didacta 2012: Digitale Schulbücher auf allen Betriebssystemen und auf allen Endgeräten
(red) Spätestens seit Apples Paukenschlag zum iSchulbuch ist klar: Die digitalen Lernmaterialien werden im Schulalltag eine größere Rolle spielen. Die Schulbuchverlage arbeiten bereits seit Längerem an einer praktikablen Lösung für Lehrer und Schüler. In der kommenden Woche wird das Projekt "Digitale Schulbücher" auf der didacta in Hannover vorgestellt. Was sich dahinter verbirgt, erklärt der Geschäftsführer der VdS Service GmbH, Christoph Bornhorn, im Gespräch.
13.02.2012 ArtikelWelches Konzept steht hinter dem Projekt "Digitale Schulbücher"?
Christoph Bornhorn: Mit "Digitale Schulbücher" können Schulen, Lehrkräfte und Schüler Bücher verschiedener Verlage in einem Regal verwalten, lesen und nutzen – online oder offline. Der Nutzer muss sich nicht mit unterschiedlichen Softwarelösungen und Anzeigeformaten mehrerer Verlage auseinandersetzen. Stattdessen kann er mit einer Technik alle Bücher in einem digitalen Bücherregal nutzen. Online- und Offline-Version können synchronisiert werden. Dies ermöglicht den Einsatz in vielen unterschiedlichen Lern- und Lehrszenarien. Ein Schüler oder Lehrer kann zum Beispiel "Digitale Schulbücher" mit Hilfe einer kostenlosen Software auf seinem privaten Laptop offline nutzen. Zusätzlich kann er aber auch von jedem Rechner mit Internetzugang – in der Schule oder anderswo – über www.digitale-schulbuecher.de online auf seine Bücher zugreifen.
Wie funktioniert das?
Christoph Bornhorn: Der Nutzer erwirbt zunächst einen Freischaltcode für ein digitales Schulbuch im Webshop eines Verlages, der sich an "Digitale Schulbücher" beteiligt. Jetzt hat er die Wahl. Er kann diesen Code entweder in die Online- oder in die Offline-Version eingeben. Beide Versionen sehen identisch aus und funktionieren identisch. Der Nutzer lädt sich die Offline-Version als kostenlose Software herunter, installiert sie lokal auf seinem Rechner und gibt dort den Freischaltcode ein. Oder er gibt den Code über die Online-Version ein, die unter www.digitale-schulbuecher.de zu erreichen sein wird. Anschließend wird das jeweilige Werk in das digitale Buchregal heruntergeladen und steht dort zur Nutzung bereit.
Woher weiß ich, dass das von mir gesuchte Schulbuch auch digital angeboten wird?
Christoph Bornhorn: Die Freischalt-Codes für die Bücher werden direkt in den Webshops der beteiligten Verlage erworben und werden dort entsprechend ausgewiesen sein. "Digitale Schulbücher" ist also kein zentraler "Schulbuch-Store".
Welche Funktionen bietet das digitale Schulbuch?
Christoph Bornhorn: "Digitale Schulbücher" hat die Bedürfnisse von Lehrern und Schülern im Blick: Die Lösung ist auf die Schulpraxis ausgerichtet und enthält zum Beispiel wesentliche Whiteboard-Funktionen. Der Nutzer kann Notizen machen, Lesezeichen setzen, zeichnen, er kann Texte markieren, abdecken und freistellen, Bücher schnell durchsuchen und vieles mehr.
Gibt es auch multimediale Inhalte?
Christoph Bornhorn: In der Preview-Version, die auf der didacta präsentiert wird, sind die Grundfunktionen der Lösung implementiert. Es handelt sich aber um ein dynamisches Projekt: Weitere Funktionen, wie zum Beispiel die Einbindung animierter und multimedialer Inhalte, werden Schritt für Schritt umgesetzt.
Auf welchen Plattformen wird das digitale Schulbuch genutzt werden können?
Christoph Bornhorn: "Digitale Schulbücher" wird alle Betriebssysteme und Endgeräte abdecken. Schülern und Lehrern wird nicht die Nutzung einer bestimmten Technik vorgegeben. Das System wird sowohl auf Windows also auch auf Mac-Rechnern lauffähig sein. Geplant ist zudem, digitale Schulbücher auf das Tablet zu bringen und dabei sowohl das iPad als auch Android-Geräte zu berücksichtigen. "Digitale Schulbücher" ist eine herstellerunabhängige Lösung: Ein Schüler, der in der Schule einen PC und zu Hause einen Mac hat, kann die Bücher auf beiden Rechnern nutzen.
Wann wird gestartet?
Christoph Bornhorn: Marktstart für das Projekt wird der Beginn des Schuljahres 2012/2013 sein.
Wie stellen sie sich denn den Einsatz im konkreten Schulalltag vor? Eigentlich müssten doch alle Schüler über ein entsprechendes Gerät verfügen – alles andere wäre ungerecht.
Christoph Bornhorn: Wir plädieren schon lange dafür, dass spezielle Budgets für digitale Bildungsmedien bereitgestellt werden müssen. Wir gehen davon aus, dass digitale Angebote in Zukunft stärker in der Schule zum Einsatz kommen werden, schließlich wandelt sich das Mediennutzungsverhalten von Schülern erheblich. Doch um diesen Wandel in der Schule so umzusetzen, dass alle Schüler etwas davon haben, müssen natürlich zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Nur auf diesem Weg kann Bildungsgerechtigkeit insoweit hergestellt werden. Die Politik ist hier gefordert.
Gibt es denn Ihrerseits dazu bereits Gespräche mit der Politik?
Christoph Bornhorn: Das Interesse an "Digitale Schulbücher" ist sehr groß, auch von der Politik. Wir werden die didacta dazu nutzen, das Projekt politischen Entscheidungsträgern vorzustellen.
Wie sieht es mit dem Kopierschutz aus?
Christoph Bornhorn: Das Projekt wird ein Digital Rights Management System beinhalten.
Können die Bücher nur gekauft oder auch ausgeliehen werden?
Christoph Bornhorn: Das hängt von den Lizenzausgestaltung des jeweiligen Verlags ab. "Digitale Schulbücher" bietet jedenfalls die technischen Voraussetzungen für die Befristung von Lizenzen. Damit ist also eine Schulbuchleihe grundsätzlich möglich.
Dazu auf der didacta 2012
Auf der didacta werden 27 deutsche Bildungsmedienverlage eine Preview-Version der Lösung "Digitale Schulbücher" vorstellen. Halle 16 Stand E22 Themendienst didacta 2012 'Highlights'
didacta 2012
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