DHV fordert bessere Karriereperspektiven für wissenschaftlichen Nachwuchs

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hält die Karrieremöglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland für international zweitklassig. "Einzelne Gegenbeispiele, gezielte Fördermaßnahmen, z. B. das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, haben an der grundsätzlichen Problematik ebenso wenig geändert wie Exzellenzinitiative und Hochschulpakt" erklärte DHV-Präsident Professor Bernhard Kempen.

11.03.2008 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Entscheidend sei, dass seit 1995 bundesweit mehr als 1.500 Universitätsprofessuren eingespart worden seien. Dieser Trend müsse umgekehrt werden. "Immer mehr Nachwuchswissenschaftler kämpfen um weniger Professorenstellen. In vielen Fächern haben selbst die Besten der Besten keine realistische Chance, auf eine Professur zu gelangen", so Kempen. Der DHV fordert, die Zahl der Universitätsprofessoren um 40 Prozent zu steigern. Statt der knapp 23.400 müsse es 32.000 Professoren für die gegenwärtig rund 1,4 Millionen Studierenden an den Universitäten in Deutschland geben. Dies würde einem Verhältnis von 43 Studierenden pro Professor anstelle der bisherigen Relation von 60 Studierenden pro Professor entsprechen. "Eine hochwertige Ausbildung künftiger Studierender und die Berufschancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs könnten durch diese Maßnahme gleichermaßen befördert werden", erklärte Kempen.

Ob der Weg zu einer Professur über die Habilitation, Juniorprofessur oder die Leitung einer wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe erfolge, sei von der Fächerkultur, den Präferenzen einer Fakultät und - anders als bisher – von der Entscheidung des einzelnen Nachwuchswissenschaftlers abhängig zu machen. Im weltweiten Wettbewerb um Spitzenwissenschaftler, so Kempen weiter, müssten deutsche Hochschulen mit ausländischen Universitäten gleichziehen und verlässliche Berufsperspektiven für Nachwuchswissenschaftler, etwa in Form eines "tenure track", anbieten können. Von der Option, im Einzelfall nach Ablauf einer positiv evaluierten Qualifikationszeit eine Universitätsprofessur zu erhalten, sollten künftig auch Habilitanden profitieren können. "Ein Automatismus ist mit dem ´tenure track´ nicht verbunden", hob Kempen hervor. "Die Vergabe eines ,tenure track´ ist eine zugesicherte Chance, bei positiver Evaluation eine Professur zu erhalten – ohne Haushaltsvorbehalt."

Zur dringend gebotenen Verbesserung der Karrierechancen von Frauen in der Wissenschaft gehöre, an den Universitäten für familiengerechte Arbeitsbedingungen durch Hilfen bei der Kinderbetreuung, Teilzeitlösungen und die Lockerung von dienstlichen Altersgrenzen zu sorgen. Unerlässlich bleibe zudem eine attraktivere Vergütung. Da der DHV unterhalb der Ebene der reformbedürftigen W-Besoldung die Hoffnung auf einen bundesweiten Wissenschaftstarifvertrag aufgegeben habe, plädiere er für einen Spartentarifvertrag Wissenschaft auf Landes- und Universitätsebene. Dieser müsse als Kernpunkte ein attraktives Grundgehalt, flexible und ungedeckelte Zulagemöglichkeiten und die eigene Entscheidungsmöglichkeit der Universität vorsehen, im Rahmen ihres Gesamtbudgets bestimmte Anteile für die Vergütung des wissenschaftlichen Nachwuchses zur Verfügung zu stellen. Schließlich fordert der DHV Staat und Universitäten auf, ihrer sozialen und wissenschaftlichen Verantwortung für Wissenschaftler, die sich auf dem Weg zur Professur befinden, angemessen nachzukommen. "Nichtberufung ist in vielen Fächern angesichts des Nachfrageüberhangs keineswegs zwingend gleichbedeutend mit Minderqualifikation", erklärte Kempen. Das Problem einer "längeren Wartezeit" könne beispielsweise durch Stipendien für die zum Hochschullehreramt Qualifizierten abgeschwächt werden. Zusätzliche befristete Stellen seien bereitzustellen, Berufungen vorzuziehen, Lehraufträge marktgerecht zu bezahlen sowie Lehrstuhlvertretungen für die Dauer des Semesters und nicht nur für die Vorlesungszeit zu vergüten. Zudem müssten im Einzelfall unbefristete Dozentenstellen zur Verfügung gestellt werden können.

Letztlich mahnte Kempen eine Klimaänderung an: "Viele Nachwuchswissenschaftler werden von den Hochschulen als Bittsteller behandelt, die noch nicht einmal die Reisekosten für Vorstellungsgespräche erhalten. So geht das nicht weiter. Der internationale Wettbewerb um die besten Köpfe ist längst entbrannt. Wir brauchen eine höhere Berufungskultur an deutschen Hochschulen."

- Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der deutschen Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses mit ca. 23.000 Mitgliedern. -


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