Elternbrief von Kultusministerin Karin Wolff zum Schuljahresbeginn

"Die Unterrichtsgarantie Plus – für eine verlässliche Schule startet." Mit diesen Worten wendet sich Kultusministerin Karin Wolff in diesem Schuljahr an die Eltern der hessischen Schülerinnen und Schüler. Karin Wolff informiert mit dem Elternbrief zum Schuljahrsanfang über die aktuelle Situation in der hessischen Bildungspolitik. Rund 900.000 Exemplare des vierseitigen Schreibens werden von den Schulen in diesen Tagen an alle Eltern verteilt.

28.08.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Die Verlässliche Schule trage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung, helfe Eltern wie deren Kindern bei der Tagesplanung, so die Ministerin: "In den vergangenen Wochen wurde das Konzept mitunter sehr strittig diskutiert. Vieles ist dabei auch unvollständig oder falsch dargestellt worden. Dieses Projekt bietet uns die einzigartige Möglichkeit, auch bei kurzfristigem Ausfall von Lehrerinnen und Lehrern für verlässliche Schulzeiten zu sorgen. Damit handeln wir im Interesse der Schülerinnen und Schüler, für die vollständiger Unterricht ein entscheidender Orientierungsrahmen ist: Wir wollen unseren Kindern deutlich machen, dass Schule wichtig ist. Dies gelingt kaum, wenn ihnen durch Unterrichtsausfall das Gegenteil vermittelt wird. Und wir handeln in Ihrem Sinne, denn Sie als Eltern wollen mit Recht darauf vertrauen, dass Ihr Kind in der Schule gut aufgehoben ist und nicht wegen Erkrankung einer Lehrkraft vorzeitig nach Hause geschickt wird."

Obwohl nicht gleich am ersten Schultag überall alles völlig reibungslos klappen könne, sei sie überzeugt, mit der verlässlichen Schule den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, schreibt Karin Wolff: "Dank des außerordentlichen Engagements der hessischen Schulleiterinnen und Schulleiter waren schon kurz vor den Sommerferien die Vertretungspools der Schulen weitgehend mit qualifizierten Vertretungskräften gefüllt. Viele Schulen arbeiten bereits seit langem mit wirksamen Vertretungsregelungen, viele andere sind im Zuge der Vorbereitungen für die Unterrichtsgarantie Plus ihrem Beispiel gefolgt, haben eigene Konzepte entwickelt, bestehende überarbeitet und verbessert. Die Schulen sind für den Start der Unterrichtsgarantie Plus – für eine verlässliche Schule also gut aufgestellt." Weitere Informationen dazu fänden sich auf der Internetseite www.unterichtsgarantieplus.hessen.de, Eltern könnten sich mit Fragen ferner montags bis freitags von 13.00 bis 18.00 Uhr an die Telefon-Hotline 0611 / 368-2019 wenden.

Das Umsetzen der verlässlichen Schule sei Teil des 1999 in Hessen eingeleiteten umfassenden Modernisierungsprozesses, "um an unseren Schulen für mehr Qualität und Verlässlichkeit Sorge zu tragen. Vieles haben wir bereits erreicht. Zum Beispiel mit unserem Ganztagsprogramm nach Maß. Im neuen Schuljahr kommen wiederum 70 neue Schulen hinzu, so dass es nun 406 Schulen mit Ganztagsangebot in Hessen gibt – fast dreimal so viele wie noch 1999."

Zahlreiche schulpolitische Neuerungen der vergangenen Jahre trügen bereits erste Früchte, hebt die Kultusministerin hervor, andere befänden sich noch in der Durchführung und könnten erst langfristig Wirkung zeigen. Im Mittelpunkt aller Initiativen der Hessischen Landesregierung stehe die persönliche und berufliche Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler. Nach dem Grundsatz, dass jede Schülerin und jeder Schüler in Hessen einen Anspruch auf bestmögliche Förderung der jeweiligen Anlagen und Fähigkeiten hat, gebe es für alle Schulformen unterschiedliche Fördermodelle und Projekte.

"Kindern so früh wie möglich optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen, ist das Ziel des Bildungs- und Erziehungsplans ´Bildung von Anfang an´", lautet die Botschaft von Karin Wolff: "Hessen erprobt dieses in Deutschland einmalige Konzept derzeit erfolgreich an 121 ausgewählten Kindertagesstätten und Grundschulen. Unser Anliegen ist, vorschulische und schulische Bildung noch enger miteinander zu verzahnen, um die Kinder früher, nachhaltiger, individueller und intensiver zu fördern."

"An den Haupt-, Gesamt- und Förderschulen kümmern wir uns intensiv um Schülerinnen und Schüler, die geringe Aussichten haben, den Hauptschulabschluss zu schaffen. Sie können sogenannte SchuB-Klassen (Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb) mit erhöhtem Praxisanteil besuchen. Die Jugendlichen gehen in den beiden letzten Schuljahren drei Tage in der Woche in die Schule und zwei Tage in einen Betrieb. Seit 2004 haben wir die Zahl der SchuB-Klassen mehr als verdreifacht, zum Schuljahr 2006/07 starten 69 neue SchuB-Klassen. Die Jugendlichen erhalten auf diese Weise Einblicke in den Berufsalltag und lernen, worauf es im Arbeitsleben ankommt. Ein wichtiger Aspekt des SchuB-Konzepts ist die Stärkung des Selbstwertgefühls der Schülerinnen und Schüler ... Von 206 Schülerinnen und Schülern, die seit 2004 die SchuB-Klassen durchlaufen haben, haben 188 einen Hauptschulabschluss erreicht – davon 71 den Qualifizierten Hauptschulabschluss. Die Erfolgsquote liegt also über 90 Prozent", freut sich die Kultusministerin.

Nach der erfolgreichen Einführung der landesweiten Haupt- und Realschulprüfungen würden Hessens Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 im Schuljahr 2006/07 die ersten sein, die die Schule mit dem Landesabitur in der Tasche verlassen: "Bei den Vorbereitungen für die landesweit einheitlichen Abiturprüfungen liegen wir gut im Zeitplan. Bereits seit April 2005 stehen Beispielaufgaben zur Verfügung und der für die Umsetzung notwendige Einführungserlass wurde im Juli 2005 veröffentlicht. Verschiedene Fachkommissionen erarbeiten derzeit die Prüfungsaufgaben, diese Arbeit wird Ende September 2006 abgeschlossen sein. Durch das Landesabitur erreichen wir im Gymnasialbereich eine neue Vergleichbarkeit, die auch hier zu einer Aufwertung des Abschlusses führen wird."

Karin Wolff führt nach erfolgreicher Erprobungsphase den Schul-TÜV landesweit ein. Im Abstand von drei bis fünf Jahren werden Teams von Schulinspektoren jede Schule in Hessen besuchen. Sie analysieren durch einen unabhängigen Blick von außen die Stärken und Schwächen einer Schule. So erhalten die Schulen eine zusätzliche Hilfe für ihre qualitative Weiterentwicklung.

Auch auf zunehmende Gewalt an Schulen geht der Brief der Kultusministerin ein: "Um die Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern noch mehr als bisher zu unterstützen, stehen ab dem Schuljahr 2006/07 zusätzlich 35 Stellen für Beratungslehrkräfte im Bereich Erziehungshilfe zur Verfügung. 70 weitere kommen bis 2008 hinzu. Diese speziell ausgebildeten Förderschulpädagogen helfen, wenn die Lehrerinnen und Lehrer mit herkömmlichen pädagogischen Methoden nicht mehr weiterkommen ... Wir können in der Bildung nur Fortschritte erzielen, wenn wir auch in der Erziehung erfolgreich sind und alle selbst auch als Vorbilder handeln. Aus diesem Grund bitte ich Sie, liebe Eltern, sich gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern der erzieherischen Herausforderung zu stellen. Wie sollen Kinder lernen, dass Pünktlichkeit im späteren Berufsleben wichtig ist, wenn sie zwar in der Schule für ihr Zuspätkommen ermahnt werden, es bei den Eltern aber ohne Konsequenzen bleibt, wenn sie nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zu Hause sind? ... Aus meiner Sicht sollten Fernseher und Spielkonsolen bis zu einem Alter von wenigstens zehn oder zwölf Jahren im Kinderzimmer nicht vorhanden sein. Zudem empfehle ich, mit den Kindern über Fernsehsendungen und Computerspiele zu sprechen, damit sie lernen, damit richtig umzugehen."

Zum Schluss des Elternbriefs dankt die Ministerin allen Lehrkräften und kündigt eine Phase der Konsolidierung an, "in der wir uns darauf konzentrieren, das Erreichte zu sichern". Ferner verweist sie auf das bis 22. September 2006 montags bis freitags von 8:00 bis 17:00 Uhr unter 0180 / 10 30 300 geschaltete Elterntelefon.

Der komplette Text des Elternbriefs ist Internet unter www.kultusministerium.hessen.de abrufbar.


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