Bayern

Bayerischer Philologenverband fordert das Ende des klassischen Wiederholens am Gymnasium

In der aktuellen Diskussion um die Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums fordert der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, das "Ende des klassischen Wiederholens". "Wenn Schüler ein Jahrgangsstufenziel nicht erreichen, dann doch meistens, weil sich Wissenslücken über mehrere Schuljahre hinweg angesammelt haben. Entscheidend ist deshalb, dass im Wiederholungsjahr intensiv an den Ursachen, den Lücken aus den Vorjahren, gearbeitet und nicht nur derselbe Unterrichtsstoff einfach noch einmal behandelt wird", führt Schmidt aus.

28.03.2012 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Echter Gewinn für die Schülerinnen und Schüler

Die Behebung dieser Ursachen könne laut Schmidt im Rahmen des Intensivierungsjahres vorgenommen werden. "Das ist einer unserer Vorschläge, wie man das von Kultusminister Dr. Spaenle angekündigte ´Intensivierungsjahr´ sinnvoll ausfüllen kann. Für unsere Schülerinnen und Schüler wäre es ein echter Gewinn!", erläutert Schmidt einen Tag vor der Expertenanhörung zur "Gesamtbilanz des G8" im Bayerischen Landtag die Überlegungen seines Verbandes. Besonders Schüler aus bildungsferneren Familien oder mit Migrationshintergrund könnten davon profitieren, denn sie haben deutlich seltener die Möglichkeit auf private Nachhilfe oder Unterstützung aus dem familiären Kreis.

Für die Umsetzung des Vorschlags sei eine schülerspezifische Organisation des Intensivierungsjahres notwendig: Indem der Wiederholer in allen Kernfächern am regulären Unterricht teilnimmt und in den Fächern mit nicht ausreichenden Leistungen ein Intensivierungsprogramm durchläuft. "Wenn also ein Schüler wegen Mathematik und Physik durchgefallen ist", konkretisiert der Vorsitzende, "wird er im Intensivierungsjahr in diesen beiden Fächern speziell gefördert. Dazu wird er in einigen Fächern, in denen er das Jahrgangsstufenziel klar erreicht hat – zum Beispiel in Biologie mit Note 2 oder in Geschichte mit Note 3 – aus dem Klassenverband genommen und in diesen Zeitfenstern gezielt in Mathematik und Physik gefördert."

Schmidt zur Ressourcenfrage: "Mindestens drei Budgetstunden pro Klasse nötig!"

Klar ist für den Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes dabei aber auch: "Ein solches Intensivierungsjahr geht nicht ohne zusätzliche Mittel und Ressourcen! Wir gehen davon aus, dass für das Ende des klassischen Wiederholens mindestens drei Budgetstunden pro Klasse notwendig sind." Eine große Chance auf Synergieeffekte sieht Schmidt in der integrierten Lehrerreserve, die in Kürze an den Gymnasien neu eingerichtet wird. "Mit ihrer Hilfe könnten wir es schaffen, dass künftiges Wiederholen ´intelligent´ umgesetzt wird."

Begabtenförderung nicht vergessen

Nicht unter den Tisch fallen dürfe bei allen Bemühungen um die leistungsschwächeren Schüler am Gymnasium allerdings die Begabtenförderung, mahnt Schmidt abschließend an. Die derzeit vorhandenen Förderangebote für besonders begabte Schüler seien "längst nicht ausreichend". Analog zum Ende des klassischen Wiederholens fordert der Bayerische Philologenverband daher, im Rahmen des Intensivierungsjahres im selben Maße auch die Angebote der Begabtenförderung auszubauen und in den Regelunterricht zu integrieren.


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