der Hochschule ins Ausland. Partnerschaften bestehen mit 90 anderen Hochschulen, 50 davon in Europa.
Ein Kreis schließt sich
Mit diesen Besuchen geht die Bildungsreise der Bundeskanzlerin zu Ende, mit der sie sich ein Bild über das deutsche Bildungssystem machen wollte. Die Erkenntnisse der Bildungsreise werden in dem Bildungsgipfel von Bund und Länder einfließen, der in zwei Wochen in Dresden stattfinden wird.
Begonnen hatte die Reise im August mit der frühkindlichen Bildung. Es folgten Besuche von Schulen, Ausbildungs- und Weiterbildungseinrichtungen. Mit den Besuchen der Hochschulen schließt sich der Kreis der Bildungsreise von der frühkindlichen Bildung bis zum Hochschulstudium.
Von der frühkindlichen Bildung bis zum Studium
Kontext:
Etappen der Bildungsreise
Aufstieg durch Bildung
AQUA: Angebote 2008/2009
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