Hochschullehre

DHV fordert 7.000 zusätzliche Universitätsprofessuren

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) will die Attraktivität von "Wissenschaft als Beruf" erhöhen. "Nur jeder dritte Nachwuchswissenschaftler erlangt eine Professur", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen, anlässlich des 62. DHV-Tages in Hannover. Auf Grund von Förderprogrammen wie der Exzellenzinitiative bemühten sich immer mehr qualifizierte Nachwuchswissenschaftler um Universitätsprofessuren, deren Gesamtzahl über 15 Jahre hinweg nahezu stagniere. "Das Interesse des wissenschaftlichen Nachwuchses an attraktiven Karrierewegen ist kein berufsständisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Interesse", betonte Kempen.

20.03.2012 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Der DHV-Präsident bekräftigte, dass eine sich ständig aus der Forschung speisende universitäre Lehre allein Universitätsprofessoren gewährleisten, zu deren Dienstaufgaben in etwa gleichen Teilen Forschung und Lehre zählten. "Mit 'billigen Lehrknechten' lässt sich eine 'Bildungsrepublik' nicht errichten", so Kempen. Bund und Länder müssten mit zusätzlichen Universitätsprofessuren die Qualität in Forschung und Lehre sichern. Allein um die gegenwärtige ungünstige Relation von 60 Studierenden pro Universitätsprofessor zu halten, müssten angesichts der für 2013/14 prognostizierten 2,7 Millionen Studierenden umgehend zu den vorhandenen 25.000 Universitätsprofessuren 7.000 zusätzliche Professuren bereitgestellt werden. "Wissenschaftler, die im Zuge der Exzellenzinitiative bestenfalls auf befristeten Stellen verharren, oder Privatdozenten, die mit unter- oder unbezahlten Lehraufträgen ein Nischendasein fristen, können und müssen in Lohn und Brot gebracht werden", erklärte Kempen. "Auch sollte das in den 80iger Jahren erprobte Modell der vorgezogenen Berufungen wiederbelebt werden. Das liegt vor allem im Interesse der Studierenden."

Bei der globalen Konkurrenz um Spitzenkräfte, so Kempen weiter, müssten deutsche Universitäten den sogenannten "Tenure Track" anbieten können. Von der Zusage, nach Ablauf einer positiv evaluierten Qualifikationszeit eine Universitätsprofessur zu erhalten, sollten aus Gründen der Chancengleichheit künftig auch Habilitanden profitieren können. "Den ,Tenure Track´ als Mittel der Exzellenzförderung darf es aber nicht automatisch für jeden Nach-wuchswissenschaftler geben", hob Kempen hervor.

Der DHV-Präsident plädierte dafür, Nachwuchswissenschaftlern frühzeitig größere Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu ermöglichen und dafür deutlicher zwischen Qualifizierungsaufgaben und wissenschaftlichen Dienstleistungsaufgaben zu unterscheiden.

  • Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit fast 27.000 Mitgliedern.

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