Studie

Wie schätzen junge Menschen ihre Bildung und Zukunft ein?

Ipsos und WISE haben mit dem „WISE Global Education Barometer“ eine ausführliche Studie mit knapp 10.000 jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren in 20 Ländern aus verschiedenen Regionen der Welt durchgeführt. Ziel war es zu verstehen, wie junge Menschen ihre Bildung wahrnehmen und wie sie auf ihre Zukunft blicken.

24.01.2020 Bundesweit Pressemeldung World Innovation Summit for Education (WISE)
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Zentrale Thesen

  1. Junge Menschen sind davon überzeugt, dass ihre Generation die Verantwortung hat, die Welt zu verbessern. Doch fühlt sich nur die Hälfte darauf vorbereitet.
  2. Junge Menschen sind zufrieden mit der Bildung, die sie erhalten. Allerdings erwarten sie mehr Vielfalt in ihren Lernerfahrungen.
  3. Junge Menschen blicken optimistisch auf ihre zukünftigen Möglichkeiten, wünschen sich aber ein gerechteres Bildungssystem.

1. Junge Menschen sind davon überzeugt, dass ihre Generation die Verantwortung hat, die Welt zu verbessern. Doch fühlt sich nur die Hälfte dafür vorbereit.
87 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Generation die Verantwortung hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zugleich fühlt sich weniger als die Hälfte dazu in der Lage, große gesellschaftliche Probleme zu verstehen (48 Prozent) oder für ihre Lösung etwas unternehmen zu können (43 Prozent). Den niedrigsten Wert weist hier Südkorea mit 29 Prozent bzw. 23 Prozent auf, Deutschland liegt mit 53 Prozent und 42 Prozent annähernd im Durchschnitt.

Junge Menschen sorgen sich um die Zukunft des Planeten
85 Prozent der Befragten zeigen sich ernsthaft besorgt um die Lage unserer Welt. Dabei empfinden sie Armut und soziale Ungleichheit als größtes Problem (84 Prozent), gefolgt von Klimawandel und Umwelt (82 Prozent). Die jungen Erwachsenen in Deutschland sehen den Klimawandel als die größte Bedrohung an.

Was junge Menschen von ihrer Schule erwarten
Die wichtigsten Gründe für den Schulbesuch sind vor allem mit jeweils 89 Prozent das eigene Wissen zu erweitern und auf die Zukunft vorbereitet zu sein. An dritter Stelle folgt mit 87 Prozent der Wunsch eine Anstellung zu finden und Geld verdienen zu können.

2. Junge Menschen sind zufrieden mit der Bildung, die sie erhalten. Allerdings erwarten sie mehr Vielfalt in ihren Lernerfahrungen.
80 Prozent der Befragten geben an, mit der Bildung im eigenen Land zufrieden zu sein. Dennoch sind nur etwas mehr als ein Viertel „vollständig zufrieden“ (27 Prozent), was beträchtlichen Spielraum für Verbesserungen bietet. Am zufriedensten sind junge Menschen in Finnland und Mexiko (44 Prozent „vollständig zufrieden“), in Südkorea hingegen am wenigsten zufrieden (nur 6 Prozent „vollständig zufrieden“). In Deutschland sind 30 Prozent der Befragten „vollständig zufrieden“ und 58 Prozent „überwiegend zufrieden“.

Vielfalt der Lernmethoden als Verbesserungspotenzial
Die Befragten sehen am ehesten bei der Vielfalt der Lernmethoden Verbesserungspotenzial. In Marokko waren 84 Prozent der Befragten dieser Meinung, Indien wies hingegen mit 43 Prozent den geringsten Wert aller Länder auf. In Deutschland wünschten sich 68 Prozent der Befragten eine größere Vielfalt.

Konkret meint die Hälfte der Befragten, dass ihre Bildungsinstitution zu wenig Raum für neue Technologien (Künstliche Intelligenz, Programmieren etc.) biete, in Deutschland kritisieren das sogar 60 Prozent. Ferner kritisieren 44 Prozent der Befragten mangelnden Spielraum für Kreativität und Neugier und 41 Prozent eine zu geringe Beachtung von „Soft Skills“ wie Kommunikations- und Organisationsfähigkeiten.

3. Junge Menschen blicken optimistisch auf ihre zukünftigen Möglichkeiten, wünschen sich aber ein gerechteres Bildungssystem.
Insgesamt äußern sich 82 Prozent der Befragten optimistisch über ihre Zukunft, davon 54 Prozent „eher optimistisch“ und 28 Prozent „sehr optimistisch“. Dabei sind die jungen Menschen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen generell optimistischer als junge Menschen in Ländern mit höherem Einkommen. Am optimistischsten ist die Jugend in Nigeria, wo 66 Prozent sehr optimistisch auf die Zukunft blicken. Im Gegensatz dazu ist die Jugend in Südkorea am wenigsten optimistisch; nur 7 Prozent antworteten hier mit „sehr optimistisch“.

Dennoch beeinflusst der sozioökonomische Hintergrund innerhalb der jeweiligen Länder die Zukunftseinstellungen junger Menschen deutlich: 68 Prozent derer, die sich als einkommensschwach identifizieren, blicken insgesamt optimistisch auf ihre Möglichkeiten in der Zukunft, im Vergleich zu 84 Prozent derer, die sich mit mittlerem Einkommen und 91 Prozent derer, die sich mit einem hohen Einkommen einstufen.

Junge Menschen zweifeln an der Chancengerechtigkeit ihres Bildungssystems
Die Hälfte der Befragten glaubt nicht daran, dass das Bildungssystem in ihrem jeweiligen Land jedem die gleichen Chancen zuteilwerden lässt. Aber auch hier gibt es starke regionale Unterschiede: 78 Prozent der finnischen Jugend sind von der Chancengerechtigkeit ihres Bildungssystems überzeugt, während in der Türkei dies nur 27 Prozent so sehen. In Deutschland sind 60 Prozent der Meinung, das deutsche Bildungssystem biete Chancengerechtigkeit. Jeder Vierte aber denkt, dass Jungen und Mädchen in deutschen Schulen ungleich behandelt werden.

Methodik

Die Studie wurde von Ipsos für WISE im September und Oktober 2019 mit 9.509 jungen Menschen in 20 Ländern durchgeführt: Im Nahen Osten (Jordanien, Katar, Libanon, Türkei), Afrika (Marokko, Nigeria, Südafrika), Asien (China, Indien, Malaysia, Südkorea), Nord- und Südamerika (Brasilien, Kanada, Mexiko, USA) und Europa (Deutschland, Finnland, Frankreich, Russland, Vereinigtes Königreich). In jedem Land wurde eine repräsentative Stichprobe (Quotenmethode) der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 25 Jahren online interviewt.


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