Druck im G8 - Lehrplan kürzen ist keine Lösung

Der Bayerische Elternverband bezweifelt, dass Kinder und Eltern es im achtstufigen Gymnasium (G8) in Zukunft leichter haben werden, nur weil der Lehrplan um rund zehn Prozent gekürzt wird. "Die G8-Lehrpläne sind gut", sagte Isabell Zacharias, die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands (BEV). Im Lehrplan würden die Bildungsstandards formuliert, die ein Schüler erreichen muss. Wie die Schule ihre Schüler so weit bringt, werde anders als früher dem einzelnen Lehrer überlassen. Nicht mehr der Stoff ist im G8-Lehrplan verpflichtend, sondern das Bildungsziel. Es lasse sich deshalb auch kaum sinnvoll Stoff kürzen.

08.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

"Das Problem ist die Anwendung des Lehrplans. Manche Lehrer können mit solchen Lehrplänen umgehen. Sie greifen wenige Beispiele heraus und lassen die Schüler daran ihre Kompetenzen entwickeln. Andere arbeiten aber das komplette Lehrbuch Zeile für Zeile ab. In der nächsten Prüfung kann dann alles drankommen - das setzt Kinder und Eltern unter Druck." Abende, Wochenenden und die Hälfte des Urlaubs sitze die gesamte Familie über den Büchern des G8-Kindes.

Dieser Stress werde auch bei gekürzten Lehrplänen nicht abnehmen, wenn nicht gleichzeitig die Schulbücher und damit der Unterricht verändert würden. "Das Grundwissen ist wichtig, der Rest bleibt sowieso nicht hängen", sagte Zacharias. "Wenn ein Schüler in der Oberstufe das Bruchrechnen vergessen hat, scheitert er, noch bevor er ein Integralzeichen auch nur aufmalen kann." Lehrer sollten also vor allem Wert auf Grundwissen legen. "Am besten wäre es, wenn in den unteren Klassen des G8 in allen Prüfungen nur Grundwissen abgefragt würde. Dann wäre der Lernstoff überschaubar und nach zwei, drei Jahren könnten die Kinder vermutlich mehr als jetzt, wo sie sich ständig mit Wissen vollstopfen, das nach der Prüfung einfach weg ist."

Dass das Kultusministerium in der 7. Klasse eine Stunde weniger Unterricht in der ersten Fremdsprache vorschreibt und den Schulen Nachmittagsunterricht verbietet, sieht der BEV als einen Schritt in die falsche Richtung. Der Lerndruck auf die Familien wachse, wenn die Kinder weniger Zeit in der Schule verbrächten, denn es werde noch mehr Lernen und Üben nach Hause verlagert. Der entgegengesetzte Weg sei richtig: "Schüler und Lehrer brauchen mehr Zeit für neue Lernformen - das geht nur in einer echten Ganztagsschule."


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