Bildungsverständnis hat sich verändert – didacta 2007 zeigt Ziele und Trends
Stimmtraining für Pädagogen, Lernen mit Rap, Evolutionspädagogik oder professionelles Humortraining - das Bildungsverständnis hat sich in den vergangenen Jahren radikal erweitert. Ohne Frage steht die erfolgreiche Vermittlung von Fachwissen in der Ära der Nach-PISA-Reformen im Vordergrund des Unterrichts. Die Schüler sollen aber zunehmend auch methodische, soziale und persönliche Kompetenzen erwerben. Werden die Ergebnisse durch zentrale Abschlussprüfungen rigider als zuvor überprüft, so gibt es bei der Wahl des pädagogischen Weges neue Freiheiten und Räume für Experimente. Mit weit über 1.000 Seminaren, Vorträgen, Präsentationen und Podiumsrunden ist die Bildungsmesse didacta in Köln der bei weitem größte pädagogische Kongress des Jahres. Gerade im Ausstellungsbereich Schule/Hochschule ist die Vielfalt der Veranstaltungen und Themen überwältigend.
28.01.2007 Pressemeldung didacta - die BildungsmesseDas Gros der im Rahmenprogrammheft zum Ausstellungsbereich "Schule/Hochschule" verzeichneten Vorträge, Präsentationen und Diskussionsrunden ist handfeste Weiterbildung der Pädagogen für eine erfolgreiche Umsetzung der neuen Bildungsstandards, der neuen Lehrpläne und Unterrichtsvorgaben der letzten Jahre: Von der erfolgreichen Vorbereitung auf die - ab 2007 auch in NRW gültige - zentrale Abiturprüfung, über Förderprogramme zur Behebung von Lernschwächen bis hin zur Präsentation neuer Unterrichtswerke und Lernmedien geht es darum, konkret den Unterricht zu verbessern. Unter Anderem im neuen "Forum Unterrichtspraxis" (Halle 6, Stand D-030/E-031), werden dazu an allen fünf Messetagen neue Ansätze und beispielhafte Projekte aus der Schulpädagogik, der Methodik und Didaktik gezeigt. Die Veranstalter, das Schulministerium NRW und der VdS Bildungsmedien, Frankfurt/Main, wollen mit dem Forum auch dokumentieren, dass sich Schule nach PISA positiv verändert hat und weiter verändert.
Ein Topthema des Ausstellungsbereichs wie auch der didacta insgesamt ist die anstehende Neuordnung des Vorschulbereichs: Kindergarten und Schule müssen nach dem Willen aller Bundesländer besser kooperieren, das institutionalisierte Lernen in Form des Erlernens von Sprach- und Rechenfähigkeiten soll früher beginnen, die Erzieherinnenausbildung muss durch pädagogische Elemente ergänzt und professionalisiert werden. Auf der didacta wird diskutiert, wie dies geschehen kann und welche Konzepte zielführend sind: Auf den KIGA-Seminaren mit seinen 80 Veranstaltungen an allen fünf Messetagen, auf dem Symposion "Kompetenzen in Kindergarten und Grundschule - gewinnen ohne zu verlieren?!" am 1. und 2. März und auf vielen weiteren Veranstaltungen. Diskutiert wird auch, ob dadurch nicht eine Verschulung der Frühpädagogik droht, die die Kinder mehr überfordert als fördert (auf dem "Forum Bildung" am 28. Februar).
Mehr als je zuvor ist Schule heute auch eine Sozialagentur, die zum Beispiel Gewaltprävention leisten soll und Defizite im familiären Bereich erkennen muss. Ein Highlight des Rahmenprogramms der didacta 2007, die von Dienstag, 27. Februar bis Samstag, 3. März in Köln stattfindet, ist deshalb die Sonderschau "Echt Klasse". Die Ausstellung des Kieler Präventionsbüros "Petze" zielt auf den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt und sexuellem. Da in den meisten Fällen sexueller Missbrauch bereits zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr beginnt, wendet sich die PETZE mit der Ausstellung "Ja zum Nein" gezielt an Grundschulen und will Lehrkräfte und Eltern dazu motivieren, frühzeitig mit der Prävention von sexuellem Missbrauch und der Ich-Stärkung zu beginnen. Ein Mitmach-Parcours am Messestand in Halle 7, F-050/G-051 setzt ein erlebnisorientiertes Konzept zur Prävention um. Er bietet Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich an sechs Spielstationen mit den einzelnen Präventionsbausteinen zu beschäftigen. Dies geschieht nicht nur auf kognitiver, sondern auch auf emotionaler Ebene.
Des Weiteren bietet der Schulbereich der didacta viele Events und Aktionen, wie beispielsweise die Förderung von physikalischen und chemischen Kenntnissen der Schülerinnen und Schüler. Hierfür stellt die Telekom-Stiftung die neuen Klasse(n)Kisten vor. Mit Hilfe der Klasse(n)Kisten lassen sich eine Vielzahl von Phänomenen aus Natur und Technik veranschaulichen. Und dies bereits in der Grundschule: Mit den Kisten erhalten Schüler und Lehrer die erforderliche Ausrüstung für spannende Entdeckungsreisen im Sachkunde-Unterricht. Wesentlicher Bestandteil des Stiftungs-Projekts ist eine Fortbildung für die Lehrer der teilnehmenden Grundschulen. In Halle 9, B-041, können sich Pädagogen über diese mitreißenden Unterrichtsmethoden informieren und Schüler können ihren Forscherdrang ausleben. Die Klasse(n)Kisten werden ab 10.00 Uhr vorgestellt. Außerdem präsentiert die Telekom-Stiftung im Rahmen des Forums "didacta aktuell: Wirtschaft - Bildung - Verantwortung" jeden Mittag (außer Dienstag) Projekte zur Förderung von Mathe und Naturwissenschaften. Das Forum "didacta aktuell" ist die Bühne für den Dialog aller gesellschaftlichen Gruppen, die hier ihre gemeinsame Verantwortung für Bildung zum Ausdruck bringen. Spannend und eindrucksvoll wird auch die Präsentation der Lärmampel. Von 16.00 bis 17.00 Uhr stellt Anja Winter (ORG-DELTA GmbH) im Congress-Centrum Ost diese neue Möglichkeit der Lärmprävention vor.
Das "Forum Bildung" mit seinen 20 Einzelveranstaltungen über alle fünf Messetage will eine politische Zwischenbilanz der laufenden Bildungsreformen ziehen, die Zieldiskussion um die Veränderung von Schule und Lernen schärfen und zum Dialog zwischen Politik und Bildungsverwaltung wie auch der Praxis und der Öffentlichkeit beitragen. Erwartet werden in Halle 9, F-020/G-029 hochrangige Politiker wie die NRW-Minister Barbara Sommer und Armin Laschet, die Staatssekretäre aus drei Bundesländern und der internationale PISA-Koordinator Andreas Schleicher wie auch Bernhard Bueb, die Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süßmuth, der Fußballer und Alphabetisierungsbotschafter Frank Rost und viele mehr.
Außerdem findet im Rahmen der didacta der HOCHSCHULTAG 2007 statt. Am Mittwoch, 28. Februar erörtern namhafte Experten aus Verwaltung und Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zwischen 10.30 und 17.30 Uhr im Congress-Centrum Ost die Herausforderungen, vor die sich Hochschulen bei der Auswahl von Studierenden gestellt sehen. Themen sind unter anderem: "Auf der Suche nach den Besten - Profilbildung durch Studierendenauswahl zwischen Massenhochschule und Elitediskussion", oder "Studierendenauswahl zwischen Eignungsdiagnostik und Arbeitsmarkt." Eröffnet wird der HOCHSCHULTAG 2007 von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Verleihung des digita-Preises 2007 gibt Antwort auf die Frage welches die beste Bildungssoftware ist. Der Deutsche Bildungssoftware-Preis digita ist seit 1995 eine der renommiertesten Auszeichnungen für Bildungssoftware im deutschsprachigen Raum. Das digita-Gütesiegel bekommen nur Produkte, die in inhaltlicher, didaktischer und technischer Hinsicht herausragend und beispielhaft sind. Die Verleihung findet am Mittwoch, 28. Februar, ab 14.00 Uhr auf dem Forum Unterrichtspraxis (Halle 6, D-030/E-031) statt.
Die Rahmenprogrammveranstaltungen der didacta eigenen sich in allen Bundesländern für den Antrag auf Lehrerdienstbefreiung.
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