Das macht Unterrichten schöner und wirksamer: Klassenregeln Phase 2
Nachdem in Phase 1 die Klassenregeln aufgestellt wurden, geht es in Phase 2 darum, den Schülern zu helfen, die Klassenregeln einzuhalten und dabei ein positives Klima aufzubauen.
13.01.2026 Bundesweit Pressemeldung Christoph EichhornWertvolle Studien
Wenn Schüler Regeln übertreten, viel stören, ohne dass Lehrer eingreifen:
1. Entstehen mehr Aggressionen, Regelverstöße usw. (Schuster, 2020).
2. Sehen sie das als Billigung ihres unangemessenen Verhaltens. Sie sehen keine Notwendigkeit, etwas zu ändern (Wettstein et. al., 2018).
3. Gibt es bald einige Nachahmer (Wettstein et. al., 2018).
4. Möglichst alle Lehrer der Klasse setzen sich konsequent und engagiert für die Einhaltung der Klassenregeln ein. Wenn bei Regelverstößen nur hin und wieder reagiert wird, halten sie viele nicht ein (Wettstein et. al., 2018).
Aber wenn Schüler dauernd ermahnt werden, ärgert sie das. Dann finden sie uns unsympathisch, stören mehr, halten die Klassenregeln kaum ein, usw. Deshalb bei einer neuen Klasse Schüler, die oft ermahnt werden, frühzeitig auf negative Emotionen ansprechen und ihnen helfen, diese abzubauen, z.B. zusammen mit einer Fachperson (Eichhorn, 2025A).
1. Bei jüngeren, vor allem viel üben
Z.B. bei einem Ruheritual. Wenn es laut ist z.B. mit einer Glocke läuten, dann soll es ruhig werden. Oder wir klatschen einen kurzen Rhythmus, den die Schüler mitklatschen können. Den sollen sie dann gleich mitklatschen. Wenn in einer neuen Klasse einige früher oft im Klassenzimmer herumgelaufen sind, dann sollen die sich dann hinsetzen.
Üben: Die Schüler sollen mit ihrem Nachbarn z.B. über ihr Hobby sprechen, oder über etwas, was ihnen gefällt. Wenn sie sprechen, das Ruheritual starten. Wenn alle gleich ruhig sind, großzügig Anerkennung geben.
Wenn einige gleich ruhig sind, aber andere nicht:
1. Narrating Positive Behavior (Eichhorn, 2025A). Z.B. sagen: „Einigen von euch ist was sehr Wichtiges gelungen, super! Ihr habt schon unser wichtiges Ruheritual eingehalten – prima!“
2. Denen, die es noch nicht einhalten, z.B. sagen: „Toll, dass viele unser Ruheritual schon eingehalten haben, macht es bitte auch so.“ Oder nur: „Bitte haltet unser Ruheritual ein.“
Darauf schauen, ob sie das befolgen. Dann Anerkennung geben, z.B.: „Schön, dass es euch jetzt auch gelungen ist, unser Ruheritual einzuhalten.“
Wieder üben: Z.B. in den nächsten Wochen, bis es gut klappt.
Am nächsten Tag auf Positives zurückkommen: Z.B. bei Schülern, die am meisten stören und unsere Anweisung befolgt haben, freundlich sagen: „Toll, Noah, was dir gestern gelungen ist. Als ich dich darum gebeten habe, unser wichtiges Ruheritual einzuhalten, ist dir das gleich gelungen, prima.“
Bei jüngeren langfristig davon ausgehen, dass es einigen nicht gelingt, das Ruheritual einzuhalten. Vermeiden, dass uns das ärgert, z.B. „Wieso nerven die mich so!“ Dann reagiert man oft laut und verärgert. Da hilft, häufiges Stören beziehungsfördernd zu interpretieren z. B.: „Kids do well, if they can“ (Greene, 2014).
Möglichst alle Lehrer der Klasse gehen so vor. Wenn Fachlehrer, die wenig Zeit in dieser Klasse sind, auch so vorgehen, hilft das ihnen.
Viele Klassen von älteren haben eine ähnliche Regel wie „Wir sind freundlich“. Das ist sehr wertvoll. Da hilft:
- Die Schüler in Kleingruppen besprechen lassen, welche Vorteile das hat. Wenn sie es nicht sagen erwähnen. "Gell, dann fühlt ihr euch in der Klasse besser. Ich wünsche euch, dass ihr euch in der Klasse gut fühlt."
- Z.B. hin und wieder einen schönen Film mit freundlich sein zeigen auch nach einigen Wochen und Monaten. Älteren Schülern anbieten, das zu übernehmen.
- Auch hin und wieder ein oder zwei Bilder mit Menschen, die freundlich wirken, für einige Zeit in der Klasse aufhängen. Den Schülern anbieten, solche Bilder mitzubringen und sie aufzuhängen.
Damit bleibt dieser wichtige Aspekt auf positive Weise länger aktuell.
- Z.B. auch mal Rollenspiele z.B. zusammen mit einer Fachperson, anbieten.
- Wenn es Schülern, die früher nie freundlich waren mal gelingt, freundlich zu sein, Ihnen großzügig Anerkennung geben. Wenn möglich zeitnah, weil das dann deutlich wirkt.
- Dann auf Positives zurückkommen, (oder zum ersten Mal Anerkennung geben, wenn das gestern nicht gelang, was ja angesichts den vielen Dingen, die man im Unterricht erledigen muss, sein kann). Z.B. am Morgen freundlich und sagen, "War toll von dir, Dario. Du warst gestern freundlich. Das kam sehr gut an, hat mir auch sehr gefallen - alles Gute und einen schönen Tag".
- Darauf achten, ob es ihm weiter gelingt. Dann z.B.: 1. Ihm wieder Anerkennung geben. 2. Z.B. mal mit ihm darüber sprechen, wie ihm das gelungen ist und was ihm dabei hilft, das weiter zu machen. 3. Ihm eine Positive-Self-Monitoring Tabelle" anbieten.
- Die Positive-Self-Monitoring Tabelle (Eichhorn 2025) überreichen: Die Schüler da notieren lassen, wenn es ihnen schon gelungen ist, das einzuhalten. Ziel: Mit den Schülern über das sprechen, was ihnen schon gelungen ist, statt was sie alles falsch machen. Gegenüber den Schülern bezeichnen wir sie z.B. als die „Toll, ich hab`s geschafft Tabelle“.
Es ist mir gelungen freundlich zu sein – toll! | Datum: Stunde: |
Das hat mir dabei geholfen:
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Wenn mir das weiter gelingt hat das folgende Vorteile: |
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Die Schüler die Tabelle selbst erstellen lassen, sodass sie für sie schön ist. Erwähnen: „Die Frage „Das hat mir dabei geholfen“ ist schwer zu beantworten. Damit möchte ich euch aber nicht stressen. Macht euch bitte keine Sorgen, wenn euch dazu nichts einfällt. Wenn jemand mal was dazu einfällt, ist das sehr hilfreich.“ Hin und wieder die Schüler die Antworten der 2. und 3. Zeile z.B. allein überlegen und in Kleingruppen besprechen lassen. Ihre Aussagen in großer Schrift notieren und großzügig Anerkennung geben.
2. Bei älteren wirkt: Einen positiven Kontext bezüglich Klassenregeln aufbauen
Sich über eine neue Klasse vorinformieren:
Fallbeispiel: In einer neuen Klasse, die bei unseren Vorgängerinnen sehr schwierig war, hielten einige die Klassenregeln schlecht ein, aber einige ziemlich gut. Das ermöglicht, das Thema Klassenregeln in einen positiven Rahmen zu bringen.
Der Klasse Anerkennung geben, z.B.: „Toll, dass es einigen von euch schon gut gelungen ist, die Abmachungen einzuhalten! Da gelingt euch ja schon was ganz Wichtiges.“ Dann z.B. in Kleingruppen besprechen lassen:
- „Welche Vorteile hat es, dass das einigen von euch schon gelungen ist?“ Wenn es ihnen nicht einfällt, z.B. erwähnen: „Ihr könnt besser lernen, wenn es in der Klasse ruhig ist, statt viel gestört wird. Seht ihr das auch so?“
- „Welche Vorteile hat es, wenn man mit Lernen klarkommt.“ Ältere Schüler das z.B. in Kleingruppen besprechen lassen.
- „Was hat euch dabei geholfen, die Klassenregeln einzuhalten?Eine schwierige Frage, aber sehr gut, wenn euch etwas dazu einfällt!“ Bei guten Aussagen großzügig Anerkennung geben und sie in großer Schrift notieren, z.B. auf dem Regelplakat.
Variante 1: Trainings-Tabellen, z.B. zwei Tabellen vorstellen:
Meine Fairness-Code Trainings-Tabelle (Variante 1). Den Tabellen einen Namen geben, der den Schülern gefällt.
Ich möchte folgende Abmachung besser einhalten: | |
Die Vorteile: | |
Um besser zu werden, achte ich vor allem darauf, wann mir das gelingt: Prima, es ist mir gelungen, es besser zu machen! | Datum: |
Das hat mir dabei geholfen: | |
Besprechen, welche Vorteile diese Punkte haben und dass sie auf der Tabelle bleiben.
Meine Fairness-Code Trainings-Tabelle (Variante 2)
Welche Abmachung mir am wichtigsten ist: Was ich an ihr gut finde: |
Was mir dabei hilft (bzw. dabei helfen könnte), sie einzuhalten: Um besser zu werden, achte ich vor allem darauf, wann es mir gelingt, diese Abmachung einzuhalten: |
Ich hab`s geschafft – TOLL: Es ist mir gelungen, die Abmachung einzuhalten: Datum: Das hat mir dabei geholfen: |
Besprechen, welche Vorteile diese Tabellen haben. Älteren anbieten, eine für sie attraktive Trainings-Tabelle, ähnlich wie die beiden Varianten, herzustellen.
Das Autonomiebedürfnis der Schüler zu berücksichtigen, macht sie kooperativer (Scarlett, 2015): Nachdem die Klassenregeln aufgestellt wurden, jeden entscheiden lassen, welche ihm als erstes wichtig ist einzuhalten, statt ihnen das vorzuschreiben.
Z.B. später mit der Klasse besprechen: „Es ist sinnvoll, sich um die zu kümmern, die schwer einzuhalten sind! Seht ihr das auch so? Welche Vorteile hat das?“
Variante 2: An Positivem anknüpfen
Eine Stunde ist relativ gut verlaufen. Dann sagt die Lehrerin z.B. 15 Minuten vor Ende sehr freundlich: „Toll von euch: Ihr habt in dieser Stunde viele Abmachungen eingehalten, prima. Überlegt bitte, wie ihr möchtet, alleine oder mit eurem Nachbarn:
1. Welche Abmachung ihr am besten eingehalten habt.
2. Wie mir das gelungen ist. Was mir dabei geholfen hat.
3. Welche Vorteile es hat, wenn euch das weiter gelingt.“
Wenn einige aber mehrfach gestört haben, z.B. nach „Narrating Positive Behavior“ (Jones, 2000) vorgehen, z.B.: „Einige von euch haben in dieser Stunde schon viele Abmachungen eingehalten, ganz toll. Bitte überlegt, wie euch das gelungen ist. Einigen gelang das noch nicht so gut, weil das ja auch schwierig sein kann. Aber bitte überlegt auch, ob es euch mal gelungen ist, eine unserer guten Abmachungen, die ihr erarbeitet habt, einzuhalten! Welche war das und wie ist euch das gelungen?“ Allen anbieten, das in ihrer „Toll, ich hab`s geschafft Tabelle“ zu notieren. Dann besprechen, was ihnen dabei geholfen hat. Das in großer Schrift notieren und großzügig Anerkennung geben.
Realistische Erwartungen fördern unser Wohlbefinden: Selbst wenn man sehr gut unterrichtet, läuft in unseren Klassen leider nicht immer alles rund. Engagieren sich nicht alle Schüler immer beim Lernen, wird gestört, usw. Z.B. weil es eine sehr hohe Heterogenität gibt, es schwierige Rahmenbedingungen im Lehrberuf gibt, z.B. wenig Lehrer, Fachpersonen, große Klassen usw.. Perfekt unterrichten gelingt leider nur selten. Da wünsche ich Ihnen, dass Sie das nicht belastet. Da hilft, sich realistische Ziele zu setzen.
Weitere Details zur Phase 2 und zur Phase 1 und 3 in: Eichhorn (2025): Die neuen Klassenregeln: Der Leitfaden für einen besseren Unterricht. Klett-Cotta.
Literatur
- Eichhorn, C. (2025A): Eskalation im Unterricht: Unterrichtsstörungen, Beleidigungen und Gewalt erfolgreich eingrenzen. Stuttgart, Klett-Cotta.
- Greene, R. W. (2014): In der Schule verloren: Warum unsere Kinder mit Verhaltensstörun-gen durch die Ritzen fallen und wie wir ihnen helfen können. New York: Scribner.
- Jones, F. (2000): Tools for Teaching. Santa Cruz, CA: Jones & Associates.
- Scarlett, G. (2015): The Sage Encyclopdia of Classroom-Management. SAGE Publications Thousand Oaks, Kalifornien, Vereinigte Staaten.
- Schuster, B. (2020): Führung im Klassenzimmer, 2. Aufl. Springer. Berlin.
- Wettstein, A., Scherzinger, M., Ramseier, (2018). Unterrichtsstörungen verstehen und wirksam vorbeugen. Kohlhammer.
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