Bildungsministerin Erdsiek-Rave legt Katalog zur Entlastung der Schulen von Bürokratie und Unterstützungskonzept zum Abitur nach zwölf Jahren vor

Mit einem Abbau überflüssiger Bürokratie an den Schulen und zusätzlichen konkreten Hilfen sollen die Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein entlastet werden. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave präsentierte heute (2. Juli) in Kiel einen Katalog zur Entlastung von bürokratischen Aufgaben, die auf Vorschlägen einer Projektgruppe unter Leitung des ehemaligen nordrhein-westfälischen Staatssekretärs Elmar Schulz-Vanheyden beruhen. Er hatte zuvor bereits eine entsprechende Projektgruppe der Berliner Bildungsbehörde geleitet. Darüber hinaus werden die Schulen durch Fortbildung, Orientierungshilfen, organisierten Erfahrungsaustausch und Schulentwicklungstage bei der Umsetzung der Schulreformen unterstützt. In diesem Zusammenhang stellte die Ministerin das "Unterstützungskonzept G8" zur landesweiten Einführung des Abiturs nach acht Jahren an den Gymnasien ab dem kommenden Schuljahr vor.

02.07.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

"Lehrkräfte und Schulleitungen arbeiten mit hohem Engagement am Umbau der Schullandschaft und an der Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit. Dafür wollen wir Freiräume schaffen", sagte Erdsiek-Rave. Deshalb sei Ende 2007 die schleswig-holsteinische Projektgruppe zur "Entlastung von Schulleitungen, Lehrkräften und Schulaufsicht von bürokratischen Aufgaben" eingerichtet worden, in der Schulleiter sowie Vertreter der Schulaufsicht, der kommunalen Landesverbände, des Finanzministeriums und des Bildungsministeriums vertreten waren.

Die große Mehrzahl dieser Vorschläge soll nun rasch umgesetzt werden. Als Beispiele nannte die Ministerin

  • die Entwicklung eines IT-Konzepts zur Vereinfachung der Schulverwaltung (weniger Abfragen, Verkürzung von Abfragewegen bei Datenerhebungen);
  • größere Zeitabstände für die Meldung von Unterrichtsausfall (vierteljährlich statt monatlich), da das Handlungskonzept "Jede Stunde zählt" zur Vermeidung von Unterrichtsausfall erfolgreich läuft;
  • Reduzierung und Vereinfachung der Datenzulieferung der Schulen für den Schul-TÜV (EVIT); zudem wird EVIT für Schulen, die in Regional- und Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden, bereits seit 2007 auf Antrag im Jahr vor und im Jahr nach der Umwandlung ausgesetzt.
  • die Möglichkeit, bei einer festgelegten Zahl von Leistungsnachweisen die Zahl der Klassenarbeiten (Mindestanzahl wird vorgegeben) flexibel zu handhaben;
  • die Möglichkeit, nach dem ersten Halbjahr des ersten Schuljahres das Zeugnis durch ein Elterngespräch zu ersetzen
  • den möglichen Verzicht auf die Zeugnisunterschrift des Schulleiters (Ausnahme: Abschluss- und Abgangszeugnisse);
  • Verringerung der Mitgliederzahl in Abitur-Prüfungsausschüssen von vier auf drei;
  • vereinfachte Reisekostenabrechnungen.

Erdsiek-Rave betonte, dass sowohl die Vorgaben der Schulbehörden als auch deren Handhabung in den Schulen dauerhaft auf dem Prüfstand stünden. "Verwaltung, Kommunikation und Kontrolle sind ohne Frage notwendig, aber niemand soll mit unnötigen Aufgaben belastet werden." Dies entspreche auch den Zielen der fortgesetzten und umfassenden Aufgabenkritik der Landesregierung.

Wegen der großen Herausforderungen für die Lehrerkollegien bei der Umsetzung des Schulgesetzes sollen an allen Schularten auch in den Schuljahren 2008/09 und 2009/10 jeweils zwei Schulentwicklungstage zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise um sich mit der Eingangsphase in der Grundschule, pädagogischen Konzepten an den Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen oder die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen zu Regionalen Berufsbildungszentren zu beschäftigen.

Die Bildungsministerin stellte heute zudem ein Unterstützungskonzept vor, das den Gymnasien bei der Umstellung auf den verkürzten gymnasialen Bildungsgang von neun auf acht Jahre (G8) helfen soll. Dabei gehe es zunächst darum, die Schulen bei der Erarbeitung der schulinternen Fachcurricula zu unterstützen, also bei der Umsetzung der Lehrpläne im Unterricht der einzelnen Fächer. Ferner geht es um organisatorische Fragen von G8 wie etwa Rhythmisierung von Ganztagen, Regelung der Mittagspause, Hausaufgaben bei Nachmittagsunterricht und Hausaufgabenbetreuung beraten und geklärt werden.

"Ich bin überzeugt davon, dass G8 in Schleswig-Holstein einen problemlosen Start haben wird", sagte Erdsiek-Rave. "Wir haben viel mit Kollegien und Elternbeiräten gesprochen und einen guten Weg gefunden, wobei wir auch aus den Erfahrungen der anderen Bundesländer und unserer Modellschulen gelernt haben. Es wird gerade in den ersten Gymnasiumsjahren keine Überfrachtung des Unterrichtsstoffes geben, sondern mehr Flexibilität." Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehe - wie bei den anderen Schularten auch - die individuelle Förderung jeder Schülerin und jedes Schülers.

G8 starte zum Schuljahr 2008/09 mit den 5. Klassen und wächst dann nach und nach auf. "Da wesentliche Veränderungen erst ab der Jahrgangsstufe 6 wirksam werden, liegen wir mit dem Handlungskonzept gut im Zeitplan", so die Ministerin weiter. Das Konzept beinhalte folgende Punkte:

  • Orientierungshilfen für alle Fächer
    Sie beschreiben unter anderem Kompetenzerwartungen und enthalten entsprechende Aufgabenbeispiele für jedes Unterrichtsfach. Zudem zeigen sie Möglichkeiten auf, wie Themen im Unterricht inhaltlich, methodisch und zeitlich sinnvoll umgesetzt werden können und schlagen Kriterien für die Auswahl von Schulbüchern und Lehrmaterialien vor. Die Orientierungshilfen sollen bis Mitte September 2008 an die Schulen versendet werden.

  • Auf Gymnasien bezogene Fortbildungsangebote
    für die Entwicklung schulinterner Fachcurricula. Schulen können demnach Moderatoren für Schulentwicklungstage und Beratung für Fachkonferenzen abrufen. Außerdem soll in regionalen Netzwerken ein "best-practice"-Austausch organisiert werden. Zudem wird es Fortbildungen für Schulleiterinnen und Schulleiter geben.

  • Zwei Schulentwicklungstage (je Schuljahr 2008/09 und 2009/10)
    insbesondere zur Erarbeitung schulinterner Fachcurricula (später auch für die Beratung organisatorischer Fragen von G8)

Erdsiek-Rave betonte, dass damit die Inhalte der Fortbildungsoffensive zur Weiterentwicklung der schleswig-holsteinischen Schullandschaft konsequent auch auf die Gymnasien angewendet werden. Insgesamt investiert das Land bis 2010 rund 1,4 Millionen Euro in die Fortbildungsoffensive.

Anhang: Liste "Entlastung von bürokratischen Aufgaben" (siehe rechte Spalte oben)


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