Ganztagsschulverband

Eine Neuauflage des Bildungsgipfels ist mehr denn je nötig

Aktuelle bildungspolitische Studien, die kürzlich erschienen, bestätigen wieder einmal sehr deutlich die Anliegen der Ganztagsschulbefürworter. Als Ganztagsschulverband erwarten wir, dass die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft endlich die Notwendigkeit einer nachhaltigen Kehrtwende bei der Finanzierung der Bildung erkennen.

09.01.2015 Pressemeldung Ganztagsschulverband e.V.

Der von der Bertelsmann-Stiftung im Dezember 2014 veröffentlichte "Chancenspiegel 2014" gipfelte einmal mehr in der ernüchternden Feststellung, dass es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland immer noch schlecht bestellt sei. Die wesentlichen, auf die Ganztagsschule bezogenen Aussagen belegen:

  1. Der Bund ist gefragt: Nur mit seinem finanziellen und konzeptionellen Engagement kann beispielsweise der für bessere Bildungschancen benötigte Ausbau der Ganztagsschulen vorankommen.
  2. Die Anzahl von Ganztagsschülerinnen und -schülern ist zwar im beobachteten Zeitraum 2009 - 2014 weiter angestiegen (ein Anstieg um 5,4 Prozentpunkte seit 2009), aber nur ein Drittel der Schülerinnen und Schüler haben tatsächlich Zugang zu Ganztagsschulen. Die Studie bewertet dies angesichts der tatsächlichen Nachfrage deshalb nur als "kleinen" Anstieg.
  3. Zudem gibt es deutliche länderbezogene Unterschiede: Während Berlin, Hamburg, Sachsen und Thüringen mit 63,2% Ganztagskindern an der Spitze stehen, gibt es in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt im Mittel gerade einmal 17% Ganztagsschüler/innen.

Bildungschancen sind in Deutschland zu stark abhängig von der Tatsache, wo Kinder und Jugendliche aufwachsen. Es gibt gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land und insgesamt ist das Ost-West-Gefälle immer noch stark ausgeprägt. Der Bund ist hier in seiner Verantwortung für die gesamte Republik gefordert. Das Kooperationsverbot trägt in seinen Auswirkungen zur Ungerechtigkeit bei.

Aus der soeben veröffentlichten Expertise des DGB "Bildungsgipfel-Bilanz 2014" (von Klaus Klemm) resultieren ebenfalls keine neuen oder gar bahnbrechenden Erkenntnisse. Alle Aussagen und Forderungen sind hinlänglich bekannt, werden aber nicht umgesetzt, weil die Mehrheit der Länder auf ihrer alleinigen, auch finanziellen Hoheit in Schulfragen beharren. Diese Expertise des DGB (Januar 2015) verdeutlicht einmal mehr, dass nahezu alle Bildungsstudien die Kernforderungen des Bildungsgipfels von 2008 verstärken:

  1. Mehr gute Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams werden dringend benötigt.
  2. Das deutsche Bildungssystem ist auch im internationalen Vergleich unterfinanziert, es fehlen die ökonomischen Ressourcen für die zentralen Aufgaben: Ausbau der Krippenplätze, schulische Inklusion, Ganztagsschulen, berufliche Ausbildung aller jungen Menschen und die Schaffung angemessener Studienbedingungen.

Als Ganztagsschulverband unterstützen wir daher die zentrale Forderung des DGB nach einer Neuauflage des Bildungsgipfels.


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