Blockadehaltung hilft Mittelschülern nicht weiter
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) begrüßt es ausdrücklich, dass sich der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags am Donnerstag mit dem Thema Mittelschule befassen wird. Hintergrund ist die Tatsache, dass in bayerischen Grenzgebieten Mittelschulen wegen Schülermangels schließen müssen, weil die Angebote der angrenzenden Bundesländer offensichtlich attraktiver sind und die Schüler abwandern.
04.07.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Diese Entwicklung sollte dem Kultusminister zu denken geben", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München. Er appellierte erneut an Spaenle, schulartübergreifende Schulmodelle nicht länger zu ideologisieren und überall dort zu zulassen, wo sie gewünscht sind. Nur so könnten Schulstandorte erhalten bleiben und Schüler wohnortnah unterrichtet werden. "Eltern wollen für ihr Kind einen möglichst hohen Schulabschluss. Das sollte der Kultusminister akzeptieren und z. B. auch an Mittelschulen einen Realschulabschluss zulassen. Seine Blockadehaltung hilft weder Schülern, Lehrern und Eltern noch den betroffenen Gemeinden."
Schulfluchten in Grenzgebieten wie im unterfränkischen Amorbach stehen im Gegensatz zur Behauptung Spaenles, Mittelschulen würden akzeptiert, eine Trendwende sei eingeleitet. "Ich kann jedenfalls keine Trendwende erkennen", betonte Wenzel. Fest steht: Die Schülerzahlen an den Mittelschulen in Bayern insgesamt steigen nicht, vielmehr werde mit seit Jahren nach unten korrigierten Prognosen ein falscher Eindruck erweckt. "Es gibt zahlreiche Schulstandorte, die gefährdet sind - mit allen Konsequenzen für die Betroffenen", betonte Wenzel. Anstatt das Problem zu lösen, zeichne das Kultusministerium aber ein Bild, das mit der Realität nicht übereinstimme.
Der BLLV fordert seit Jahren eine Öffnung des strengen dreigliedrigen Schulsystems in Bayern, um weitere Schulschließungen zu verhindern. Das Kultusministerium hatte jedoch sämtliche Vorstöße kategorisch abgelehnt mit dem Argument, man wolle keine "Einheitsschule". "Diese Begründung ist peinlich und belegt, dass es im Kultusministerium Bedarf an schulpolitischer Nachhilfe gibt. Die pragmatische Öffnung unseres Schulsystems würde zu mehr Flexibilität und Farbigkeit führen und ist somit das Gegenkonzept zu einer Einheitsschule", sagte Wenzel.
"Die Tatsache, dass Eltern in der Regel die Mittelschule für ihr Kind vermeiden wollen und die meisten im Besuch eines Gymnasiums den Königsweg sehen, wird vom Kultusminister genauso konsequent ignoriert wie der daraus resultierende massive Übertrittsdruck an den Grundschulen, der Kinder krank macht, Eltern gegen Lehrer ausspielt und jede pädagogische Innovation schnell an Grenzen stoßen lässt", erklärte der BLLV-Präsident. "Vielmehr schürt das Kultusministerium Ängste und stellt alternative Schulmodelle als Bedrohung dar."
"Ich werde die Diskussion im Bildungsausschuss mit Spannung verfolgen und hoffe, dass die Flucht vieler bayerischer Schüler nach Baden Württemberg den Kultusminister zu einem Umdenken veranlasst."
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