Bildungsland Hessen bundesweit Vorreiter

"Die Strategische Ziele der Landesregierung für das hessische Schulwesen sind keine allgemeinen Absichtserklärungen, sondern definieren Qualitätsverbesserungen, die bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008 verbindlich zu erreichen sind", sagte die Hessische Kultusministerin Karin Wolff heute bei einer Halbzeit-Pressekonferenz in Wiesbaden: "Daran arbeiten wir gemeinsam mit den Schulen, den 15 Staatlichen Schulämtern, dem Amt für Lehrerbildung und dem Institut für Qualitätsentwicklung, um durch internationale Vergleichsuntersuchungen sichtbar gewordene Defizite des deutschen Bildungssystems abzustellen." Mit klar bezifferten Vorgaben nehme Hessen innerhalb der Kultusministerkonferenz eine Vorreiterrolle ein. Nicht Maßnahmen, sondern die Schülerinnen und Schüler würden bei den Strategischen Zielen sowie den darauf aufbauenden Maßnahmen und Zielvereinbarungen in den Mittelpunkt gerückt. "Wir sind auf dem besten Weg, unsere hochgesteckten Ziele zu erreichen", beschrieb sie den Stand des "Großprojekts".

27.03.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Zu den vier Strategischen Zielen im Bereich des Hessischen Kultusministeriums nahm die Staatsministerin konkret Stellung:

Strategisches Ziel 1: Am Ende des zweiten Grundschuljahres sollen alle Schülerinnen und Schüler altersgemäße Texte sinnerfassend lesen können.
An den hessischen Grundschulen wird seit dem Schuljahr 2004/2005 intensiv am Fördern der Lesekompetenz von Kindern – insbesondere in den ersten beiden Grundschuljahren – gearbeitet", so Karin Wolff: Im Mai 2007 werde das Ergebnis dieser Arbeit in 35 Klassen stichprobenartig, aber repräsentativ, festgestellt und zum Ende des Schuljahres 2007/2008 an allen hessischen Grundschulen überprüft.

Strategisches Ziel 2: Verringerung der in der PISA-E-Studie 2000 definierten Risikogruppe von 27 Prozent in Hessen um ein Drittel – Verbesserung der Lesekompetenz bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008.
Da Lesekompetenz als wesentlicher Schlüssel für den Erfolg in Beruf und Schule gilt, arbeiten seit Beginn des Schuljahres 2005/2006 auch alle hessischen Sekundarstufe-I-Schulen gezielt an wirksamen Verbesserungsmaßnahmen. Dabei geht es insbesondere um ein gezieltes Fördern der in der PISA-Studie genannten "Risikogruppe". "Erfolgsprüfstein werden die Ergebnisse der PISA-Studie 2009 sein", sagte die Kultusministerin: "Die aktuellen Zwischenberichte des Instituts für Qualitätsentwicklung zur Prozessevaluation belegen, dass wir hier auf einem guten Weg sind."

Strategisches Ziel 3: Verringerung der Anzahl der Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss um ein Drittel bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008 an Hauptschulen, Hauptschulzweigen schulformbezogener (kooperativer) Gesamtschulen und schulformübergreifenden (integrierten) Gesamtschulen.
Laut Karin Wolff hat Hessen im Bildungsgang Hauptschule und an integrierten Gesamtschulen durch das Konzept Schule und Betrieb (SchuB) die Praxisanteile im Unterricht erhöht, um Schülerinnen und Schüler mit erheblichen Lern- und Leistungsrückständen einen Schulabschluss zu ermöglichen. Die Statistik für das Schuljahr 2004/2005 belege, "dass der Anteil der Jugendlichen, welche Hauptschulen und Hauptschulzweige kooperativer Gesamtschulen ohne Abschluss verlassen, gegenüber der Ausgangssituation von fast 23 Prozent im Schuljahr 1999/2000 bereits unter 15 Prozent gesenkt werden konnte."

Strategisches Ziel 4: Verringerung des Anteils der Absolventen in 14 definierten Berufen des dualen Systems, die den theoretischen Teil der Berufsabschlussprüfung nicht bestehen, um ein Drittel bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008.
An den Beruflichen Schulen seien erfolgreich Maßnahmen angelaufen, um das Bestehen der schriftlichen Abschlussprüfungen deutlich zu verbessern, berichtete die Staatsministerin: "Bei in etwa gleichbleibender Zahl der Gesamtprüfungsteilnehmerinnen und -teilnehmer ist die Misserfolgsquote in den 14 ausgewählten Berufen bereits von 2005 noch 18,4 auf 13,4 Prozent im Jahr 2006 gesunken."

Im Gegensatz zu traditionellen Vorgehensweisen bei bildungspolitischen Maßnahmen werde beim Umsetzen der Strategischen Ziele erstmals durchgängig projektorientiert bis zu den einzelnen Schulen vorgegangen. "Das ist ein Paradigmenwechsel", lobte Karin Wolff: Der Abschluss von Leistungsvereinbarungen zwischen dem Hessischen Kultusministerium und den Staatlichen Schulämtern sowie Leistungsvereinbarungen zwischen den jeweiligen Staatlichen Schulämtern und jeder einzelnen Schule seien ein Einstieg in eine neue Vereinbarungskultur: "Einerseits beschreiben sie überprüf- und messbaren Leistungsverbesserungen der benannten Schülergruppen, die zu erreichen sind. Andererseits lassen sie genügend Spielraum beim praktischen Ausgestalten der in Bildungsregionen und Schulen zu erreichenden Ziele."


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