Das bayerische Abitur beweist: Aussortieren ist keine begabungsgerechte Förderung

In seinem heute veröffentlichten Bericht zum deutschen Bildungssystem kritisiert der UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechte Munoz vor allem die schlechten Chancen für Benachteiligte, also für Migranten, sozial Schwache und Behinderte. Diese Kinder und Jugendlichen litten besonders unter einem Schulsystem, das auseinandersortiere, anstatt zu fördern. Isabell Zacharias, die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, stimmte der Kritik zu: "Wer Kinder in getrennte Begabungsschubladen steckt, hindert sie daran, voneinander zu lernen." Genau das sei aber das Prinzip der bayerischen Bildungspolitik: Sie trenne die Kinder so früh wie möglich und glaube, dadurch begabungsgerecht zu fördern. "Das ist individuelle Behinderung und nicht individuelle Förderung!", sagte Zacharias.

21.03.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Besonders bedenklich sei es, dass Bayern fünf Prozent der Kinder von vornherein in Förderschulen ausgrenze. Das sei völlig überflüssig und eine bundesdeutsche Spezialität. Nicht nur die skandinavischen Ländern, sondern auch Südtirol, das bei Pisa deutlich besser abgeschnitten habe als Bayern, kennen keine Förderschulen, sondern unterrichten von Anfang an integrativ.

Dass die Selektion schon nach der vierten Klasse kein erfolgreiches Konzept sei, zeige das bayerische Abitur besonders überzeugend: "Wenn 43 Prozent aller Abiturienten nicht vom Gymnasium kommen, kann mit dem Auswahlprinzip fürs Gymnasium etwas nicht stimmen. Entweder hat man fast die Hälfte der begabten Zehnjährigen glatt übersehen, oder Begabung zeigt sich eben doch erst viel später." Mit einer längeren gemeinsamen Schulzeit könne man Bildungsumwege für 43 Prozent der Abiturienten vermeiden.


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