Stellungnahme

„Der Nachholbedarf bei der digitalen Ausstattung ist unbestritten hoch"

Das Kultusministerium nimmt zur Diskussion um den Stand bei der Digitalisierung der Schulen in Baden-Württemberg Stellung.

27.07.2020 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
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„Der Nachholbedarf bei der digitalen Ausstattung der Schulen ist bundesweit unbestritten hoch. Dies ist keine Neuigkeit, genau aus diesem Grund haben Bund und Länder den DigitalPakt geschlossen, um die Schulen und Schulträger mit fünf Milliarden Euro bei der digitalen Ausstattung zu unterstützen“, sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums.

Für die Digitalisierung der Schulen sei der Anschluss an schnelles Internet eine zentrale Voraussetzung. „Hier sind die Kommunen gefragt, die für diese wichtige Aufgabe durch den Bund und das Land unterstützt werden. In vielen Landkreisen ist die Ausstattung in den Schulen schon sehr gut, weil die Schulträger sich ins Zeug gelegt haben. In anderen Kreisen gibt es noch Handlungsbedarf, viele Schulen haben kein leistungsfähiges Internet. Deshalb investiert das Land mehr als eine Milliarde Euro in Glasfaser in dieser Legislatur. Die Versäumnisse von fast zwei Jahrzehnten lassen sich aber nicht innerhalb weniger Monate aufholen“, betont die Sprecherin.

Doch eine hervorragende digitale Ausstattung mache den Unterricht nicht unmittelbar besser. „Die Technologien müssen klug und additiv eingesetzt werden. Ein fester Bestandteil unserer Strategie ist deshalb die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Dafür haben wir bereits zum Start des DigitalPakts ein Fortbildungsprogramm in Höhe von fünf Millionen Euro aufgelegt, über das pro Jahr bis zu 50.000 Lehrkräfte erreicht werden können“, so die Sprecherin. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) bietet zudem schulinterne Fortbildungen zur Unterstützung des Fernunterrichts. Auch im kommenden Schuljahr wird das ZSL vermehrt Fortbildungen in diesem Bereich anbieten.

„Hinzu kommt: mit Pilotversuchen wie den Tablet-Projekten an den Schulen erproben wir unter wissenschaftlicher Begleitung, inwieweit sich digitaler Unterricht sinnvoll in ein pädagogisches Konzept  integrieren lässt. Wir haben da sicherlich noch ein Stück Weg vor uns, sind aber deutlich über die Startlöcher hinaus“, sagt die Sprecherin. In den Tablet-Projekten an rund 100 beruflichen Schulen und Gymnasien sind insgesamt circa 7.000 Schülerinnen und Schüler beteiligt. Darüber hinaus fördert das Land mehr als 20 Lernfabriken 4.0 an beruflichen Schulen. Dabei geht es darum, Auszubildenden möglichst praxisnah die Grundlagen einer digitalisierten Arbeitswelt zu vermitteln.

„Auch ein Blick auf Vorbilder ist hilfreich. In diesem Zusammenhang sind Future-Learning-Labs weitere Elemente in der Lehrkräftefortbildung. Auch die in Bad Wildbad stattfindenden Edu- und OERCamps sind ein Teil der Future-Learning-Labs. Dabei machen Schulen mit besonderer Expertise im Bereich der Digitalisierung ihr Wissen und Können anderen Schulen zugänglich. Solche best-practice-Beispiele sind anschaulich und liefern darüber hinaus einen Ansporn, ihnen nachzueifern“, sagt die Sprecherin.

Auch die Arbeiten an der digitalen Bildungsplattform gehen planmäßig weiter. Trotz der Corona-Krise sind alle Teilprojekte im Zeitplan. Die ersten Basiskomponenten sollen wie geplant im Herbst 2020 den Lehrkräften Schritt für Schritt zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören ein Lernmanagementsystem als Alternative zu Moodle, eine dienstliche E-Mail-Adresse für Lehrkräfte sowie Programme und Dienste zur Kommunikation und Zusammenarbeit inklusive eines persönlichen Datenspeichers. Auch ein sicherer Instant-Messenger gehört dazu. „Diesen haben wir den Schulen deutlich früher als geplant, bereits Ende April, zur Verfügung gestellt, um Lehrerinnen und Lehrer durch ein weiteres datenschutzrechtlich einwandfreies Tool zu unterstützen“, so die Sprecherin.

Das Kultusministerium arbeite kontinuierlich daran, die Voraussetzungen für das digitale Lernen zu verbessern und die Schulen zu unterstützen. Gleich zu Beginn der Corona-Krise wurde allen Schulen das Lernmanagementsystem Moodle kostenfrei zur Verfügung gestellt. Mehr als 600.000 Nutzer setzen Moodle aktuell ein. Mittlerweile können die Schulen über Moodle auch das datenschutzkonforme Videokonferenzsystem „Big Blue Button“ für Live-Übertragungen von Unterricht nutzen. Darüber hinaus stellt das Land den Schulen das datenschutzkonforme Videotool JitSi zur Verfügung. Damit ist es zum Beispiel möglich, in Gruppen Gespräche zu führen oder individuelle Beratungsgespräche per Videotelefonat zu führen.

Ein weiterer Baustein ist das „Sofortausstattungsprogramm“ des DigitalPakts, um Schülerinnen und Schüler, die über keine digitale Ausstattung verfügen, mit Laptops und Tablets auszustatten. „Wir haben den Anteil aus dem Bundesprogramm verdoppelt, so dass hierfür 130 Millionen Euro zur Verfügung stehen, für die die Kommunen und Schulen in freier Trägerschaft nun unbürokratisch, ohne Antragsverfahren insgesamt rund 300.000 Endgeräte beschaffen können“, sagt die Sprecherin.

„Um die Umsetzung des DigitalPakt Schule zu beschleunigen, hat sich die Kultusministerin erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Bund den Ländern und Kommunen ab sofort ein praktikableres Antragsverfahren ermöglicht“, sagt die Sprecherin. Das veränderte Vorgehen sieht vor, dass die Schulträger ihre Anträge zunächst ohne Medienentwicklungsplan stellen und diesen erst mit der Abrechnung der Maßnahme vorlegen müssen. Das soll es Kommunen und Schulen in freier Trägerschaft ermöglichen, die Mittel schneller beantragen zu können. Der Medienentwicklungsplan ist und bleibt aber ein verbindlicher Bestandteil, um Fördermittel des DigitalPakt Schule zu erhalten.


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