Eltern gründen Initiative für Bildung
Am Vorabend des Weltbildungstages (8.9.) haben die Eltern der "Landesinitiative Rettet die Grundschulen im Saarland!" die "Landeselterninitiative für Bildung" gegründet, einen gemeinnützigen Verein. "Die schlechten Erfahrungen mit der Politik der Landesregierung in Bildung und Kultur - Stichworte Grundschulschließungen, achtjähriges Gymnasium, weniger Investition ins Staatstheater - haben uns bewogen, mit unserem neuen Verein auf eine bessere Bildung unserer Kinder hinzuarbeiten", sagte der neu gewählte Sprecher Bernhard Strube.
07.09.2006 Saarland Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V.Bildung soll nach dem Willen der Eltern "Identität stiften, Mentalität modernisieren sowie Kompetenz und Selbstbewusstsein schaffen". In dem Maß würden das Saarland und die Region Zukunft haben, wie es gelänge, "die Bildung unserer Kinder weiterzuentwickeln und Orte zu kultivieren, an denen Wissen, Kompetenzen und Ideen gedeihen", heißt es in der Satzung des neuen Vereins.
Kinder sollen Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Teilhabe und Mitverantwortung sowie eine demokratische Kultur des Zusammenlebens erlernen und erleben. Dafür will die Landeselterninitiative aktiv eintreten und darüber hinaus Eltern ein offenes Forum schaffen, ihre eigene Kompetenz hierfür zu erweitern und einzubringen. Veranstaltet werden sollen Workshops, Vorträge, Expertengespräche, Vorführungen von Dokumentationen und öffentliche Diskussionen.
Mit den Schulmitbestimmungsgremien der Eltern, bildungspolitisch Verantwortlichen sowie Schulträgern und interessierten Organisationen wollen die Eltern zusammenarbeiten. Eine neue Website und ein Newsletter sind in Arbeit. Erste Veranstaltungen des neuen Vereins sind die beiden Vorführtermine für den Film "Spitze – Schulen am Wendekreis der Pädagogik. Warum Schulen in Skandinavien gelingen" (Reinhard Kahl) in Kooperation mit dem Saarbrücker Kino achteinhalb am Mittwoch 27.9. und 11.10.2006, 17.30 Uhr (Eintritt kostenlos!).
Erste Leitgedanken hat die Elterninitiative bereits entwickelt. "Wir müssen weg von einem Bildungssystem, das zu stark darauf ausgerichtet ist, überdurchschnittliche Schüler von unterdurchschnittlichen zu trennen. Hin zu einem System, das individuelle Schwächen ausgleicht und Talente fördert. In den Schulen müssen die Rahmenbedingungen für den Umgang mit heterogenen Lerngruppen und die Individualisierung des Unterrichtes so geschaffen werden, dass eine Pädagogik des Förderns an die Stelle einer Pädagogik der Auslese tritt", schreiben die Eltern. Erfolgreiche Bildungsnationen hätten integrierte Schulsysteme mit hohen Leistungsergebnissen und geringer sozialer Auslese durch die Schule. Anstatt sich an Bayern mit einem extrem ungerechten und hoch selektiven Schulsystem zu orientieren, soll sich das Saarland die europäischen PISA-Gewinnerländer in Skandinavien zum Vorbild nehmen.
So brauchten etwa gerade in den ersten Schuljahren Kinder ein besseres Sozial-, Arbeits- und Lernklima, mehr Raum für persönliche Entfaltung und persönliches Engagement. In kleinen Klassen würden Lerndefizite und individuelle Probleme von Schülern rascher und klarer erkannt, sie könnten umfassender und gründlicher aufgearbeitet werden, meinen die Eltern mit Replik auf die Grundschulschließungen. Wenn Kinder an Gymnasien, die ja alle keine Ganztagsschulen seien, um 17 Uhr nach Hause kämen, ausgebrannt und nicht mehr aufnahmefähig, aber noch Hausaufgaben vor sich, sei "etwas falsch im System".
Die Eltern wollen nicht falsch verstanden werden, sie seien nicht gegen Leistungsstandards und Anforderungen, sie legen aber Wert auf pädagogisch und didaktisch sinnvolle Konzepte. Sie wollen ein System, das Kindern eine möglichst optimale Bildung gewährleistet. So seien zum Beispiel echte Ganztagsschulen, die im Übrigen für Eltern gebührenfrei sind, ein Angebot zur Erhöhung der gemeinsamen Lernzeit und ermöglichten unter anderem eine bessere Rhythmisierung des Lernens. Auch würden Ganztagsschulen Kindern zu besseren Lernergebnissen verhelfen, die außerhalb der Schule kein gutes Lernumfeld haben. "Bei Ganztagsschulen ist das Saarland (mit nur 5 an der Zahl) noch Entwicklungsland - keine einzige ist dazu gekommen, ganz anders unser Nachbar Rheinland-Pfalz, der in Bildung statt in Aufbewahrung investiert.", so die Elterninitiative.
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