Bessere Lehrer für besseren Mathe-Unterricht
(red/idw) "Wenn Lehrer von Schülern gefragt werden, warum brauchen wir Analysis, muss mehr kommen als der Satz: ,Weil es im Lehrplan steht´, so Prof. Dr. Gregor Nickel von der Universität Siegen. "Der tatsächliche Nutzen muss erkennbar werden. Wir wünschen uns Lehrerinnen und Lehrer, die vorleben, dass Mathematik eine Bedeutung hat und auf die unterschiedlichen Lerntypen eingehen. Pädagogen müssen Anstöße geben, denn wer nicht motiviert ist, wird auch nicht viel bringen."
29.09.2010 ArtikelGemeinsam mit seinem Siegener Kollegen Prof. Dr. Rainer Danckwerts und Prof. Albert Beutelspacher von der Uni Gießen hat Nickel in den vergangenen Jahren das Projekt "Mathematik neu denken" vorangetrieben. Ihr Ziel: Bessere Lehrer für besseren Mathematikunterricht. Die Empfehlungen zur Neuorientierung der Lehrerbildung im Fach Mathematik sind fertig gestellt, ebenso wie ein "idealtypischer" Studienplan.
"Wenn ein angehender Mathematiklehrer fachwissenschaftlich gut ausgebildet ist, reicht das noch lange nicht", sagt Prof. Danckwerts. Möglichst früh im Studium sollten die angehenden Lehrerinnen und Lehrer sich ihrem Bildungsauftrag bewusst sein, didaktische Inhalte kennen lernen und das Lernen und Lehren ins Auge fassen. Eine der Empfehlungen lautet deshalb: "Die fachdidaktische Ausbildung muss vermehrt Verständnis für das mathematische Denken von Kindern und Jugendlichen wecken und verstärkt das differenzierte und individualisierte Diagnostizieren und Fördern vermitteln".
Weg vom traditionellen frontalen Vorrechnen, hin zu aktiver Mitarbeit: So erarbeiten die Studierenden beispielsweise in Gruppen Lösungen für mathematische Aufgabenstellungen und stellen diese, jeder einzeln, anderen Kommilitonen vor. Niemand kann sich verstecken und der Lösungsweg muss verständlich erklärt werden. Der Dozent unterstützt, gibt Tipps und Hinweise. Diese Vorgehensweise ist auch auf den Schulunterricht übertragbar.
Das Projekt an der Universität Siegen hatte zur Folge, dass die Abbrecherquote gesunken ist und die Klausuren mit einer höheren Quote bestanden werden. Als nächstes erstellen die Professoren ein Projektbuch mit Materialien und weiterführenden Ideen. Anfragen von anderen Hochschulen liegen bereits vor. "Wir wollen unwiderstehliche Anregungen geben, wie Lehramtsstudierende besser bedient werden können", betont Prof. Danckwerts.
Weiterführende Links
- Projekt "Mathematik neu denken"
- Projekt-Steckbrief
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