Coole Schule hilft Schwänzern zurück auf die Schulbank

(bikl) Schätzungsweise 300 000 bis 500 000 Schüler drücken sich regelmäßig vor der Schule. Und es werden immer mehr, warnte am Wochenende der Direktor der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Prof. Dr. Helmut Remschmidt. Ein Rezept, wie alle diese Jugendlichen wieder freiwillig in den Unterricht zurückkommen, gibt es bislang nicht. Aber Beispiele, die Hoffnung machen. Das sind nicht die Fußfesseln für Schulschwänzer, die der brandenburgische Innenminister im vergangenen Jahr forderte, sondern Initiativen wie die Coole Schule. Bundesweit fünf Schulen beteiligten sich an diesem Projekt der [Deutschen Bank-Stiftung](http://www.deutsche-bank-stiftung.de/) und des [Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge](http://www.deutscher-verein.de/), in dem es um "Lust statt Frust am Lernen" ging.

23.08.2004 Artikel

Das Projekt läuft zum Jahresende aus, hat aber, so Jürgen Glinka, wissenschaftlicher Referent beim Deutschen Verein, eine Langzeitperspektive. Im Beirat sitzen neben den Wissenschaftlern auch Vertreter der Bundes- und Landesministerien, damit - so Glinka - die Ergebnisse direkt an die richtigen Stellen transportiert werden.

Beispiel Belm

Neben Schulen aus Berlin, Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg nahm auch die Haupt- und Realschule Belm aus Niedersachsen an dem Projekt teil. "Es sind schon ganz unterschiedlich problematische Mädchen und Jungen, die aufgrund ihrer Biografie starke Schrammen bekommen haben", berichtet Heidrun Ewert, die das Projekt in Belm von Anfang an als Klassenlehrerin begleitet hat. "Wichtig war mir, sie erst einmal aufzubauen, ihnen zu zeigen, dass sie etwas können. Der Satz "Das kann ich nicht" fiel am Anfang ganz, ganz häufig. Jetzt fällt er nur noch sehr selten. Ich habe regelrecht mit den Schülern trainiert, erst einmal zu sagen: Das kann ich noch nicht. Um dann zu fragen: Was kann ich? Denn eigentlich kann ich etwas, ich muss nur genauer hingucken, was ich kann."

Um die neun Schüler in Belm kümmerten sich zwei Sozialpädagogen, eine Klassenlehrerin und drei Fachlehrer. Der Stundenplan sah nur auf den ersten Blick ganz traditionell aus. Denn anders als die anderen Schüler des Schulzentrums hatten die Jugendlichen Ganztagsunterricht und die traditionellen Vormittagsfächer wie Mathematik oder Deutsch waren stark mit den Nachmittagsangeboten verzahnt.

Ganz entscheidend war auch der Kontakt zu den Eltern. Sie wurden konsequent mit einbezogen: durch Vereinbarungen, regelmäßige Elterngespräche und telefonische Kontakte. Die Lehrer und Sozialpädagogen griffen allerdings nicht bloß zum Telefonhörer, wenn etwas im Argen lag, sondern auch, um über positive Entwicklungen zu berichten.

Wieder in den Regelklassen

95 Prozent der Schüler aus dem Projekt Coole Schule besuchen bereits wieder eine Regelklasse. Bis zum Jahresende werden sie und ihre neuen Klassenlehrer noch von Fachkräften des Projekts begleitet. "Damit", wie der Leiter des Projekts Dr. Josef Faltermeier betont, "sie nicht wieder aus der traditionellen Schule herauskatapultiert werden." Verbindliche Elternarbeit, die Qualifikation von Lehrern und Sozialpädagogen, die Unterstützung bei der individuellen Bildungsplanung und die Zusammenarbeit aller Beteiligten sind nach Meinung des Projektleiters entscheidend für den Erfolg der Coolen Schule. Seine Hoffnung: Dass die Ergebnisse des Projekts auch Einfluss haben werden auf den ganz normalen Schulalltag.

Die detaillierten Ergebnisse des Projekts "Coole Schule - Lust statt Frust am Lernen" werden am 1. und 2. Dezember in Berlin auf einem Abschlusssymposium vorgestellt.

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Coole Schule


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