Wissenschaftsfreiheit

Neues Stipendienprogramm für bedrohte Studierende und Promovierende

Das Auswärtige Amt und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) starten ein neues Stipendienprogramm für bedrohte Studierende.

14.04.2021 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
  • © www.pixabay.de

Das „Hilde Domin-Programm“ steht Studierenden und Promovierenden offen, die in ihren Heimatländern in Gefahr sind und ihr Studium oder ihre Forschung vor Ort nicht durch- oder fortführen können.

„Mit dem Hilde Domin-Programm öffnen wir einen akademischen Schutzraum für Studierende sowie für Forscherinnen und Forscher, die bedroht oder verfolgt werden. Ich freue mich, dass wir dazu mit 8,6 Millionen Euro bis 2027 einen wirklich substantiellen Beitrag leisten. Im ersten Jahr konzentrieren wir uns dabei auf Belarus und helfen damit genau dort, wo es gerade mit am nötigsten ist“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas.

„Wir erleben leider immer wieder, dass weltweit auch Studierende und Promovierende bedroht werden und ihnen das Recht auf Bildung verweigert wird“, sagte DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt setzen wir daher mit dem Hilde Domin-Programm ein Zeichen, indem wir – auch aus den Erfahrungen unserer Geschichte heraus – bedrohten Akademikerinnen und Akademikern am Beginn und während ihrer Ausbildung eine Zuflucht bieten“, so Mukherjee. 

Studium unter sicheren Rahmenbedingungen
Das Stipendienprogramm soll bedrohten Studierenden und Promovierenden, denen in ihrem Herkunftsland das Recht auf Bildung verweigert wird, die Aufnahme oder Fortführung eines Studiums in Deutschland ermöglichen. Ziel ist es, dass sie ein Studium oder eine Promotion an einer deutschen Hochschule unter sicheren Rahmenbedingungen abschließen. Die ausgewählten Studierenden und Promovierenden werden in Studiengängen ihrer Wahl und entsprechend individueller Qualifikationen eingeschrieben. Sie erhalten ein Stipendium, das Lebenshaltungskosten sowie Kosten des Studiums oder Forschungsvorhabens deckt. Zudem können alle Geförderten an einem gesellschaftswissenschaftlichen Begleitprogramm teilnehmen, um sich fachlich und persönlich weiterzubilden.

Das Hilde Domin-Programm steht Studierenden und Promovierenden aller Fachrichtungen offen. Ausgenommen sind künstlerische und medizinische Studiengänge, in denen wegen Numerus Clausus und künstlerischer Eignungsprüfungen eine Platzierung kaum möglich ist. Betroffene können sich nicht selbst für das Programm bewerben, sondern müssen von einer in Deutschland ansässigen Institution vorgeschlagen werden. Vorschlagsberechtigt sind unter anderem in Deutschland akkreditierte Hochschulen sowie Organisationen, die in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Lehre oder Schutz von Menschenrechten, Demokratieförderung, Rechtsstaatlichkeit oder Friedensförderung aktiv sind.

„Wir setzten den Fuß in die Luft / und sie trug“
Namensgeberin für das neue Stipendienprogramm ist die Kölner Lyrikerin und Schriftstellerin Hilde Domin (geboren 1909). Sie studierte ab 1929 u.a. in Heidelberg, Köln, Bonn und Berlin. 1932 ging sie mit ihrem späteren Mann für ein Auslandsstudium nach Italien. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten war eine Rückkehr nach Deutschland auf Grund ihrer jüdischen Herkunft nicht mehr möglich. Domin und ihr Mann flohen 1939 in Reaktion auf die italienischen Rassengesetze von 1938 über das Vereinigte Königreich und Kanada in die Dominikanische Republik. 1954 kehrte sie nach Deutschland zurück, ermöglicht unter anderem durch die Unterstützung ihres Mannes mit einem DAAD-Stipendium. Ab 1961 lebte und publizierte sie in Heidelberg und wurde als Vertreterin des „ungereimten Gedichts“ weltbekannt. In späteren Jahren erhielt sie die höchste Staatsmedaille der Dominikanischen Republik und die Ehrenbürgerwürde der Stadt Heidelberg. 2006 starb Hilde Domin in Heidelberg und wurde dort beigesetzt. Ihr selbst gewählter Grabspruch lautet: „Wir setzten den Fuß in die Luft / und sie trug“.


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