Internationale Studie

Deutsche Schulen müssen digital nachrüsten

(red/pm) Ohne eine konzeptionelle Verankerung digitaler Medien in den Schulen werde Deutschland im internationalen Vergleich auch zukünftig nicht über ein mittleres Leistungsniveau hinaus kommen. So ein Ergebnis der [internationalen Vergleichsstudie ICILS ](http://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/kw/institute-einrichtungen/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/eickelmann/pdf/ICILS_2013_Berichtsband.pdf), die heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach befindet sich Deutschland im mittleren Bereich der Rangreihe der Länder.

20.11.2014 Artikel
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In der Schulleistungsstudie erreichten die Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland einen Leistungsmittelwert von 523 Punkten und damit ein Leistungsniveau, das zwar signifikant über dem internationalen Mittelwert von 500 Punkten aber nur im Bereich des Mittelwerts der Vergleichsgruppe EU (525 Punkte) liegt. Mit der Schulleistungsstudie ICILS 2013 wurde erstmalig international vergleichend untersucht, in welchem Maße Schülerinnen und Schüler in der achten Jahrgangsstufe über computer- und informationsbezogene Schlüsselkompetenzen verfügen.

Wenig Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe

Entwicklungsbedarf, so die Autoren der Studie, zeige sich für Deutschland vor allem aufgrund der geringen Anteile an Schülerinnen und Schülern auf der höchsten Kompetenzstufe. Zudem erreichen etwa 30 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland nur die untersten beiden Kompetenzstufen I und II. Ein nicht unerheblicher Teil der Jugendlichen erreicht also nur über rudimentäre Fertigkeiten im kompetenten Umgangs mit neuen Technologien. Und: Jugendliche aus unteren und mittleren sozialen Lagen wiesen vergleichsweise geringe Kompetenzen auf und befanden sich überproportional häufig auf den unteren Kompetenzstufen.

Nur selten kommt in den Schulen der Computer täglich zum Einsatz: 9 Prozent der Lehrer gaben an, einen PC täglich im Unterricht zu nutzen, 8 Prozent nie. Darüber hinaus werden nur selten entsprechende Fortbildungen wahrgenommen. Nur ein geringer Anteil hat in den letzten zwei Jahren eine Fortbildung besucht. 12 Prozent der Schulleitungen gaben an, didaktischen IT-Fortbildungen einen hohen Stellenwert beizumessen. Hinsichtlich der IT- Ausstattung von Schulen zeigt sich, dass Deutschland beim Schüler- Computer-Verhältnis mit einem Wert von 11,6 Schülern pro PC im europäischen Mittelfeld liegt. Allerdings, so die Forscher, seien Länder wie Norwegen mit einem Verhältnis von 2,4 Schülern pro PC deutlich besser aufgestellt. Fast die Hälfte der Lehrkräfte in der achten Jahrgangstufe gab an, dass die Internetzugänge an Schulen unzureichend sind. Ähnlich fiel das Ergebnis hinsichtlich der Ausstattung aus: 43 Prozent arbeiten mit veralteten Rechnern. Auch im Bereich der neuen Technologien liegt Deutschland zurück. Nur 6 Prozent der Achtklässler haben im Unterricht Zugang zu einem Tablet-PC – in Australien sind es mit 63 Prozent deutlich mehr.

Die Ergebnisse der Studie ICILS 2013 machen auch deutlich, dass die weit verbreitete Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzerinnen und Nutzern digitaler Medien, nicht zutrifft, schreiben die Autoren. Sie fordern unter anderem die verbindliche Verankerung dieser Kompetenzen in die Curricula und Lehrpläne aller Schulformen der Sekundarstufe I, die Entwicklung von Bildungsstandards sowie von Konzepten für die Primarstufe.

Über die Studie

Die Ergebnisse der Studie ICILS 2013 machen deutlich, dass die weit verbreite te Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzerinnen und Nutzern digitaler Medien, nicht zutrifft, schreiben die Autoren. Sie fordern unter anderem, die verbindliche Verankerung dieser Kompetenzen in die Curricula und Lehr- pläne aller Schulformen der Sekundarstufe I, Entwicklung von Bildungs standards, und von Konzepten für die Primarstufe. Mit der Studie ICILS 2013 (International Computer and Information Literacy Study) werden erstmalig im internationalen Vergleich informations- und computerbezogene Kompetenzen von Jugendlichen gemessen sowie die schulischen und außerschulischen Rahmenbedingungen ihres Erwerbs empirisch elaboriert erfasst.

Schon seit den 1990er beteiligt sich Deutschland regelmäßig an drei internationalen Schulleistungsstudien. Dazu gehören die von der IEA (International Association for the Evaluation of Educational Achievement) verantworteten Studien PIRLS/IGLU (Progress in International Reading Literacy Study bzw. Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung), die TIMS-Studie (Trends in International Mathematics and Science Study), und die von der OECD koordinierten PISA-Studien (Programme for International Student Assessment). Entsprechende Studien zu dem Kompetenzbereich ICT-Literacy fehlen bisher. Die ICIL-Studie 2013 schließt diese Lücke: Sie wird ebenfalls von der IEA international koordiniert und greift mit ihrem Design erstmalig nunmehr ICT-Literacy als vierte Schlüsselkompetenz im Sinne eines Grundbildungskonstruktes auf.

Die Studie legt zugrunde, dass ein kompetenter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien in unserer Wissens- und Informationsgesellschaft unerlässlich ist. Die mit dieser Studie zu testenden Fähigkeiten spielen nicht nur in vielen Berufsfeldern eine wichtige Rolle, sondern nehmen aufgrund der fortgeschrittenen Technisierung auch im Alltag einen zentralen Stellenwert ein. Für die erfolgreiche Teilhabe in der Gesellschaft stellt die Beherrschung von Informations- und Kommunikationstechnologien eine allgemeine Kulturtechnik dar.

Die Studie bildet national und international einen Meilenstein, da sie den gesellschaftlichen und technischen Veränderungen im 21. Jahrhundert Rechnung trägt und diese mit zeitgemäßen Methoden der empirischen Bildungs- und Schulforschung bearbeitet.

Zur Erfassung der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen und von Rahmendaten im schulischen und außerschulischen Bereich kommen computerbasierte Schülertests in einer softwarebasierten Testumgebung zur unmittelbaren Kompetenzmessung sowie schriftliche Befragungen von Lehrpersonen, Schulleitungen und IT-Koordinatoren in Schulen sowie Schülerbefragungen in einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe in 150 Schulen in allen Bundesländern zum Einsatz. Zeitgleich wird diese Erhebung im Jahr 2013 weltweit in 20 weiteren Bildungssystemen durchgeführt. Die computerbasierten Schülertests zur Erfassung von computer- und informationsbezogenen Kompetenzen bilden den Kern der Studie; sie dienen der Messung der Computer- and Information-Literacy der Achtklässlerinnen und Achtklässler.

Die Studie wird in Deutschland federführend unter der Leitung der beiden National Research Coordinators (NRC) Prof. Dr. Wilfried Bos und Prof. Dr. Birgit Eickelmann geleitet und am Institut für Schulentwicklungsforschung in Kooperation mit der Universität Paderborn durchgeführt.

Das internationale Forschungszentrum liegt beim Australian Council for Educational Research (ACER). Die Datenerhebung und Feldarbeit in Deutschland übernimmt das IEA Data Processing and Research Center (DPC) in Hamburg.

ICILS 2013 in Deutschland wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie mit Unterstützung aus Mitteln der Europäischen Kommission finanziert. Die Deutsche Telekom Stiftung finanziert zudem ein Vertiefungsmodul. Die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) der Länder hat den Feldzugang für ICILS 2013 in Deutschland gewährt und unterstützt die Durchführung der Studie.


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