4600 Lehrkräfte werden zum neuen Schuljahr eingestellt

Mehr als 4600 Lehrkräfte hat der Freistaat Bayern zum neuen Schuljahr 2005/6 eingestellt. 736 zusätzliche Stellen wurden geschaffen. Dies gab Kultusminister Siegfried Schneider in der Pressekonferenz am heutigen Montag in München bekannt. Mit diesem finanziellen Kraftakt will das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus das Bildungsniveau für die rund 1,89 Millionen Schülerinnen und Schüler auf dem auch international anerkannt hohen Stand sicherstellen.132.900 ABC-Schützen werden sich ab morgen regelmäßig auf ihren Weg zur Grundschule begeben.

12.09.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Niedrige Klassenstärken in Grund- und Hauptschulen

512.400 Mädchen und Buben werden insgesamt die Grundschulen besuchen. Die durchschnittliche Klassenstärke an den Grundschulen liegt bei rund 23,2 Kindern und damit geringfügig höher als die an den Hauptschulen mit 21,7 Jugendlichen. Die Hauptschulen verzeichnen mit 281.500 Schülerinnen und Schülern gegenüber dem Schuljahr 2004/5 einen leichten Rückgang. In rund 100 "Kombiklassen? können die Kinder an Schulen mit sehr geringer Jahrgangsstärke nach dem Elternwillen wohnortnah lernen. Bei Kombiklassen werden die Kinder jahrgangsübergreifend unterrichtet, also etwa die erste und zweite Jahrgangsstufe bzw. die dritte und vierte Jahrgangsstufe. Staatsminister Schneider würdigte die Leistungen in diesen jahrgangsübergreifenden Klassen ausdrücklich. Die Kinder eignen sich ebenso intensiv Wissen an wie in jahrgangsweise getrennten Klassen, darüber hinaus erlernen sie zusätzliche soziale Kompetenzen.

An den Grund- und Hauptschulen kann für das neue Schuljahr die Zahl der Vollzeit-Planstellen für die "Mobile Reserve", also Vertretungen für kranke oder durch Fortbildung ausfallende Lehrkräfte, ab dem 7. November um 72 auf künftig 1872 angehoben werden.

Steigende Schülerzahlen an Realschulen und Gymnasien

Die Zahl der Lehrkräfte, die als Mobile Reserven im Gymnasium eingesetzt werden, kann im Schuljahr 2004/5 sogar verdreifacht werden. Das Gymnasium verzeichet einen überraschend hohen Zuwachs von insgesamt fast 8000 auf rund 357.100 Schülerinnen und Schüler. Über 47.000 Schülerinnen und Schüler besuchen im Schuljahr 2005/6 die 5. Klasse des Gymnasiums und damit ebenso viele wie im Vorjahr. Es gibt keine Flucht aus dem Gymnasium.

Allein an staatlichen Gymnasien werden 246.500 Jugendliche unterrichtet. Der Lehrplan für das achtstufige Gymnasium wurde zum neuen Schuljahr flexibilisiert. Beispielsweise kann von den Gymnasien in den Jahrgangsstufen fünf und sechs eine Intensivierungsstunde mit einer Fachunterrichtsstunde verbunden werden. Dadurch lässt sich die Anzahl der Wochenstunden bei den Fünftklässlern auf 30 und bei den Sechstklässlern auf 32 begrenzen, ohne dass dabei Lehrerstunden eingespart werden.

An den Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung sinkt die Schülerzahl im aktuellen Schuljahr geringfügig, an beruflichen Schulen zur sonderpädagogischen Förderung steigt sie geringfügig an.

Mehr Schülerinnen und Schüler als im vergangenen Schuljahr haben sich für die Realschule angemeldet. Gerade die sechsstufige Realschule hat sich längst als Erfolgsmodell erwiesen, so der Bayerische Kultusminister. Im neuen Schuljahr besuchen rund 221.000 Jugendliche die Realschule (+ 1326), davon allein rund 162.000 die staatlichen Realschulen (+ 5605). Der unerwartete Ansturm auf die Realschulen wird zu einem geringfügigen Anstieg der durchschnittlichen Klassenstärke führen. Als schwierig hat es sich erwiesen, für Realschulen und Gymnasien ausreichend geeignete Lehrkräfte für einzelne Fächer wie Mathematik und Physik anzustellen.

Zum Schuljahr 2005/6 hat das Kultusministerium sechs neue Realschulen errichtet, nämlich in Holzkirchen, Kösching, Eching, Bruckmühl, Herrieden und Arnstorf.

FOS und BOS bei Schülern sehr beliebt

Bei den beruflichen Schulen erweisen sich vor allem die Fachoberschulen und die Berufsoberschulen als "Renner". Die Schülerzahl an Fachoberschulen "schnellt? um 12,4 Prozent auf rund 28.900 Schülerinnen und Schüler nach oben, die an Berufsoberschulen um 10,7 Prozent auf 11.300. Bayerns Schülerinnen und Schüler nutzen damit die Möglichkeiten, sich nach einer ersten schulischen und/oder beruflichen Qualifikation weiterzubilden. Um Engpässen insbesondere in den Fachrichtungen Metall-, Elektro- und Informationstechnik an beruflichen Schulen zu begegnen, hat das Kultusministerium Diplom-Ingenieuren die Möglichkeit eröffnet, unter bestimmten Voraussetzungen in einen zweijährigen Vorbereitungsdienst einzutreten.

Im Rahmen der Verwaltungsreform wird auch Beamten des Höheren Dienstes die Chance eingeräumt, sich für ein Lehramt an Volks- und Realschulen, Gymnasien sowie beruflichen Schulen nachzuqualifizieren.

Die zusätzlichen 736 Stellen entfallen auf die Realschulen (310), das Gymnasium (266) und die Beruflichen Schulen (160). Weitere Unterrichtskapazitäten ergeben sich durch die Einführung von Arbeitszeitkonten in Gymnasien und Beruflichen Schulen. Im Schuljahr 2005/6 bieten sich Bewerberinnen und Bewerber um einen Arbeitsplatz im Schuldienst sehr gute Chancen, in der Hauptschule konnten sogar alle 486 Bewerbungen positiv beschieden werden. Aber auch in den Realschulen, Gymnasien, beruflichen Schulen und Förderschulen konnten gut zwei Drittel der Bewerberinnen und Bewerber allein an staatlichen Schulen beschäftigt werden.

Mehr Gestaltungsfreiheit für Schulen

Im September 2005 erhalten alle bayerischen Schulen mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Das Kultusministerium öffnet 30 Maßnahmen für Schulen, damit Schulleitungen und Lehrkräfte selbständiger ihrem Auftrag gerecht werden können und sich auch Schülerinnen und Schüler stärker im Schulalltag einbringen können. So können Ganz- und Halbjahresprojekte angeboten werden, bei denen Schülerinnen und Schüler Ausdauer und Teamfähigkeit einüben, gezielter Förderunterricht kann die Quote der Wiederholer senken und Lehrkräfte werden ermutigt, stärker als bisher im Team den Unterricht vorzubereiten. Schulen können künftig stärker externe Partner in die Gestaltung des Unterrichts einbeziehen. Die Maßnahmen sind in Projekten der Stiftung Bildungspakt Bayern unter dem Titel "MODUS 21" (Modellunternehmen Schule im 21. Jahrhundert) erprobt worden.

Ganztagsangebote werden ausgeweitet

Um Müttern und Vätern die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbsarbeit zu erleichtern, wurden in Bayern die Ganztagsangebote an weiterführenden Schulen kräftig erhöht. An 604 Schulen, darunter 373 Hauptschulen, 114 Realschulen und 117 Gymnasien, werden nun Ganztagsangebote verwirklicht. Im Schuljahr 2004/5 gab es solche nur an 558 Schulen. Die Anzahl der Ganztagsschulen mit speziellen pädagogischen Konzepten wurde von 55 auf 68 angehoben. Erklärtes Ziel des Kultusministeriums bleibt es, in einem absehbaren Zeitraum 100 Ganztagsschulen und 1000 Schulen mit Ganztagsangeboten zu verwirklichen.

Büchergeld sichert raschen Wissenstransfer

Im Schuljahr 2005/6 wird erstmals ein Büchergeld von 20 Euro an Grundschulen und 40 Euro an weiterführenden Schulen von den Eltern erhoben. Mit den Einnahmen können die Schulen künftig rascher als bisher aktuelle Schulbücher anschaffen und somit Wissensfortschritte für den Unterricht verfügbar machen. Damit Eltern nicht finanziell überfordert werden, ist in der Regelung eine ausgeprägte soziale Komponente enthalten.

Neue Angebote zur Doppelqualifikation

An ausgewählten Berufsfachschulen im Gesundheitswesen, etwa in Mühldorf am Inn, in Haar, Rottalmünster, Regensburg, Weiden und Kaufbeuren können sich Schülerinnen und Schüler nun gleichzeitig beruflich qualifizieren und die Fachhochschulreife erwerben. Der Schulversuch der Fachoberschule 13 wurde ausgeweitet.

Die Anstrengungen für eine zukunftsorientierte Bildung von Kindern und Jugendlichen stellen eine langfristige Aufgabe dar. "Wir dürfen uns nicht mit den Spitzenplätzen bei einschlägigen Studien wie PISA oder Bildungsmonitor 2005 zufrieden geben", betonte Kultusminister Schneider. Ziel der Bemühungen des Kultusministeriums ist es: "Wir müssen das Bildungssystem so gestalten, dass die künftigen Generationen angesichts der sich wandelnden Anforderungen von Gesellschaft und Wirtschaft ihr Leben selbständig gestalten können."

Hinweis:

Weiteres Informations- und Zahlenmaterial zum Schuljahresbeginn finden Sie unter: www.km.bayern.de/km/aktuelles/03156


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