Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: Lehrpläne in Schleswig-Holstein erlauben Abitur nach zwölf Jahren ohne Überlastung der Schülerinnen und Schüler

Schleswig-Holstein verfügt über gute Voraussetzungen, um das Abitur nach zwölf Jahren (G8) ohne Überlastung der Schülerinnen und Schüler flächendeckend einführen zu können. "G8 wird in Schleswig-Holstein nicht überhastet eingeführt, sondern mit einem genauen Blick darauf, was für die Kinder zumutbar ist", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (28. Februar) im Landtag. Dafür seien die bereits bestehenden Lehrpläne eine gute Grundlage. Zudem gebe es auch viele positive Erfahrungen, in den östlichen Bundesländern laufe G8 überwiegend problemlos.

29.02.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Ministerin appellierte an Schüler, Eltern, Lehrer und Schulträger, die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur zu unterstützen. "Dieses Modell kann dann überzeugend und nachhaltig gelingen, wenn alle Beteiligten in den Schulen dahinterstehen", sagte sie. Außerdem sei die Ausgangslage im nördlichsten Bundesland in vielerlei Hinsicht besser als in anderen Ländern:

  • G8 wird aufwachsend von Jahrgangsstufe 5 an eingeführt und nicht auf einmal für alle Jahrgangsstufen.
  • Bei den Wochenstunden von der 5. Klasse bis zum Abitur orientiert sich Schleswig-Holstein an der bundesweit festgelegten Untergrenze von 265 Stunden, die von Schulen über die Kontingentstundentafel flexibel verteilt werden können. Um den Schulen hier weitere Freiräume zu geben, erwägt die Kultusministerkonferenz, die 265 Wochenstunden auf 260 Stunden Fachunterricht und 5 Stunden Wahlpflicht- und Förderunterricht aufzuteilen.
  • Die Lehrpläne in Schleswig-Holstein müssen nicht "entrümpelt" werden. Sie haben sich bereits seit 1997 von der in vielen Bundesländern noch dominierenden Stofforientierung gelöst, es wird vielmehr Wert auf Kompetenzen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler gelegt. Im Fach Geschichte gilt das Hauptaugenmerk zum Beispiel dem Erkennen von historischen Zusammenhängen und Entwicklungen und nicht dem Auswendiglernen von historischen Ereignissen und Jahreszahlen. Die Lehrpläne ermöglichen den Schulen, eigene Schwerpunkte in den jeweiligen Fächern zu entwickeln. Nur der Kernbereich der Lehrpläne ist verbindlich abzudecken. Dabei können sie auch auf Fortbildungs- und Unterstützungsangebote des Landes sowie auf die Erfahrungen der neun G8-Modell-Schulen in Schleswig-Holstein zurückgreifen, die vor einer ähnlichen Herausforderung standen. Diese Modellversuche zur intensiven Vorbereitung auf G8 laufen seit 2001/02 mit überwiegend positiven Erfahrungen.
  • In Schleswig-Holstein gibt es weiterhin die Möglichkeit, das Abitur nach 13 Jahren abzulegen, zum Beispiel an Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Beruflichen Gymnasien. Erdsiek-Rave: "Das wird dazu beitragen, dass wir mehr Schülerinnen und Schüler zu höheren Abschlüsse führen können."

Zudem fördere das Land seit Jahren den Ausbau von Ganztagsangeboten. "Bereits jedes zweite Gymnasium in Schleswig-Holstein ist eine offene Ganztagsschule mit Mittagstisch und Hausaufgabenbetreuung. Die Quote für alle Schulen liegt hingegen bei einem Drittel", sagte die Ministerin. "Im Zuge des Bundesprogramms IZBB sind seit 2003 Ganztagsvorhaben an 17 Gymnasien im Land mit insgesamt rund 16 Millionen Euro gefördert worden. Und im Rahmen des Landesprogramms "Investitionen an Ganztagsschulen" wurden 2007 weitere neun Vorhaben an Gymnasien mit rund 1,7 Millionen Euro unterstützt." Da G8 allmählich ab Jahrgangsstufe 5 aufwachsen werde, hätten die Schulträger zudem Zeit, sich auf Konsequenzen für die Umgestaltung ihrer Schule - zum Beispiel durch die Einrichtung eines Mittagsangebots - einzustellen.


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