Hochschule

Studienreform immer erfolgreicher

Hochschulen, Studentenverbände und Politik beraten auf der Zweiten Nationalen Bologna-Konferenz in Berlin über die Schwierigkeiten beim Übergang vom Bachelor zum Master und die zu geringe Mobilität der Studierenden.

06.05.2011 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

"Wir sind uns einig, dass der Bologna-Prozess große Chancen für Studierende und Hochschulen bringt", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Viele Universitäten haben nach anfänglicher Kritik die Studienordnungen für den Bachelor entschlackt, Anwesenheitspflichten reduziert und unnötige Prüfungen abgeschafft. Und Bachelor-Absolventen haben gute Perspektiven im Berufsleben. Das zeigen neue Studien.

Die von Bund und Ländern gemeinsam ausgerichtete Zweite Nationale Bologna-Konferenz hat sich deshalb mit den Chancen der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt. Ein weiteres zentrales Thema war der Übergang vom Bachelor zum Master. Im zweiten Teil der Konferenz diskutierten Vertreter von Hochschulen, Studierenden und Politik über die Mobilität der Studierenden.

Studierende bevorzugen nahtlosen Übergang vom Bachelor zum Master

6.000 oft enorm spezialisierte Bachelor-Studiengänge stellen die Studierenden vor die Qual der Wahl. Mit dem Abschluss in der Tasche nehmen nur wenige die Möglichkeit wahr, zwischen Bachelor und Master Berufserfahrung zu sammeln. Drei Viertel aller Studierenden wollen unmittelbar ein Masterstudium anschließen.

Schavan sieht darin derzeit kein Problem: Nur zwanzig Prozent aller Studiengänge seien mit Numerus Clausus belegt. "90 Prozent können ihren Master an der Wunschhochschule machen", sagte Schavan. Die Studierenden müssten flexibler werden, was den Hochschulstandort betrifft und sich nicht nur auf eine Stadt fixieren.

335.000 Studienplätze

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen entlassen 2011/2012 doppelte Abiturjahrgänge. Zudem verstärkt die Aussetzung der Wehrpflicht den Ansturm auf Fachhochschulen und Universitäten.

Auch für diesen Fall hat die Politik vorgesorgt: Mit der finanziellen Aufstockung des Hochschulpaktes sei man auf den Ansturm gut vorbereitet. Schavan: "Wir werden in den nächsten fünf Jahren 335.000 neue Studienplätze schaffen." Sie mahnte, dabei auch an ausreichend viele Masterplätze zu denken.

Mit dem Qualitätspakt für Lehre - der dritten Säule des Hochschulpakts - investiert die Bundesregierung in den nächsten zehn Jahren weitere rund zwei Milliarden Euro in die Hochschulen. Diese zusätzlichen Mittel stehen für mehr Personal bereit. Berufungen und Einstellungen im akademischen Mittelbau können so früher realisiert werden. Zusätzliche Tutoren- und Mentorenprogramme verbessern die Beratung und Betreuung der Studierenden.

Mobilität der Studierenden immer noch gering

Die Mobilität deutscher Studierender ins Ausland und die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende und Nachwuchswissenschaftler sind deutlich angestiegen. Zwischen 2000 und 2008 hat sich die Zahl deutscher Studierender im Ausland von 52.2000 auf 102.800 nahezu verdoppelt. Dennoch gäbe es bei der Auslandsmobilität für Bachelor-Anwärter noch viel zu tun, sagte der Präsident des Deutschen Studentenwerkes, Professor Rolf Dobischat. Die Auslands-Mobilität der Bachelor-Studierenden sei im Vergleich zu den "alten Studiengängen" noch immer gering.

Damit das nicht so bleibt, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung seine Mittel zur Mobilitätsförderung um rund 90 Millionen Euro bis zum Jahr 2015 aufgestockt. Das kommt Hochschulkooperationen und vierjährigen Bachelor-Programmen mit integrierten Auslandsaufenthalten und Sprachkursen zu Gute.

Weil die meisten Studierenden ihren Master an der Hochschule machen wollen, an der sie bereits den Bachelor erworben haben, ist die innerdeutsche Mobilität sehr gering. Auch hier muss sich laut Schavan noch einiges tun: "Gerade weil der Wechsel ins Ausland in den vergangenen Jahren einfacher geworden ist, darf es nicht sein, dass der Umzug innerhalb Deutschlands eine unüberwindbare Hürde ist."

Bologna-Prozess

Eingebunden in den europaweiten Bologna-Prozess führen Bund, Länder und Hochschulen die größte Hochschulreform seit Jahrzehnten durch. Ziel des 1999 in der italienischen Universitätsstadt Bologna angestoßenen Hochschulreformprozesses ist es, international akzeptierte Abschlüsse zu schaffen, die Qualität von Studienangeboten zu verbessern und mehr Beschäftigungsfähigkeit zu vermitteln. Im Zuge der Reformen hat sich in Deutschland auch die Zahl der Studierenden erheblich ausgeweitet. Die Mobilität deutscher Studierender ins Ausland und die Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende und Nachwuchswissenschaftler sind deutlich angestiegen. Am 17. Mai 2010 fand auf Einladung von Ministerin Schavan die erste Nationale Bologna-Konferenz statt, auf der mit führenden Vertretern von Politik, Hochschulen und Wirtschaft und einem breiten Spektrum von Studierenden der Stand der Umsetzung diskutiert und weitere Aktivitäten vereinbart wurden.

Bologna-Reform
Nationale Bologna-Konferenz

Kontext:
Hochschulpakt
Qualitätspakt für Lehre
Studien zu Bachelorstudium


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