Bayern

Eltern fordern freie Schulwahl

Nun ist es wieder soweit: Schülerinnen und Schüler erhalten ihr Übertrittszeugnis und dürfen zusammen mit ihren Eltern die künftige Schule aussuchen. Das behauptet Kultusminister Spaenle. Genauso gut könnte er behaupten, dass die Erde eine Scheibe ist, meint die Stellvertretende Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Ulrike Köllner. In Wahrheit zähle allein die Durchschnittsnote: 2,33 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde für das Gymnasium, 2,66 für die Realschule.

02.05.2013 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Hat ein Kind schlechtere Noten, dürfen seine Eltern es für den Probeunterricht anmelden, eine Art Aufnahmeprüfung für 9-Jährige in den Fächern Deutsch und Mathematik. Mit den Noten 3 und 4 gilt die Prüfung als bestanden. Bewerten die Lehrkräfte mit 4 und 4, ist die Prüfung nicht bestanden, aber die Eltern dürfen ihr Kind trotzdem in dieser Schule anmelden. Bei einer 5 hilft auch der Elternwille nicht mehr (schlaue Eltern lassen ihr Kind den Probeunterricht dort absolvieren, wo die Schule nicht ohnehin schon überfüllt ist).

Mit einer freien Wahl der Schulform durch die Eltern, die es in zwölf von 16 Bundesländern gibt, habe die bayerische Zwangszuordnung durch Noten nichts zu tun. Eltern würden von Lehrkräften und Politikern verantwortlich gemacht, wenn es um Hausaufgaben, den Lernerfolg, Prüfungsangst oder Unterrichtsstörung geht. Dass Eltern für ihr Kind den bestmöglichen Bildungserfolg wünschen, wird ihnen ebenso vorgeworfen wie mangelnde Anteilnahme am schulischen Erfolg. "Doch wir dürfen nicht entscheiden, welche weiterführende Schule unser Kind besucht", sagt Köllner. "Das ist eine unerträgliche Bevormundung!"

Dass durch die Freigabe der Elternentscheidung der Bildungserfolg noch stärker vom sozialen Status der Familie abzuhängen drohe als ohnehin schon, sei ein Scheinargument. Die 20 Prozent der Kinder, die trotz 2,33 nicht ins Gymnasium übertreten, dürfen auch in die Real- oder Mittelschule gehen und werden nicht per Gesetz in ein Gymnasium gezwungen. Überwiegend entscheiden Eltern so, die selbst kein Gymnasium besucht haben. Hier störe soziale Selektion merkwürdigerweise nicht.

"Wir fordern, dass Eltern ihr durch das Grundgesetz garantiertes Erziehungsrecht wahrnehmen und in Zukunft nach Beratung durch die Lehrkräfte entscheiden dürfen, welche weiterführende Schule ihr Kind besucht. Damit in der Grundschule Kinder wieder Kinder und Lehrer wieder Lehrer sein können. Damit Wissbegier nicht durch den Notendruck vernichtet wird."


Der BEV vertritt Eltern aller bayerischen Bildungseinrichtungen. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.


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