Kultusminister Siegfried Schneider stellt Gesamtpaket vor, um bayerisches Gymnasium weiter zu entwickeln

Ein Gesamtpaket zur Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums stellte heute Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider im Bayerischen Kabinett vor. Es sieht Kürzungen im Lehrplan, eine maßvolle Kürzung der vorgegebenen Pflichtstunden und mehrere schulorganisatorischer Maßnahmen vor. Die Intensivierungsstunden bleiben vollständig erhalten. Durch 938 Lehrerstellen sowie durchschnittlich 10.000 ? zusätzlich pro Schule für pädagogisches Personal werden die Rahmenbedingungen an den Gymnasien erheblich verbessert.

08.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Im Mittelpunkt unserer Entscheidung stehen die Schülerinnen und Schüler"

"Im Mittelpunkt unserer Entscheidungen stehen die Schülerinnen und Schüler, die bestmöglich auf Studium und Beruf vorbereitet werden und während ihrer Schulzeit auch ihre Persönlichkeit entfalten sollen", betonte der Minister. Die nun beschlossenen Maßnahmen tragen zur Entlastung der Schüler und Eltern bei und eröffnen zudem mehr Kindern, die für das Gymnasium geeignet sind, diese Schule erfolgreich zu besuchen - unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund.

Schüler werden entlastet - Ausbildung bleibt hochwertig

"Das bayerische Gymnasium verbindet den Leistungsanspruch mit Angeboten, die die Kinder und Jugendlichen altersgerecht fördern," ergänzte der Kultusminister die Zielrichtung. Dabei stehen Grundwissen und Methodenkompetenz, also das nachhaltige Lernen, im Mittelpunkt.

Weniger Pflichtstunden - begabungsgerechte und individuelle Förderung wird erweitert

Das Paket von Minister Schneider sieht u. a. folgende Maßnahmen vor:

  1. Künftig sind für die Schülerinnen und Schüler 260 Stunden verpflichtend in der Stundentafel ausgewiesen, darunter fünf Intensivierungsstunden (zwei in der Klasse 5, zwei in der Klasse 6 und eine in Klasse 7). Weitere fünf Stunden sollen sie - entsprechend den Vorgaben der Kultusministerkonferenz - frei auswählen.

  2. Der Lehrplan wurde in den vergangenen Monaten von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Kultusstaatssekretär Bernd Sibler sorgfältig überarbeitet und reduziert. Die Ergebnisse liegen für viele Fächer wie z.B. Geographie, Geschichte, Griechisch, Latein sowie Physik und Biologie schon vor. Das Institut der KMK zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin wird die neuen Lehrpläne in den Fächern begutachten, in denen es Standards gibt. Der Lehrplan für das bayerische Gymnasium wird bereits ab dem kommenden Schuljahr gelten.

  3. Schulorganisatorische Maßnahmen: Die Anzahl der Nachmittage mit Pflichtunterricht wird künftig begrenzt. In den Jahrgangsstufen 5 bis 8 sollen der Mittwoch- und Freitagnachmittag frei von Pflichtunterricht sein. Lange Schultage sollen rhythmisiert organisiert werden und auch Doppelstunden umfassen. An Tagen mit Nachmittagsunterricht darf den Schülerinnen und Schülern der Unter- und Mittelstufe keine schriftliche Hausaufgabe bis zum nächsten Tag aufgegeben werden.

"Wir können mit den vielfältigen Maßnahmen die Schülerinnen und Schüler entlasten, ohne auf den Qualitätsanspruch zu verzichten", so Minister Schneider und Staatssekretär Sibler zur Wirkung der Beschlüsse.

Minister Schneider: Alle Intensivierungsstunden bleiben erhalten

"Wir weisen den Schulen auch künftig alle Intensivierungsstunden zu, damit sie den Schülerinnen und Schülern über die Pflichtstunden hinaus ein attraktives und begabungsgerechtes Förderangebot unterbreiten können", weist Minister Schneider Falschmeldungen zurück, die in die Öffentlichkeit gebracht worden waren.
"Die Intensivierungsstunden werden nicht gekürzt", konkretisierte der Minister. Vielmehr können die Schulen die zusätzlichen Intensivierungsstunden noch besser auf den Förderbedarf einzelner Klassen oder Schüler hin ausrichten. Die Entscheidung über das Konzept treffen die Schulleiter im Einvernehmen mit Lehrerkonferenz und Elternbeirat. Dies wird auch in der Gymnasialen Schulordnung festgeschrieben.

Zusätzliche Lehrerstellen und Mittel im Schuljahr 2008/2009

Die 938 für das kommende Schuljahr im Nachtragshaushalt 2008 ausgewiesenen Lehrerstellen ermöglichen es, kleinere Klasse zu bilden und die Kinder intensiver zu fördern. Dazu dienen auch zusätzliche Mittel in Höhe von durchschnittlich 10.000 Euro für jedes Gymnasium, mit denen der Aushilfspool verstärkt und weiteres pädagogisches Personal eingestellt werden kann.

Rückmeldungen der Eltern ernst genommen

Die Rückmeldungen habe ich ernst genommen und Evaluationen in Auftrag gegeben. Diese und die Vereinbarungen der KMK vom 8. März 2008 bildeten die Grundlage, das bayerische Gymnasium pädagogisch und organisatorisch weiter zu entwickeln.

Weniger Wiederholer und mehr Übertritte

Die öffentlich geführte Diskussion über die Belastung von Schülern im Gymnasium habe die positiven Erfahrungen mit diesem zu sehr in den Hintergrund treten lassen, z.B.:

  • Die Übertrittsquote zum Gymnasium ist von 2000 von 31,6 Prozent auf 36,7 Prozent im Jahr 2007 angestiegen
  • Gleichzeitig ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine Jahrgangsstufe wiederholen müssen, von 3,1 Prozent im Jahr 2000 (damals im G9) auf 1,7 Prozent im Jahr 2007 zurückgegangen.

Bayerns Schüler bleiben vorn

Mit den heute beschlossenen Änderungen und der verbesserten Ausstattung der Schulen haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass Bayerns Schüler weiterhin an der Spitze der Schüler in Deutschland bleiben werden.

"Ich setze bei der Umsetzung gymnasialer Bildung auf eine enge und vertrauensvolle Kooperation der gesamten Schulfamilie", so der Minister. Abschließend dankte Kultusminister Siegfried Schneider auch der Landeselternvereinigung der Gymnasien, dem Philologenverband und der Direktorenvereinigung sowie dem Landesschülerrat. Sei haben die Erarbeitung des Konzepts konstruktiv-kritisch begleitet und ihm zugestimmt.

Künftig verpflichtende Stundentafel für Schülerinnen und Schüler des G8 im Überblick

Jahrgangsstufe56789101112GESAMT
Fachunterricht2830313234343333255
Intensivierungsstunden2215
Verpflichtung3032323234343333260
Intensivierungsstunden11112229
Wahlunterricht1Je nach Angebot der Schule
Nachmittage mit Pflichtunterricht011122



1) Im Rahmen der 265 von der KMK vorgegebenen Wochenstunden sind von Schülern mindestens fünf Wochenstunden individuell zu wählen.


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