„Wir brauchen dringend bessere Tools zur Visualisierung“

Wie viel hat der erste Digitalpakt bewegt – und was muss beim zweiten besser werden? Was brauchen Klassenzimmer, damit digitales Lernen funktioniert? Und wie sieht die Schule der Zukunft aus? Darüber spricht Sarah Henkelmann-Hillebrand, Expertin für digitale Bildung und Pan-European Market Development Managerin bei Epson, im Interview.

12.03.2026 Bundesweit Pressemeldung EPSON Deutschland GmbH
  • © Epson In immersiven Lernräumen wird Wissen durch große, interaktive Projektionen physisch erlebbar und Schüler:innen können sich aktiv mit Inhalten auseinandersetzen.

Frau Henkelmann-Hillebrand, Bund und Länder haben sich auf einen Digitalpakt 2.0 geeinigt, insgesamt 5 Milliarden Euro sollen dafür bis 2030 zur Verfügung stehen. Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Unterschied zum ersten Paket und warum ist die Fortsetzung so wichtig?

Der erste Digitalpakt war vor allem ein Nachholen. Man muss das klar sagen: Im Vergleich zu unseren Nachbarländern hatten wir in Deutschland jahrzehntelang zu wenig in die digitale Infrastruktur investiert. Beim Digitalpakt haben wir dann wirklich Bagger vor den Schulen gesehen, die Datenleitungen ans Gebäude gelegt haben. Der Digitalpakt 2.0 verspricht den Schulen und Trägern nun eine Finanzierung bis 2030. Es ist wichtig, dass die Förderung für digitale Ausstattung auch darüber hinaus verstetigt wird. Nur so können wir Kinder und Jugendliche fit machen für eine Welt, die sich – gerade durch Künstliche Intelligenz – rasant verändert.

Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte beim Digitalpakt 2.0?

Es wird sicherlich weniger in reine Infrastruktur fließen, weil dort wirklich viel passiert ist. Dafür rückt die Ausstattung stärker in den Fokus – sowohl Hardware als auch Software. Wir haben immer noch Klassenzimmer in Deutschland, die keine vernünftige Visualisierungstechnologie haben, keine Projektion, gar nichts. Es ist leider keine Selbstverständlichkeit, dass jeder Schüler und jede Schülerin das, was vorne gezeigt wird, auch wirklich lesen kann. Das sicherzustellen, ist eine zentrale Aufgabe des Digitalpakts 2.0.

Beim ersten Digitalpakt wurde kritisiert, dass Technik angeschafft wurde, die dann ungenutzt in der Ecke stand. Was muss hier anders laufen?

Im Digitalpakt 2.0 sind auch Budgets für Schulung und Training von Lehrkräften vorgesehen – das ist ein entscheidender Punkt. Wir müssen alle Lehrenden befähigen, die vorhandenen Systeme pädagogisch sinnvoll einzusetzen. Das Credo lautet: Pädagogik vor Technik. Gleichzeitig müssen die Tools einfach zu bedienen sein; eine Lehrkraft mit 30 Kindern im Raum hat keine Zeit, sich ewig mit komplizierter Technik zu beschäftigen. Die Projektionstechnologie von Epson ermöglicht eine leichte Bedienung, sodass Lehrkräfte auch ohne aufwendige Schulungen schnell loslegen können.

Verändert sich durch neue Technologien auch die Rolle der Lehrkraft?

Ich würde es so formulieren: Die Technik sollte sich daran ausrichten, wie unterrichtet wird – nicht umgekehrt. Gute Technologie drängt sich nicht auf, sie ist ein Werkzeug. Am Ende sollte die Lehrkraft entscheiden, welche Technologie in welcher Form im Unterricht eingesetzt wird. Und das können unsere gut ausgebildeten Lehrkräfte in Deutschland durchaus selbst entscheiden. Wichtig ist: Bei allem sollte der Mensch im Vordergrund stehen, nicht die Technik.

Wie muss sich das klassische Klassenzimmer verändern, damit digitales Lernen wirklich funktioniert?

Baulich werden sich die Klassenzimmer kurzfristig nicht groß verändern, aber wir brauchen dringend bessere Tools zur Visualisierung. Es ist absolut entscheidend, dass alle Schülerinnen und Schüler – egal wo sie sitzen – die Informationen gut lesen können. Das ist bei kleinen, begrenzten Displays leider oft nicht der Fall. Mit einem Projektor kann die Lehrkraft das Bild so groß machen, wie der Raum es zulässt – und damit gewährleisten, dass alle 30 Kinder im Klassenzimmer dem Stoff folgen können. Und das Ganze hat auch einen psychologischen Effekt: Die Kinder fühlen sich mitgenommen.

In Hanau wurde kürzlich ein erster „immersiver Lernraum“ eröffnet, Sie haben das Konzept mitgeprägt. Was verbirgt sich dahinter?

Immersiv bedeutet: eindringlich, fesselnd, zum Eintauchen. Es geht darum, Wissen physisch erlebbar zu machen und eine Umgebung zu schaffen, in der Schüler:innen sich interaktiv mit Inhalten beschäftigen können. Wir wissen aus der Lernforschung, dass solche Erfahrungen tiefer gehen und besser hängenbleiben. In Italien haben mittlerweile Hunderte von Grundschulen solche immersiven Lernräume installiert. In festgelegten Abständen besuchen die verschiedenen Jahrgänge diesen Raum – zum Beispiel für die Einführung in ein neues Thema oder eine Zusammenfassung. Das lässt sich auf alle Fächer herunterbrechen: Naturwissenschaften, Sprachen, Mathematik. Durch große, interaktive Projektionen entsteht eine visuelle Wirkung, die zusätzlich akustisch ergänzt werden kann. Das Schöne daran: In diesen Räumen kann ich mit meiner Klasse auf dem Mond landen oder ins antike Griechenland reisen – und das in Sekundenschnelle. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie fasziniert Schüler:innen in solchen Räumen anfangen, selbst zu forschen.

Verschwindet das Analoge dann bald ganz aus den Klassenzimmern und die Kinder hängen auch während der Schulzeit vor dem Bildschirm?

Nein, und das ist mir wichtig. Immersive Räume unterscheiden sich von Tablets oder Datenbrillen, mit denen jedes Kind im Endeffekt allein im digitalen Raum unterwegs ist. Es ist etwas völlig anderes, gemeinsam als Gruppe eine Lernerfahrung in einem immersiven Raum zu sammeln. Und das Analoge kann an vielen Stellen sogar integriert werden: Stellen Sie sich vor, eine Klasse taucht immersiv in die Welt von Frida Kahlo ein – die Schüler:innen sehen ihr Atelier, ihre Arbeitsweise und ihre Bilder, hören dazu vielleicht Musik aus ihrer Epoche. Danach analysieren sie gemeinsam die Pinselstriche, greifen selbst zu Farbe und Papier und entwickeln eigene kleine Kunstwerke im Stil von Frida Kahlo. Hier die richtige Balance zu finden, ist entscheidend – und ich bin überzeugt, dass unsere Lehrkräfte das können.

Deutschland gilt im internationalen Vergleich nicht als Vorreiter der digitalen Bildung. Sie haben gerade schon Italien angesprochen, was machen andere Länder besser?

Was mir auffällt, ist, dass andere Länder das Curriculum teils mit deutlich mehr Kraft auf das 21. Jahrhundert ausrichten. Bei uns in Deutschland passieren eher kleinere Anpassungen von Legislatur zu Legislatur, alles wirkt etwas schwerfälliger. Das liegt sicher in Teilen auch am deutschen Bildungsföderalismus. Was ich mir wünsche, ist mehr Mut zur Veränderung und vor allem ein zeitgemäßerer Umgang mit dem, was sich verändert.

Zum Abschluss: Wenn Sie freie Hand und Budget hätten, wie würden Sie die Schule der Zukunft gestalten?

Als erstes würde ich die Schülerinnen und Schüler selbst fragen, wie sie ihre Schule gestalten möchten. Das klingt simpel, passiert aber viel zu selten. Ich persönlich wünsche mir Schulen als schöne Lernorte, die man gerne besucht – bunter, lebendiger und mit moderner Technologie ausgestattet. Wir machen uns in Unternehmen so viele Gedanken darüber, wie ein optimaler Arbeitsplatz aussehen soll. Unsere Kinder und Lehrkräfte verbringen den halben Tag in der Schule, also sollten wir fragen: Wie können wir es dort schöner machen?

Frau Henkelmann-Hillebrand, vielen Dank für das Gespräch!

Ansprechpartner

EPSON Deutschland GmbH
Schiessstraße 49
40549 Düsseldorf
E-Mail: schule@epson.de
Web: www.epson.de/digitalpakt


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden