Wirtschaft und Landesregierung werben für neue Studienabschlüsse

Wichtige rheinland-pfälzische Wirtschaftsverbände und -organisationen sind sich mit der Landesregierung einig: die Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge bietet Studierenden wie Arbeitgebern eine Vielzahl von Chancen. So ermöglicht der Bachelorabschluss einen frühen Berufseinstieg auf hohem Qualifikationsniveau.

27.06.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Mit einer breit angelegten Informationskampagne wollen deshalb Land und Verbände über die neuen Abschlüsse informieren und für sie werben. In Mainz gaben sie dafür heute den Startschuss. Unter dem Titel "Jobchance Bachelor/Master" unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung.

"Gemeinsam wollen wir dazu beitragen, die Akzeptanz der neuen Abschlüsse weiter zu erhöhen", sagte Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, der die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz, der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz, der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz und der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit initiiert hatte.

Zöllner verwies darauf, dass 40 europäische Länder im Rahmen des so genannten "Bologna-Prozesses" vereinbart hatten, bis zum Jahr 2010 ihre Hochschulsysteme anzugleichen und zu einem europäischen Hochschulraum zusammenzuführen. Dazu sollten die Studienabschlüsse in Qualität und Struktur vergleichbar sein. Die Länder hätten sich darauf geeinigt, die international bereits gängigen und anerkannten Abschlüsse Bachelor und Master zum Standard zu machen.

Bachelor- und Masterstudiengänge werden sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten angeboten, ohne dass das bisherige Profil der Hochschulen aufgegeben wird.

Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss nach einem sechs- oder achtsemestrigen Studium. Der Master ist ein auf dem Bachelor aufbauender Studienabschluss, der nach einem ein- bis zweijährigen Masterstudium erworben wird.

"Die Bedeutung der Wissenschaften und des lebenslangen Lernens wird in diesem Jahrhundert spürbar wachsen. Zugleich wird die akademische Ausbildung einen stärkeren Berufsbezug entwickeln müssen. Dem allem trägt die neue Studienstruktur Rechnung", votierte Zöllner für die Bachelor- und Masterabschlüsse. Sie erlaubten andere als die bisherigen, eher statischen Bildungsbiografien. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen einige Jahre im Beruf Erfahrungen sammeln und dann noch einen Master draufsatteln. Davon profitieren Hochschulen und Unternehmen gleichermaßen", ist der Minister überzeugt.

Er dankte den Fachhochschulen und Universitäten des Landes dafür, dass sie den Umstellungsprozess aktiv und engagiert betreiben. Nahezu alle Hochschulen hätten sich selbst auf einen Zeitpunkt für den Abschluss der Einführung der neuen Studienstruktur festgelegt. Von Seiten der Fachhochschulen werde das Wintersemester 2006/2007 angestrebt, die Universitäten Mainz und Trier hätten sich das Wintersemester 2007/2008 zum Ziel gesetzt. Die Fachhochschule Ludwigshafen habe bereits ihr komplettes Studienangebot umgestellt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es bereits 63 Bachelor- und 90 Masterstudiengänge. Zöllner verwies darauf, dass in anderen Ländern Hochschulen die Reform mit vorhandenen oder schrumpfenden Mitteln bewältigen müssen. In Rheinland-Pfalz dagegen würden sie mit dem Hochschulprogramm Wissen schafft Zukunft auch bei dieser Studienreform zusätzlich unterstützt. Für die Verbesserung der Grundausstattung stünden in 2005 und 2006 allein 28,3 Millionen Euro zur Verfügung. Davon seien 400.000 Euro speziell für die Akkreditierungskosten vorgesehen.

Um eine hohe Qualität und die Vergleichbarkeit der Studiengänge zu gewährleisten, sei eine vorangegangene Akkreditierung unabdingbare Voraussetzung für die Einführung der neuen Studiengänge, stellte Zöllner klar.

Werner Simon, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, Dr. Bernward Eckgold, Geschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz für die Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz, und Richard Patzke, Hauptgeschäftsführer in der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz, verwiesen darauf, dass eine intensivere Berufsorientierung während des Studiums und kürzere Studienzeiten ganz im Sinne der Wirtschaft seien.

Aus diesem Grund wolle man in den Mitgliedsbetrieben und -unternehmen über Qualität und Chancen der neuen Studienabschlüsse informieren und mit den Hochschulen kooperieren, um Studieninhalte entsprechend den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu erneuern und weiterzuentwickeln, erklärte Simon. "Für das Handwerk zählen Praxisorientierung, Qualität, Mobilität und Gleichwertigkeit beruflicher und hochschulischer Bildung. Konsekutive Studiengänge tragen hierzu wirkungsvoll bei", sagte Eckgold. Die Bereitstellung von Praktikumsplätzen und Anregungen für Themen von Bachelor- und Masterarbeiten seien weitere Möglichkeiten einer verbesserten Kooperation von Wirtschaft und Hochschulen, erläuterte Patzke.

Simon, Eckgold und Patzke kündigten an, bei ihren Mitgliedsbetrieben und -unternehmen engagiert dafür werben zu wollen, den Absolventinnen und Absolventen von Bachelorstudiengängen attraktive Einstiegschancen zu bieten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zur berufsintegrierten Weiterbildung durch geeignete Masterangebote zu eröffnen.

Ebenfalls positiv bewertete Susanne Haben, Leiterin der Abteilung für Zusammenarbeit mit der Landespolitik der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, die neuen Abschlüsse. In Beratungsgesprächen würden die Berufsberater Schülerinnen und Schüler gezielt auf die neuen Abschlüsse hinweisen. Auch im Rahmen ihre eigenen Veröffentlichungen werde die Bundesagentur über die neue Struktur informieren und Arbeitgebern adäquate Informationen zur Verfügung stellen, sagte Haben.

Die Partner der "Jobchance Bachelor/Master" kündigten an, im Herbst gemeinsam eine Informationsveranstaltung durchführen zu wollen. Zudem wollen die Kooperationspartner mit einem in Kürze erscheinenden Flyer, der von ihnen breit gestreut werden soll, über Bachelor und Master informieren.

"Ich bin guter Dinge, dass unsere Informationskampagne dazu beitragen wird, einige Unsicherheiten und Informationslücken, die es derzeit hier und da hinsichtlich der neuen Studiengänge gibt, auszuräumen und zu beseitigen", lautete Zöllners optimistisches Fazit.


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