Schulentwicklung

Bildungsbericht für Schleswig-Holstein

Bildungsministerin Britta Ernst hat den vierten Bildungsbericht für Schleswig-Holstein vorgelegt.

08.03.2017 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein
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„Wir brauchen eine verlässliche Datengrundlage, um bewerten zu können, ob die schulische Arbeit erfolgreich ist. Auf dieser Basis können wir entscheiden, in welche Richtung Schule weiterentwickelt werden soll“, sagte sie am 7. März in Kiel. Der Bildungsbericht dokumentiert die Veränderungen in der Bildungslandschaft über den Zeitraum von 2011 bis 2016 und arbeitet mit statistischen Daten zum Schulsystem ebenso wie mit den Ergebnissen von Schulleistungsvergleichen. „Insgesamt hat Schleswig-Holstein ein qualitativ gutes und flächendeckendes Bildungsangebot. Unser Ziel ist es, dies auch weiterhin so zu gestalten, dass jede Schülerin und jeder Schüler den bestmöglichen Schulabschluss erreichen kann - unabhängig von sozialer Herkunft, Migrationshintergrund oder Geschlecht“, betonte sie. Eine Herausforderung für das Bildungsangebot seien die unterschiedlichen Entwicklungen in städtischen und ländlichen Regionen und der demografische Wandel.

Wichtige Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre im Überblick:

  • Schulen: 

    Im Schuljahr 2015/16 gab es in Schleswig-Holstein 804 (771 allgemein bildende und 33 berufsbildende) öffentliche und 104 private Schulen. Insgesamt geht die Zahl der Schulen leicht zurück. Die Zahl der Grundschulen, der Gymnasien und der berufsbildenden Schulen ist dagegen stabil geblieben.

  • Schülerinnen und Schüler: 

    Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Schulen ist vom Schuljahr 2011/12 bis 2015/16 gesunken - von 395.458 auf 380.244. Das ist an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen weniger stark als prognostiziert, was auf die gestiegene Zuwanderung zurückzuführen ist.

  • Lehrkräfte: 

    An den öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein unterrichteten im Schuljahr 2015/16 23.577 Lehrkräfte (19.562 Lehrkräfte an allgemein bildenden und 4.015 an berufsbildenden öffentlichen Schulen). Die Zahl der Lehrkräfte an den öffentlichen Schulen hat sich erhöht. Die Lehrerschaft verjüngt sich leicht - 45,1 Prozent aller Lehrkräfte sind 50 Jahre und älter.

  • Ganztag: 

    Insgesamt 538 (Datenbasis 2016/17) aller öffentlichen und privaten Schulen (908) in Schleswig-Holstein haben ein Ganztagsangebot, davon 31 in gebundener Form. 61,9 Prozent der Schulen haben 2015 in Schleswig-Holstein ein Ganztagsangebot, im Bund sind es 64,6 Prozent. 26,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler nehmen 2015 in Schleswig-Holstein an einem Ganztagsangebot teil, im Bund sind es 39,3 Prozent.

  • Inklusion: 

    Die Inklusionsquote ist auf inzwischen 67,2 Prozent gestiegen (2001/02: 28,8 Prozent und in 2010/11:53,8 Prozent. Parallel ist die Quote der Schülerinnen und Schüler, die in Förderzentren beschult werden gesunken. 6,33 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Von diesen werden 4,26 Prozent inklusiv beschult, 2,07 Prozent in Förderzentren. Insgesamt ist die Quote der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in den letzten Jahren leicht gestiegen.

  • Bildungsausgaben: 

    Die Bildungsausgaben Schleswig-Holsteins für die öffentlichen Schulen sind in den vergangenen fünf Jahren um 9,5 Prozent gestiegen. Beispiel: 728 Lehrkräftestellen aus BAföG-Mitteln finanziert; weitere 240 (in Jahr 2015), 480 (in 2016) und 248 Stellen (in 2017) geschaffen sowie Stellen für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst um insgesamt 150 erhöht. Hinzu kommen unter anderem 13,2 Millionen Euro jährlich für schulische Assistenzkräfte.

  • Verweildauer und Bildungszeit: 

    Die Eingangsphase (1. und 2. Jahrgangsstufe an den Grundschulen) kann in bis zu drei Jahren durchlaufen werden. Davon machen 6,3 Prozent der Kinder Gebrauch. Das Sitzenbleiben ist zur Ausnahme geworden: Die PISA-Studie (2000) ermittelt für Schleswig-Holstein den Wert von 35,7 Prozent der 15jährigen, die eine Klassenstufe wiederholt haben. Heute liege die Quote der Schülerinnen und Schüler, die das Schuljahr wiederholen, zwischen ein und zwei Prozent.

  • Berufsbildung: 

    Die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler an den berufsbildenden Schulen ist von 2011/12 (96.574) bis zum Schuljahr 2014/15 (93.548) gesunken, jedoch 2015/16 (94.676) wieder gestiegen. Von den Schülerinnen und Schülern, die 2011 von einer allgemein bildenden Schule auf eine berufsbildende Schule gewechselt haben, hatten 6,1 Prozent Abitur oder Fachhochschulreife, 2015 waren es bereits 8,4 Prozent.

Bildungsministerin Britta Ernst: „Deutliche Verbesserungen und positive Entwicklungen hat es in den vergangenen fünf Jahren bei der Unterrichtsversorgung und der Qualität von Schule gegeben.“

  • Unterrichtsversorgung: 

    Die Unterrichtsversorgung hat sich im Verlauf der vergangenen Schuljahre in allen Schularten verbessert: Im Schuljahr 2015/16 erreichte die Unterrichtsversorgung über alle Schularten hinweg trotz des Anstiegs der Anzahl schulpflichtiger Flüchtlinge 95 Prozent. Durch die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen wurde an den allgemein bildenden Schulen eine Unterrichtsversorgung von 97 Prozent erreicht. Im Schuljahr 2016/17 können 98 Prozent an den Gemeinschaftsschulen und 99 Prozent an den Gymnasien erreicht werden.

    Ministerin Ernst: „Mein Ziel ist es, schrittweise eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent zu erreichen. Zum Schuljahr 2017/18 werden voraussichtlich auch an den Gemeinschaftsschulen 99 Prozent, an den Grundschulen 100 Prozent und an den berufsbildenden Schulen 92 Prozent erreicht."

  • Qualitätsentwicklung: 

    Die Bildungsqualität hat sich verbessert. Indikatoren dafür sind beispielsweise die herausragenden Ergebnisse der schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler beim jüngsten IQB-Bildungstrend. Genau wie die gestiegene Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Schleswig-Holstein mit Abitur die Schule verlassen. Die Quote der Absolventinnen und Absolventen der allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen mit Hochschulreife lag 2011 bei 34,3 Prozent und hat sich in 2015 auf 42 Prozent erhöht. Mehr Schülerinnen und Schüler besuchen die Oberstufen: 2011/12 waren es 38.308 Jugendliche, 2015/16 bereits 51.901 (inklusive 8.400 Schülerinnen und Schüler im doppelten Abiturjahrgang). Auch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Mittlerem Bildungsabschluss ist von 35,6 Prozent in 2011 auf 40 Prozent im Jahr 2015 gestiegen.

    Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit dem Ersten Allgemein bildenden Abschluss (ESA) ist von 24,6 Prozent in 2011 auf 17,6 Prozent in 2015 gesunken. Allerdings ist die Quote der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss leicht gestiegen. Von 7,3 Prozent in 2013, auf 7,6 Prozent in 2014, konnte aber mit 7,4 Prozent in 2015 wieder leicht gesenkt werden.

    Ministerin Ernst. „Um die Qualität von Schule und Unterricht weiter zu verbessern und von den Schulen wertvolle Rückmeldungen zu erhalten, haben wir gezielte Projekte gestartet.“ So sei seit Beginn des Jahres 2016 mit dem „Schulfeedback“ ein neues freiwilliges Verfahren zur externen Evaluation von Schulen eingeführt worden. Auch nutzen die Schulen seit dem Schuljahr 2015/16 die Möglichkeit, an den freiwilligen Vergleichsarbeiten im sechsten Jahrgang (VERA 6) teilzunehmen.

Kritisch bewertete die Ministerin die Entwicklung hin zu regionalen Unterschieden bei Bildungsangeboten und Bildungserfolgen. „Es gibt regionale Disparitäten zwischen den kreisfreien Städten und Kreisen, aber auch zwischen den Kreisen im Land. Sichtbar sind sie bei der Abiturquote, bei der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss oder dem Angebot an Ausbildungsangeboten. Das können wir nicht akzeptieren.“

So liege die Quote der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife im Kreis Stormarn bei 46 Prozent, in Kiel bei 44 Prozent. Die niedrigsten Werte habe Schleswig-Flensburg mit 21,6 Prozent und Nordfriesland mit 22,2 Prozent.

Auch bei der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Ersten Allgemeinbildenden Abschluss (ESA) gibt es regionale Unterschiede. Über dem Landesschnitt von 7,4 Prozent liegt der Wert zum Beispiel in Ostholstein mit 10,3 Prozent, Dithmarschen (9,8 Prozent), Lübeck (9,6 Prozent) und Plön (9,1 Prozent). Die Kreise Stormarn und Pinneberg erreichen mit 4,7 Prozent beziehungsweise 6 Prozent ebenso wie die Stadt Kiel mit 6,5 Prozent Werte unter dem Landesmittel.

Besonders vom demografischen Wandel betroffen seien die regionalen Berufsbildungszentren und berufsbildenden Schulen. Eine zurückgehende Zahl der Schülerinnen und Schüler und die gleichzeitig zunehmende Spezialisierung in vielen Ausbildungsberufen, so Ministerin Ernst, machten es für berufsbildende Schulen schwierig, in allen Regionen Fachklassen mit einer ausreichenden Klassengröße vorzuhalten. „Dort müssen Strukturen angepasst, berufliche Ausbildungs- und Bildungsangebote konzentriert werden“, betonte sie. Um auch zukünftig Fachkräfte ausbilden zu können, müsse in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein jede Region zumindest eine Grundausstattung für die regional bedeutsamen Berufe und Branchen vorhalten. Als eine Möglichkeit nannte sie die Bildung von regionalen Kompetenzstandorten.

Ministerin Ernst: „Aufgabe der nächsten Jahre wird sind, die regionalen Disparitäten in Schleswig-Holstein abzubauen und ein landesweit gutes Angebot aufrecht zu erhalten.“ Sie kündigte an, den Bildungsbericht für Schleswig-Holstein kontinuierlich fortzuschreiben. „Er ist als Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen unentbehrlich.“


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