CDU-Wahlkampf auf Kosten der Gesamtschulen?
Unter dem Motto "Es reicht" haben Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landeselternrat Gesamtschulen und die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule e.V. 16.000 Unterschriften gesammelt und am heutigen Montag Frau Sommer in ihrem Ministerbüro übergeben. GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauer übte scharfe Kritik am Auftreten der Ministerin in der letzten Woche: "Ministerin Sommer, nach eigenem Bekunden Mutter aller Schulformen, behandelt ihre Gesamtschulen wie eine Rabenmutter. Das nehmen wir nicht hin!"
01.09.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-WestfalenIm Gespräch mit der Delegation der Unterschriftensammler zeigte sich Schulministerin Sommer beeindruckt. Sie sagte zu, an den Gesamtschulen zusätzliche hochwertige Fortbildungen in Mathematik anzubieten. Außerdem denke, so die Ministerin, die Landesregierung über die Absenkung der maximalen Klassengrößen nach.
Der Protest aus Schulen und Elternhäusern hatte in den letzten Tagen deutlich zugenommen. Eltern und Lehrkräfte, aber auch Schülerinnen und Schüler, wehren sich gegen die fortgesetzte Diffamierung der Gesamtschulen durch Schulministerin Sommer, die in dem Vorwurf gipfelte, dort gäbe es nur ein "Abi light". Für den GEW-Vorsitzenden riecht das nach Wahlkampf der CDU auf Kosten der Gesamtschulen.
"Wir lassen unsere erfolgreiche Arbeit nicht schlecht reden. Viele unserer Abiturientinnen und Abiturienten haben trotz anderer Schullaufbahnprognosen ein erfolgreiches Abitur an einer der 218 Gesamtschulen geschafft," erklärte dazu Andreas Meyer-Lauber. Ministerin Sommer solle endlich zur Kenntnis nehmen, dass Gesamtschulen pädagogisch innovative Schulen mit engagierten Lehrkräften seien, die deutlich weniger Sitzenbleiber hätten und sich der individuellen Förderung aller Schülertalente seit bereits 30 Jahren verpflichtet sähen. Spätestens mit den Ergebnissen der Studie zur Leistungsfähigkeit der Gesamtschuloberstufen, die am Freitag von Prof. Gabriele Bellenberg (Ruhr-Uni Bochum) vorgestellt wurde, seien keine Zweifel am pädagogischen Potential der Gesamtschulen mehr zugelassen.
Wenn Sommer den Gesamtschulen wirklich helfen wolle, solle sie ihnen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen. "Zusätzliche Förderkurse gerade in der Jahrgangsstufe 11, wie sie früher eingerichtet werden konnten, wären eine sinnvolle Maßnahme", meinte GEW-Chef Meyer-Lauer. "und auf 'bedarfsorientierte Fortbildungsangebote' warten die Kollegien schon lange." Unterschriftenkampagne: "Es reicht!"
Die 16.000 Unterzeichner der Unterschriftenkampagne erwarten nicht nur eine politische Unterstützung ihrer Gesamtschulen, sondern auch konkrete materielle Verbesserungen: kleinere Klassen und Lerngruppen zur besseren Förderung, eine Erhöhung des Ganztagszuschlages, mehr Zeit für die Aufgaben der Schulleitung und der pädagogischen Schulentwicklung und zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer.
Weitere Infos unter: www.gew-nrw.de/./gewnrwstartakt_thema.cfm
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